Massiver Umbau: Hochdorf fokussiert sich aufs Kerngeschäft

Der Verwaltungsrat des Milchverarbeiters setzt seine strategischen Ziele neu. Die Veränderungen sind umfassend.

Raphael Bühlmann
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Hochdorf stellt den Betrieb von zwei Sprühtürmen ein. (Bild: Corinne Glanzmann, Hochdorf, 5. April 2018)

Hochdorf stellt den Betrieb von zwei Sprühtürmen ein. (Bild: Corinne Glanzmann, Hochdorf, 5. April 2018)

Nun wird konkret, was bereits seit April angekündigt war. Der Luzerner Milchverarbeiter Hochdorf stellt sich strategisch neu auf. Und dies umfassender, als man dies bisher hätte vermuten können. Wenig überraschend rückt man, gemäss der am Montag verabschiedeten Neuorientierung, das margenträchtigere Geschäft mit Babynahrung ins Zentrum. Der seit diesem Frühjahr neu besetzten Verwaltungsrat will sich auf den «wachstumsstarken Geschäftsbereich Baby Care fokussieren». Ebenfalls wolle man bei der 51-prozentigen Tochter Pharmalys, die in über 40 Ländern Babynahrung und Cerealien vertreibt, über die Bücher. Denn das bisherige Geschäftsmodell könne in der heutigen Ausgestaltung nicht nachhaltig erfolgreich geführt werden.

«Es werden deshalb mit hoher Priorität alle Optionen geprüft, wie Pharmalys in die Zukunft geführt werden kann»,

schreibt Hochdorf in der Mitteilung. Dabei sei auch ein Verkauf nicht ausgeschlossen, wie es auf Nachfrage bei Hochdorf heisst. Erst Ende 2016 sicherte sich der Luzerner Milchverarbeiter die Mehrheit an Pharmalys. Dies, im Rahmen der damaligen Vorwärtsintegration. Ziel war es, mit eigenen Markenprodukten in den lukrativeren Konsumgütermarkt vorzustossen. Der damalige Verwaltungsratspräsident Josef Leu bezeichnete die Akquisition als «einen historischen Schritt näher zum Endkonsumenten».

Veräusserungen von Tochtergesellschaften

Definitiv veräussern wird Hochdorf die deutsche Uckermärker Milch GmbH. «Mit der Absicht, Babynahrung ausschliesslich in der Schweiz zu produzieren, hat das Produktionswerk in Deutschland keine strategische Relevanz mehr», schreibt Hochdorf. Die entsprechenden Verhandlungen über den Verkauf seien bereits im Gange. Ebenfalls aufgeben wird Hochdorf das nicht-milchbasierte-Geschäft. Unter der Geschäftseinheit «Cereals & Ingredients» investierte Hochdorf in den vergangenen Jahren in die Produktion und den Verkauf von Trockenfrüchte, Porridge oder Schokolade. Bis Ende Jahr abgeschlossen sein soll gemäss Mitteilung zudem die Evaluation strategischer Alternativen für die Tochtergesellschaften Marbacher Ölmühle GmbH, Snapz Foods AG sowie der Zifru Trockenprodukte GmbH, die alle zu Cereals & Ingredients gehören. Die Sparte trägt rund 30 Millionen Franken zum Gesamtumsatz von rund 550 Millionen der Hochdorf Gruppe bei.

Auch bereits feststeht die Veräusserung der Tochter Hochdorf South Africa Ltd an die African Chocolate Café Ltd. Und schliesslich auch im Milchgeschäft kommt zu einer Fokussierung. Der Bereich Dairy Ingredients wird sich vom Produktionswerk in Deutschland trennen und eine neue Strategie erarbeiten. Bei den Zentralschweizer Milchproduzenten zeigt man sich, zufrieden mit den beschlossenen Massnahmen. «Hochdorf will sich wieder vermehrt auf das Kerngeschäft fokussieren, was wir aus Sicht Milchproduzenten grundsätzlich begrüssen», heisst es bei den ZMP auf Anfrage. Für die Milchbauern sei die angestrebte nachhaltige Profitabilität des Unternehmens sehr wichtig und vor allem auch, dass die Finanzierung sichergestellt sei. Auf finanzieller Ebene wird sich die neue Strategie noch beweisen müssen. Für das laufende Jahr rechnet der Hochdorf-Verwaltungsrat aufgrund deutlich höherer Kosten und Abschreibungen mit einem massiv schlechteren Halbjahresergebnis als im Vorjahr. Dazu kommen Wertberichtigungen infolge der notwendigen strategischen Neuausrichtung.

Zwei Sprühtürme weniger und
mehr saisonale Schwankungen

Wie aus einem internen Schreiben bei Hochdorf hervorgeht und Mediensprecher Christoph Hug gegenüber dieser Zeitung bestätigt, wird in Hochdorf die Produktion von zwei Sprühtürmen auf Ende 2019 eingestellt. «Dies ist notwendig, da für einen längerfristig sicheren Betrieb Investitionen in Millionenhöhe notwendig geworden wären, die wirtschaftlich keinen Sinn mehr machen», so Hochdorf. Beim drittgrössten Schweizer Milchverarbeiter geht man davon aus, dass mit der Stilllegung vier Arbeitsplätze verloren gehen werden, die man jedoch über natürliche Fluktuation abbauen werde. Der Entscheid steht im Zusammenhang mit der angekündigten Produktionsoptimierung. Die entsprechenden Transferprojekte für Produkte auf andere Sprühtürme in Hochdorf und Sulgen «laufen bereits mit höchster Priorität», schreibt Hochdorf weiter. Auf die Frage nach der verbleibenden Kapazität am Standort Hochdorf antwortet Hug: «Wir werden in Hochdorf die verbleibenden Kapazitäten voll ausschöpfen». Dies werde die Menge der zwei stillzulegenden Sprühtürme fast kompensieren. Weil Hochdorf mit diesem Schritt jedoch die vorhandenen Sprühkapazitäten verringert und auch das Produktsortiment im Pulverbereich weiter anpassen dürfte, könnte sich die saisonale Angebotsregelung, also die Verwertung der Überschussmengen im Frühjahr, akzentuieren. Bei den Zentralschweizern Milchproduzenten hat man das Problem der saisonalen Schwankungen erkannt und bereits mit den Abnehmern Lösungen erarbeitet, wie es von Seiten ZMP heisst.