Massiver Stellenabbau in Luzern: Tourismusflaute trifft Bucherer hart

Der Schmuck- und Uhrenverkäufer streicht 370 Stellen, davon 170 in Luzern. Dort brach der Umsatz zuletzt um über 90 Prozent ein.

Gregory Remez
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Leere vor der Bucherer-Filiale am Schwanenplatz in Luzern.

Leere vor der Bucherer-Filiale am Schwanenplatz in Luzern.

Bild: Manuela Jans-Koch (7. Februar 2020)

Wo sich in der Stadt Luzern einst Touristen in Scharen tummelten, herrscht seit Ausbruch der Coronapandemie zum Teil gähnende Leere. Besuchermagnete wie der Schwanenplatz wirken auf skurrile Art verwaist. Das bekommen nicht zuletzt auch die umliegenden Geschäfte zu spüren. Insbesondere jene aus dem Luxusgütersegment, die stark von ausländischen Gästen abhängig sind. Sie trifft die gegenwärtige Krise besonders hart.

Nachdem im Mai bereits der Luzerner Schmuck- und Uhrenhändler Gübelin einen Teil seiner Führungskräfte entlassen hat, folgt nun der Konkurrent auf der gegenüberliegenden Strassenseite mit einem eigenen Sparprogramm nach. Und dieses hat es in sich: Wie heute Mittwoch bekannt wurde, plant Bucherer, weltweit insgesamt 370 von 2400 Stellen zu streichen. In der Schweiz seien rund 220 Arbeitsplätze betroffen, davon bis zu 170 am Hauptsitz und in den Verkaufsgeschäften in Luzern, teilte das Traditionsunternehmen mit. Von den restlichen 150 betroffenen Stellen seien in den USA bereits 100 abgebaut worden, die meisten davon im Verkauf.

Drohende Rezession verspricht kaum Besserung

Bucherer, der zurzeit weltgrösste Uhren- und Schmuckverkäufer, ist allein in Europa an 36 Standorten vertreten. 17 an der Zahl sind es in der Schweiz. In Zeiten von Corona leiden diese jedoch allesamt unter fehlender Kundschaft – vor allem aus Fernost. Mit dem Ausbleiben der asiatischen Gäste seit Ende Januar habe das Unternehmen in der Schweiz einen massiven und anhaltenden Umsatzeinbruch erlitten, begründet Bucherer die nun beschlossenen Massnahmen. In Luzern ist der Umsatz seit Beginn der Krise um über 90 Prozent zurückgegangen und hat sich auch nach der Wiedereröffnung der Geschäfte im Mai kaum erholt. Die düsteren Aussichten im internationalen Tourismus, der für Bucherer von existenzieller Bedeutung ist, und die drohende Rezession, die die Luxusgüterbranche besonders hart trifft, versprechen kaum Besserung.

Dabei hatte sich Bucherer bereits früh auf die veränderten Bedingungen eingestellt. Gleich nach dem Ausbruch der Krise hatte man – ähnlich wie bei Gübelin – einen Grossteil der Belegschaft in die Kurzarbeit verabschiedet. Im Geschäft am Luzerner Schwanenplatz befinden sich nach Angaben von Unternehmenschef Guido Zumbühl noch immer «rund 90 Prozent der Mitarbeitenden in unterschiedlichen Pensen in Kurzarbeit».

Kurzarbeit soll demnächst verlängert werden

In den ersten beiden Monaten hatte Bucherer seinen Mitarbeitenden gar noch den vollen Lohn ausbezahlt. Offenbar war das Management der Ansicht, dass sich die Lage bald wieder beruhigen werde. Danach sieht es nun aber nicht aus. Im Gegenteil: CEO Zumbühl glaubt nicht an eine wesentliche Besserung vor 2023, wie er im Gespräch verrät. Bucherer habe sämtliche Alternativen eingehend geprüft und einen Stellenabbau so lange wie möglich hinausgezögert. Durch die aktuellen Entwicklungen sei man jedoch gezwungen, seine Ressourcen an die neuen Realitäten anzupassen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Seit gestern läuft das Konsultationsverfahren mit der überbetrieblichen Arbeitnehmervertretung. Das Ziel sei, die Anzahl der Kündigungen durch Frühpensionierungen und Fluktuationen tiefzuhalten, heisst es. Für den verbleibenden Teil der Belegschaft will man derweil die Kurzarbeit verlängern. «Das Gesuch wird demnächst eingereicht», sagt Zumbühl.

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