Märkte bleiben schwankungsanfällig

Börsenspiegel: Im aktuellen Börsenumfeld reichen kleine Veränderungen, um grosse Reaktionen an den Finanzmärkten auszulösen.

Alessandro Sgro, Asset Management und Research, Acrevis Bank
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Die Aussage des US-Notenbankpräsidenten Jerome Powell warf an den Finanzmärkten letzte Woche hohe Wellen. An einer Notenbankkonferenz in Chicago betonte er die Risiken des anhaltenden Handelskonflikts zwischen den USA und China. Man werde «angemessen reagieren», um den Aufschwung zu stützen. Die amerikanische Konjunktur ist zwar solide unterwegs. Zudem nahm der Fed-Chef das Wort «Zinssenkung» nicht in den Mund. Dennoch ebnete er mit seiner Aussage den Weg zu einer Trendwende im Zinszyklus.

Der Markt geht im Jahr 2019 aktuell gar neu von zwei Zinssenkungen aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass der erste Schritt bereits an der nächsten Sitzung im Juni vollzogen wird, beläuft sich erst auf rund 21 Prozent, während jene für die Septembersitzung schon hohe 94 Prozent beträgt.

Auch von Seiten der Europäischen Zentralbank stehen die Zeichen auf Zinssenkung respektive weiterer Lockerung der ohnehin schon sehr expansiven Geldpolitik. So hat EZB-Präsident Mario Draghi an der Ratssitzung vom vergangenen Donnerstag die Bereitschaft signalisiert, die Geldpolitik soweit nötig weiter zu lockern. Auch Draghi verwies dabei auf die anhaltenden Wirtschaftsrisiken durch den zunehmenden Protektionismus.

Im aktuell volatilen Börsenumfeld reichen kleine Veränderungen im Wortlaut, um grosse Reaktionen an den Finanzmärkten auszulösen. So reagierten nach der Rede von Powell sowohl Aktien, Obligationen wie auch das Edelmetall Gold stark. Vor allem die Aktienmärkte haben ziemlich angezogen und die Renditen bei den Obligationen sind deutlich zurückgekommen. So beträgt die Rendite auf Verfall der zehnjährigen US-Staatsanleihe noch 2,1 Prozent. Letztmals belief sich die Verfallsrendite vor knapp zwei Jahren auf diesem Niveau.

Anleger sollten Ruhe bewahren

Eine rasche Einigung im Handelsstreit ist nicht in Sicht. Die Schwankungsanfälligkeit an den Märkten wird entsprechend hoch bleiben. Das bedeutet für die ­Anleger in erster Linie Ruhe zu bewahren und ihrer langfristigen Anlagestrategie treu zu bleiben. In zweiter Linie empfiehlt es sich, das eigene Portfolio spätestens jetzt robuster auszugestalten und über ein ausgewogenes Verhältnis von stabilen und dynamischen Titeln im Portfolio zu verfügen, um letztlich auch gut durch turbulentere Phasen zu kommen. Dabei spielen vor allem Realwerte eine zentrale Rolle. Dazu gehören Anlageklassen wie Aktien oder Edelmetalle. Bei Aktien sollte der Fokus auf Unternehmen mit einem nachhaltigen und soliden Geschäftsmodell liegen. Dank ihrer Innovationskraft dürften sie sich nach Markteinbrüchen schneller erholen.