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MARKETING: So schützen Sie sich vor Werbeanrufen

Kleine Telefonanbieter sind mit zweifelhaften Methoden auf Kundenjagd. Das Seco hat nun einen von ihnen verklagt.
Rainer Rickenbach
Blick in ein Callcenter (Bild: Keystone)

Blick in ein Callcenter (Bild: Keystone)

Die Anklageschrift gegen den Telekommunikationsanbieter Talk Easy dreht sich nicht um Kleinigkeiten: Laut Strafklage des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) täuschten Mitarbeiter des kleinen Zürcher Unternehmens bei der Kundensuche vor, als Swisscom-Angestellte unterwegs zu sein. Sie gaben vor, Telefon- und Fernsehanschlüsse oder das Glasfasernetz zu überprüfen. Als sie sich Zugang zu den Privatwohnungen von arglosen Swisscom-Kunden verschafft hatten, warben sie für angeblich günstigere Abonnemente. «Die Betroffenen realisierten erst im Nachhinein, dass sie ohne Absicht den Anbieter gewechselt haben», hiess es beim Seco am Dienstag, als die Klage eingereicht wurde.

Pro Senectute griff ein

Ein Zürcher Gericht muss entscheiden, ob der junge Telekomanbieter Talk Easy die Kunden der Konkurrenz irregeführt hat (Ausgabe von gestern). Trifft dies zu, handelt es sich um unlauteren Wettbewerb. Fest steht indes: Es müssen ziemlich viele Beschwerden von verärgerten Festnetzkunden zusammenkommen, bis das Seco vor den Richter geht. Wegen ein paar Einzelfällen nimmt das Bundesamt diese Mühe nicht auf sich.

Der vor fünf Jahren gegründete Telekomanbieter Talk Easy hat auch in der Zentralschweiz Spuren hinterlassen: «Unsere Sozialarbeiterinnen mussten mehrmals eingreifen, weil Mitarbeitende dieser Firma Betagte zu Vertragsabschlüssen überredeten, die diese gar nicht haben wollten», sagt Thierry Li-Marchetti, Sprecher von Pro Senectute Zug. Die Entschlossenheit der Stiftungsmitarbeiterinnen verfehlte ihre Wirkung nicht. Li-Marchetti: «Die Firmen, die über Call Centers Verträge abschliessen lassen, krebsen in der Regel zurück, wenn sich Pro Senectute zur Wehr setzt. So verhielt es sich nicht nur bei Talk Easy.»

Letzte Meile schafft Verwirrung

Talk Easy steht gewiss nicht für die ganze Telekombranche, doch einen Einzelfall stellen die zweifelhaften Methoden der Zürcher nicht dar: Die Telefonfirma Primacall zum Beispiel musste sich in diesem Herbst in einem gerichtlichen Vergleich dazu verpflichten, künftig die Sterneinträge in den Telefonbüchern zu respektieren und sich bei telefonischen Vertragsgesprächen klar von der Swisscom abzugrenzen. Mit den Sterneinträgen sind die Markierungen bei Telefonnummer-Einträgen gemeint, die deutlich machen, dass unter diesen Anschlüssen keine Werbung erwünscht ist. Wer sie missachtet, macht sich von ein paar Ausnahmefällen abgesehen des unlauteren Wettbewerbs schuldig.

Sowohl Primacall als auch Talk Easy bieten für das Festnetz so genannte Pre-Selection-Verträge an. Ihre Kundinnen und Kunden telefonieren auf Rechnung der beiden Anbieter, müssen aber weiterhin den Swisscom-Anschluss von 25.35 Franken bezahlen. In der Politik war diese «letzte Meile» ein umstrittenes Thema. Die Swisscom verteidigte erfolgreich ihr einträgliches Hoheitsgebiet – und sieht sich nun mit einem Verwechslungsproblem konfrontiert.

Fast 6000 Beschwerden im Jahr

Die Taktik von jungen Telekomanbietern, die Grenzen zwischen ihnen und dem Branchengiganten Swisscom zu verwischen, findet auch bei der Schlichtungsstelle für Telekommunikation ihren Niederschlag. Knapp 6000 Personen beschwerten sich im letzten Jahr bei der Stelle Ombudscom. Bei den meisten Reklamationen ging es um im Nachhinein bereute Vertragsabschlüsse für das Festnetztelefon. «Daran hat sich auch dieses Jahr nichts geändert», sagt Ombudsmann Oliver Sidler: «Es fällt auf, dass die Fernmeldedienstanbieter vielfach ältere Personen telefonisch von einem Anbieter-Wechsel zu überzeugen versuchen.» Ob dahinter System und die dafür notwendigen Personendaten stecken, kann der Ombudsmann nicht beurteilen. Auch Li-Marchetti von der Pro Senectute Zug ist noch nicht auf einen eindeutigen Anhaltspunkt gestossen. Die kleinen Telekom-Anbieter schweigen zu diesem Thema. Dass vor allem ältere Leute Werbeanrufe erhalten, lässt sich teilweise auch mit dem veränderten Telefonierverhalten erklären. Ein schöner Teil der jüngeren Smartphone-Generation braucht keinen Festnetzanschluss. Umso öfter lassen es die oft auf Provisionsbasis bezahlten Vertragsverkäufer bei den älteren und den betagten Festnetzabonnenten klingeln. «Die Rentner verfügen in der Regel über ein gesundes Misstrauen. Eingreifen musste Pro Senectute allerdings beispielsweise bei Demenzerkrankten», sagt Li-Marchetti.

Über die Sterneinträge gestrauchelt

Die Sterneinträge zum Schutz vor Werbeanrufen sind erst seit gut zwei Jahren rechtlich verbindlich. Langsam beginnen sie Wirkung zu entfalten. Das macht ein Gerichtsurteil aus der Gesundheitsbranche deutlich, in der früher Telefonwerbung ebenfalls gang und gäbe war, ehe der Branchenverband die Krankenkassen zumindest beim Marketing für die Grundversicherungen zurückpfiff.

Die Richter bestraften vor einem Jahr einen Versicherungsbroker aus dem Balkan, der über ein kompliziertes Firmenkonstrukt seinen Landsleuten in der Schweiz Krankenkassenverträge per Telefon angedreht hatte. Dass er die Kunden offensichtlich mit falschen Referenzen und Versprechen köderte, liess sich nicht hieb- und stichfest beweisen. Weil er sich um die Sterneinträge foutierte, konnten ihm die Richter das Handwerk trotzdem legen.

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