Was Maxon Motor mit Zuckerwatte verbindet

Der Motorenhersteller übernimmt das britische Unternehmen Parvalux. Dessen leistungsstärkere Antriebe öffnen Maxon Motor neue Geschäftsmöglichkeiten. Sie werden in Treppenlifte, elektrische Rollstühle, Geldspielautomaten oder Zuckerwattenmaschinen verbaut.

Roman Schenkel
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Ein Blick in Produktion von Maxon Motor in Sachseln. (Bild: Dominik Wunderli)

Ein Blick in Produktion von Maxon Motor in Sachseln. (Bild: Dominik Wunderli)

Grösser und leistungsstärker. Die Getriebemotoren der britischen Firma Parvalux unterscheiden sich klar von den Motoren von Maxon Motor. Deshalb habe sich der Obwaldner Spezialmotorenhersteller zur Übernahme von Parvalux Electric Motors mit Sitz in der südenglischen Küstenstadt Bournemouth entschieden. «Die Produkte passen sehr gut in unser Portfolio, es gibt keine Überlappungen zu unserem bestehenden Geschäft», sagt Maxon-Chef ­Eugen Elmiger.

Schon seit längerem wollte die Obwaldner Firma diesen Bereich ausbauen. Neben der Suche nach einem geeigneten Unternehmen für eine Übernahme gab es auch Pläne für den Aufbau einer eigenen Produktion für grössere Motoren. «Mit der Übernahme von Parvalux erreichen wir dieses Ziel viel schneller», sagt Elmiger. Der Aufbau einer eigenen Produktion hätte mehrere Jahre gedauert. Über den Verkaufspreis machen die beiden Parteien keine Angaben. Finanziert hat Maxon Motor die Übernahme aus Eigenmitteln.

185 Angestellte, 29 Millionen Franken Umsatz

Das britische Traditionsunternehmen entwickelt und produziert seit über 70 Jahren Motoren sowie Getriebe. Es beschäftigt 185 Angestellte an drei Produktionsstätten in Bournemouth und einem Servicecenter in Birmingham. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von umgerechnet 29 Millionen Franken. Der Exportanteil beträgt 40 Prozent. «Mit der Eingliederung von Parvalux vergrössern wir unser Portfolio», sagt Elmiger. Zudem eröffnen sich neue Märkte. Die Motoren von Parvalux werden unter anderem in Treppenliften oder elektrischen Rollstühlen verbaut. «Bei Rollstühlen liefern wir aktuell nur Antriebe für Zusatzoptionen – verstellbare Armlehnen oder Fussstützen. Mit den Motoren von Parvalux können wir künftig den Antrieb eines Rollstuhls komplett ausrüsten», erklärt Elmiger. Das biete ganz neue Geschäftsmöglichkeiten. Hinzu kommen weitere spannende Anwendungen, wie etwa Antriebe für Scheibenwischer von Hochgeschwindigkeitszügen oder Einparkhilfen für Wohnwagen. Motoren von Par­valux stecken auch in Golf-Buggies, Tontaubenschiessmaschinen, Geldspielautomaten oder Zuckerwattenmaschinen.

Parvalux ist ein stolzer englischer Industriebetrieb. 1947 von Leslie J. Clark gegründet, feierte das Unternehmen im vergangenen Jahr das 70-Jahre-Jubiläum. Gehört hat das Unternehmen zuletzt Steven Clark, dem Sohn des Firmengründers – genauer gesagt seiner Investmentgesellschaft Clark Group. Clark Junior hat seine Ausbildung einst im Familienbetrieb absolviert und das Unternehmen kurzzeitig auch geleitet. Inzwischen wird es von einem Management geleitet, das auch unter den neuen Besitzverhältnissen an Bord bleibt.

Parvalux hat in Sachseln angeklopft

Im Portfolio der Clark Group war Parvalux allerdings etwas ein Aussenseiter. Die Gesellschaft investiert hauptsächlich in ­Firmen im Luxussegment – Schmuck, Uhren, Immobilien. Für den Industriebetrieb habe man deshalb nach einem geeigneten Käufer gesucht, erzählt ­Elmiger. Deshalb habe man in Sachseln angeklopft. Mit dem Käufer Maxon Motor sei der Wunsch des ehemaligen Besitzers in Erfüllung gegangen. «Er wollte die Familienfirma in guten Händen wissen. Da hat Maxon – ebenfalls in Familienbesitz und ohne Börsenkotierung – gut gepasst», sagt Elmiger.

Er betont denn auch, dass für die englische Firma kein Umbruch oder Stellenabbau vor­gesehen sei. Ganz im Gegenteil: Die Geschäftszahlen stimmten, Elmiger geht davon aus, dass Parvalux weiter wachsen wird.