Martin Haefner kauft Anteil der Gründerfamilie von Schmolz+Bickenbach

Die Erben der Gründerfamilien Schmolz und Bickenbach verkaufen ihren Anteil und ziehen die Beschwerde zurück.

Maurizio Minetti
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Grossaktionär Haefner hält nun knapp die Hälfte am angeschlagenen Stahlkonzern.

Grossaktionär Haefner hält nun knapp die Hälfte am angeschlagenen Stahlkonzern.

Bild: Dominik Wunderli (Cham, 26. November 2019)

Der Luzerner Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach (S+B) hat die vorerst letzte Hürde genommen auf dem Weg zur Sanierung. Grossaktionär Martin Haefner hat den Aktienanteil der Erben der deutschen Gründerfamilien Schmolz und Bickenbach übernommen. Die Erben hatten kurz vor dem Jahreswechsel beim Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen eine Beschwerde gegen den Entscheid der Finanzmarktaufsicht (Finma) eingereicht. Die Finma hatte Anfang Dezember den Weg für eine Kapitalerhöhung freigemacht, indem sie Martin Haefner eine Ausnahme von der Angebotspflicht beim Überschreiten des Eindrittelanteils gewährte. Die Erben als Minderheitsaktionäre wehrten sich dagegen.

Martin Haefner hält knapp 50 Prozent

Nun haben sich die Erben mit Haefner geeinigt: Die von Haefner kontrollierte Big Point Holding hat alle Aktien von der Schmolz+Bickenbach Beteiligungs GmbH übernommen, in der die Nachkommen der Gründerfamilien ihre Anteile gebündelt haben. Dies teilte der Stahlhersteller mit Werk in Emmenbrücke am Dienstag mit. Nach der Transaktion hat die Beteiligungs GmbH ihre Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht gegen die Gewährung einer Ausnahmebewilligung durch die Finma zurückgezogen, heisst es. Die Nachkommen der Gründerfamilie hatten vor der Kapitalerhöhung einen Anteil von 10,09 Prozent an S+B gehalten. Nach der Kapitalerhöhung wären es nur noch 4,7 Prozent gewesen. Der Kaufpreis beträgt 45 Rappen pro Aktie, wie Big Point in einer separaten Mitteilung schreibt. Das entspricht einem Kaufpreis von rund 46 Millionen Franken für das ganze Paket. Mit dem jetzt abgeschlossenen Deal wird Martin Haefner 49,6 Prozent an S+B halten.

Martin Haefner kommentiert die erreichte Strukturbereinigung in der Mitteilung so: «Ich freue mich, dass die Gründerfamilien von Schmolz+Bickenbach für diese strategische Lösung Hand geboten haben. Sie liegt im Interesse aller Aktionäre und der weiteren Stakeholder des Unternehmens, denn sie sichert die Finanzierung, die Arbeitsplätze, das Know-how und damit die Substanz des Unternehmens als Grundlage für den zukünftigen Erfolg.» Die Transaktion ermögliche es zudem, «die dringend nötige Neuausrichtung des Unternehmens in der unternehmerischen Tradition eines langfristig orientierten Ankeraktionärs voranzutreiben.» Die Gesellschaft erhalte die angestrebten «klaren strategischen Eigentümer- und Organisationsstrukturen», welche für einen nachhaltigen Turnaround zentrale Voraussetzung seien. S+B verhandelt derzeit mit den Banken über die künftige Finanzierung. Im Werk in Emmenbrücke herrscht immer noch Kurzarbeit.