Sur
Maulkorb sorgt für hohe Verluste

Surprise-Verkäufer dürfen ihre Strassenmagazine seit Anfang Jahr am Basler Bahnhof nicht mehr laut anpreisen. Die SBB halten an dieser Regelung fest.

Merken
Drucken
Teilen
Sur

Sur

bz Basellandschaftliche Zeitung

Andreas Maurer

«Die Surprise-Verkaufenden werden am Bahnhof oft einfach nicht beachtet, weil sie sich akustisch nicht mehr bemerkbar machen dürfen», bedauert Fred Lauener, Geschäftsführer von Surprise. Seine Verkäuferinnen und Verkäufer würden deshalb Umsatzeinbussen von teilweise über 50 Prozent erleiden. «Bei diesen kleinen Verdiensten ist das dramatisch», kommentiert Lauener.

In allen Schweizer Bahnhöfen sind die einst typischen Surprise-Rufe seit Anfang Jahr verboten. «Die Gewerbetreibenden fühlten sich belästigt», sagt Lauener verständnislos. Einzig während der Fasnacht durften die Verkäufer ihre Ware zwischenzeitlich wieder laut anpreisen. Grund für diese Ausnahme sind die Plaketten-Verkäufer. Deren traditionellen Rufe wollten die SBB dann doch nicht verbieten.

Der Maulkorb der Surprise-Verkäufer wird durch das private Sicherheitspersonal des Bahnhofs kontrolliert. «Bis jetzt hat es keine Konflikte gegeben», berichtet Lauener. Die Verkäufer würden die Regelung einhalten.

Einige Surprise-Verkäufer stehen neuerdings direkt vor dem Bahnhofseingang, wo ihren Stimmbändern weiterhin keine Grenzen gesetzt sind. Dieser Wechsel gelingt nicht allen. «Viele haben ihre Stammkunden und ihre sozialen Beziehungen im Bahnhof», erklärt der Surprise-Geschäftsführer. Einige Verkäufer pflegen ihren Stammplatz im Bahnhof seit zehn Jahren. «Diese Leute kann man nicht einfach verpflanzen», weiss er.

Vor allem in Basel sind die Surprise-Verkäufer mit dem Bahnhof verwurzelt. In den anderen Städten verursache die neue Regelung der SBB weniger Probleme, stellt Lauener fest. Die Verkäufer haben wegen des Ausrufeverbots neue Strategien entwickelt - auch in Basel. «Wir machen uns visuell stärker bemerkbar», erklärt er.

Für das nächste Jahr wird Surprise mit den SBB einen neuen Vertrag unterzeichnen. «Ich bin zuversichtlich, dass wir uns einigen können - wie genau ist aber noch unklar», berichtet Lauener. Nach der Stellungnahme der SBB zu urteilen, muss er aber wohl wieder in den sauren Apfel beissen. Die von Lauener genannten Umsatzeinbussen von teilweise über 50 Prozent findet SBB-Sprecher Roman Marti «vor dem Hintergrund einer internationalen Wirtschaftskrise, mit Verlaub, ein wenig gewagt».

Die SBB seien sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst, betont er. «Surprise erhält deshalb seine Standorte in den Bahnhöfen zu absolut einzigartigen und attraktiven Konditionen», betont er. Die SBB würden Surprise gegenüber allen anderen Unternehmen und Organisationen privilegieren. Doch auch alle anderen Mieter und Organisationen in den Bahnhöfen würden ihre Produkte oder Dienstleistungen nicht laut ausrufen. «Das wird auch nächstes Jahr so bleiben und zwar für alle», hält Marti fest. Das sei nicht mehr als fair und im Sinne der Bahnkunden.

Lauener kann das nicht nachvollziehen. Trotzdem wird er bei den SBB nicht auf Konfrontation gehen: «Wir pflegen seit zwölf Jahren eine gute Partnerschaft. Es muss uns doch gelingen, fürs nächste Jahr alle Bedürfnisse unter einen Hut zu kriegen.»

Nachvollziehen kann Lauener hingegen, dass die Zugänge zu den Perrons nicht gestört werden dürfen. Surprise-Verkäufer würden darauf achten. Diese Regelung gelte aber offenbar nicht für alle: «Kommerzielle Anbieter verteilen ihre Müsterli direkt vor den Rolltreppen.»