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Marode Alitalia soll wieder staatlich werden – mit Easyjet und Delta als Partner

Geht es nach der italienischen Regierung, soll der Staat wieder Mehrheitsaktionär der chronisch defizitären Alitalia werden. Als Partner für die «neue Alitalia» stehen die Staatsbahnen, die US-Airline Delta sowie der britische Billigflieger Easyjet bereit.
Dominik Straub, Rom
Alitalia-Jets warten auf den Start auf dem Flughafen in Mailand (Bild: Luca Bruno/AP, 7. Mai 2014)

Alitalia-Jets warten auf den Start auf dem Flughafen in Mailand (Bild: Luca Bruno/AP, 7. Mai 2014)

Die Alitalia hatte im Mai 2017 Insolvenz angemeldet und hält sich seither nur dank eines Überbrückungskredits der italienischen Regierung von 900 Millionen Euro in der Luft. Nach monatelanger erfolgloser Suche nach einem internationalen Partner ist in den letzten Wochen nun Bewegung in das innenpolitisch brisante Dossier gekommen: Der Staat werde mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder über 50 Prozent der «neuen Alitalia» übernehmen, erklärte der Minister für wirtschaftliche Entwicklung Luigi Di Maio am Donnerstag bei einem Treffen mit den Gewerkschaften. Di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung und seine Regierungspartner von der rechten Lega wollen ein «Grounding» der Airline und einen daraus resultierenden Gesichtsverlust unter allen Umständen verhindern.

Dass sich der Staat zumindest indirekt wieder an dem fliegenden Milliardengrab Alitalia beteiligen wird, war schon seit Ende Oktober 2018 klar: Damals hatte die italienische Staatsbahn FS auf Druck der Regierung ein verbindliches Angebot zur Übernahme der Airline eingereicht. Inzwischen führen laut italienischen Medienberichten auch die US-Airline Delta sowie der britische Billigflieger Easyjet «fortgeschrittene Verhandlungen» mit der Regierung. Sie sollen wie die «Ferrovie dello Stato» strategische und operative Partner der «neuen Alitalia» werden – Delta im Bereich der Langstrecken, Easyjet im Kurz- und Mittelstreckenbereich. Ihr Interesse angemeldet hatte auch die deutsche Lufthansa – allerdings unter der Voraussetzung, dass sich der italienische Staat heraushält.

Täglicher Verlust: Eine halbe Million Euro

Doch genau dies ist eben nicht der Fall: Kräftig mitfinanzieren sollen den Neustart der nationalen Airline nach den Plänen der Regierung einmal mehr die italienischen Steuerzahler. Denn der Staat wird bei der «neuen Alitalia» voraussichtlich zwischen 60 und 70 Prozent der Anteile halten. 40 Prozent des Aktienkapitals wird die Staatsbahn übernehmen, die zu 100 Prozent dem italienischen Staat gehört, weitere 20 bis 30 Prozent soll das Wirtschaftsministerium erhalten, indem ein Teil des Überbrückungskredits in Aktienkapital umgewandelt wird. Delta und Easyjet sollen gemäss den Berichten mit maximal 40 Prozent der Anteile abgespeist werden. Die einst staatliche Alitalia war – nach Milliardenverlusten – im Jahr 2008 von der damaligen Regierung unter Silvio Berlusconi zum Schleuderpreis an eine Gruppe italienischer Investoren verhökert und privatisiert worden.

Die drei künftigen Chefpiloten – also FS, Delta und Easyjet – machen ihren definitiven Einstieg von der Ausarbeitung eines «belastbaren» Geschäftsplans für die marode Airline abhängig. Im Moment verbrennt die Alitalia täglich eine halbe Million an Cash. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr zwar die Verluste gegenüber 2017 auf rund 150 Millionen Euro halbieren können, doch nach Einschätzung von Experten sind immer noch 2000 bis 3000 Stellen überzählig. Auch die Flotte müsste von den heute 118 auf etwa 100 Flugzeuge verkleinert werden. Böse Zungen behaupten, dass die unumgängliche Restrukturierung der Hauptgrund für den Einstieg der FS sei: Die Staatsbahn soll als Auffangbecken für überzählige Alitalia-Mitarbeiter herhalten.

Eine grosse Hürde für den geplanten Neustart unter staatlicher Ägide dürfte Brüssel darstellen: Schon beim Überbrückungskredit von 900 Millionen Euro, der im Übrigen längst hätte zurückerstattet werden müssen, hat die EU-Wettbewerbsbehörde beide Augen zugedrückt, um ­darin keine unerlaubte Staatshilfe zu erkennen. An die Wiederverstaatlichung der Alitalia dürften strenge Massstäbe angelegt werden, zumal die Airline laut Berechnungen der Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore» die italienischen Steuerzahler in den letzten Jahrzehnten bereits über 8 Milliarden Euro gekostet hat. Hunderte von Millionen Euro haben ausserdem in- und ausländische Investoren und gescheiterte weisse Ritter ans Bein gestrichen, zuletzt der frühere arabische Partner Etihad.

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