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MARIANNE WILDI: Sie schöpft Idee und Währung zugleich

Sie war lange die einzige Chefin einer börsenkotierten Bank und ist eine kluge Taktgeberin. Den Kurs gibt sie aus dem Hotspot der hiesigen Bankenprovinz vor.
Marianne Wildi. (Bild: Sandra Ardizzone)

Marianne Wildi. (Bild: Sandra Ardizzone)

Eine unprätentiösere Bankchefin kann man sich kaum vorstellen. Der einzige Luxus, den sie sich gönnt, ist ein nach eigenem Dafürhalten etwas zu kräftiges deutsches Automobil. Ansonsten ginge sie auch als IT-Fachfrau durch, die sie ursprünglich ist. Marianne Wildi, Chefin der Hypothekarbank Lenzburg, ist eine der ungewöhnlichsten Erscheinungen in der Schweizer Bankenwelt, wo sich ansonsten mehrheitlich Herren im feinen Zwirn tummeln.

Die bei ihrer Wahl einzige Frau an der Spitze einer börsenkotierten Bank hierzulande sagt denn auch über sich: «Ich bin keine typische Bankerin.» Was eigentlich schade ist, denn mehr Chefs von Wildis Schrot und Korn würden der Szene zweifellos gut tun. Dabei zeichnet sich die 52-Jährige, die bei der «Hypi» seit sieben Jahren den Takt angibt, nicht nur durch wohltuende Klischeefreiheit aus. Nein, sie ist schlicht und einfach eine exzellente Fachfrau, die aus dem 5-Milliarden-Franken-Institut gemäss Finanznachrichten-Plattform «finews» die «digitalste Bank der Schweiz» gemacht hat. Und dies, ohne dass die «Hypi», eine 150-jährige Lenzburger Institution, an Bodenhaftung und Kundennähe verloren hätte.

Das ist deshalb erstaunlich, weil die Bank mit ihrer Chefin nicht nur den lokalen Markt aufmischt, sondern darüber hinaus eine wahre Innovationstreiberin ist. Jüngstes Beispiel: In der «Aargauer Zeitung» sagte sie gestern, die Schweiz sei eine Vorreiterin in der Blockchain-Technologie und sollte einen Krypto-Franken einführen. Eine steile Ansage aus Lenzburg über die Herausforderungen für den Bundesrat und die Nationalbank. Aber eine, die es in sich hat, denn erstens weiss die Chefin der «Hypi», die ihre eigene Bankensoftware entwickelt hat und erfolgreich vertreibt, wovon sie spricht. Und zweitens ist die dezentralisierte Datenbank, mit der Geldeinheiten, Wertpapiere, Besitz- oder Grundrechte verwaltet werden, derzeit der grosse «Game Changer». Ebenso wie die Schöpfung digitaler Zahlungsmittel – nicht mehr nur durch Private, sondern zunehmend auch durch europäische Zentralbanken.

«Es wäre eine vergebene Chance, wenn wir da nicht mitmachen würden», sagt Marianne Wildi mit Verweis auf die Notenbanken von Grossbritannien und Schweden. Und stösst mit ihrer Idee auf prominentes Echo: «Ich habe das Thema vor kurzem mit Bundesrätin Doris Leuthard besprochen. Sie hat mir versichert, dass sie das Thema mit Nationalbank-Chef Thomas Jordan besprechen werde», plauderte sie der AZ gegenüber aus dem Nähkästchen. Man darf mit ihr gespannt sein, was aus dem Input aus dem derzeit prominentesten Hotspot der schweizerischen Bankenprovinz wird.

So oder anders: Die Prognose, dass aus dem Innovationslabor der regionalen Universalbank in Lenzburg noch zu hören sein wird, ist nicht gewagt. Zum einen bläst die seit über drei Jahrzehnten bei der «Hypi» tätige Marianne Wildi das Es-Horn in einer Dorfmusikgesellschaft. Zum andern lancieren die Lenzburger noch in diesem Quartal den virtuellen Geldautomaten. Damit können «Hypi»-Kunden künftig in ausgewählten Geschäften Bargeld beziehen. So stellt sich Frau Bankchefin die Kombination von Fintech und klassischem Banking vor. Denn etwas anderes würde am Fuss des mächtigen Schlosshügels von den Traditionalisten im ehemaligen Berner Untertanenstädtchen ohnehin nicht goutiert.

Balz Bruder

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