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Der Obwaldner Motorenhersteller Maxon nutzt das Personal-Potenzial

Der Obwaldner Motorenhersteller hat zusammen mit dem Kanton eine spezielle Berufslehre für Erwachsene lanciert. Es ist ein einzigartiges Ausbildungsmodell.
Roman Schenkel
Merita Prenrecaj (links) und Nevenka Tosic werden von Berufsfachlehrer Daniel Fraefel instruiert. (Bild: Dominik Wunderli (Sarnen, 25. August 2018))

Merita Prenrecaj (links) und Nevenka Tosic werden von Berufsfachlehrer Daniel Fraefel instruiert. (Bild: Dominik Wunderli (Sarnen, 25. August 2018))

«Ich wollte immer eine Ausbildung machen, nun erhalte ich eine neue Chance», sagt Merita Prenrecaj. Die 35-jährige Produktionsmitarbeiterin bei Maxon Motor ist überglücklich. Sie ist eine der acht Teilnehmerinnen der «Späten Lehre», die Maxon Motor mit Sitz in Sachseln erstmalig anbietet. Am Samstag hat Prenrecaj ihren zweiten Schultag am Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ) in Sarnen. Im Kosovo habe sie wegen des Krieges keine Möglichkeit ­gehabt, eine Ausbildung abzuschliessen, 2003 kam sie in die Schweiz. Seit zwölf Jahren arbeitet sie nun beim Sachsler Motorenhersteller. «Ich habe viel praktische Erfahrung, Theorie hatte ich aber nie», sagt die Mutter zweier Kinder. Sie sei etwas nervös – «schliesslich war ich seit 21 Jahren nicht mehr in der Schule».

Rund 600 Angestellte hat Maxon in der Produktion – viele von ihnen sind ungelernt, haben einen Migrationshintergrund wie Merita Prenrecaj und sind langjährige Mitarbeitende. «Wir ­haben zahlreiche starke Leute in der Produktion, die aber keine Ausbildung haben», sagt Thomas Müller, Ausbildungsverantwortlicher bei Maxon Motor.

Eine normale Lehre sei für diese Angestellten jedoch keine Option. «Viele haben Familie und sind daher auf ein höheres Einkommen angewiesen. Eine reguläre Berufslehre mit Lehrlingslohn ist für sie kein Thema», sagt Müller. Hinzu komme der Altersunterschied: Mit 20 Jahre jüngeren Mitschülern die Schulbank zu drücken, sei nicht einfach. «Wir waren deshalb schon länger auf der Suche nach einer Lösung, wie wir dieses Potenzial bei Maxon Motor künftig besser ausschöpfen können», sagt Müller.

Präsenzunterricht kombiniert mit E-Learning

In Zusammenarbeit mit dem Amt für Berufsbildung des Kantons Obwalden hat Maxon Motor innert kurzer Zeit einen Berufslehrgang im Rahmen zur Automatikmonteurin EFZ für Erwachsene auf die Beine gestellt. Automatikmonteure montieren und reparieren elektrische Maschinen und Anlagen sowie elektronische ­Geräte wie Schaltschränke, Prüfgeräte und Elektromotoren. Die Ausbildung ist berufsbegleitend, die Angestellten bleiben in ihren angestammten Jobs – für die Lernenden gibt es keine Lohnein­bussen. Der Unterreicht findet zweimal die Woche statt. Berufskundeunterricht gibt es jeweils am Samstag in Sarnen am BWZ, am Mittwochabend werden die Teilnehmenden in Allgemeinbildung online unterrichtet. Das können sie von zu Hause aus an ihrem Computer tun. «Dadurch lässt sich die Ausbildung mit dem Beruf und der Familie vereinbaren», sagt Müller.

Die gute Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Berufsfachschule sowie die kurze Distanz zueinander hätten das Projekt wesentlich vereinfacht, sagt Ueli Schälin vom Weiterbildungszentrum Obwalden. Er hat den Lehrgang von Seiten Berufsfachschule betreut. Trotz der Nähe: «Das Beschulungsmodell ist zwar auf Maxon zugeschnitten, es ist aber kein Maxon-Lehrgang», so Schälin. So könnten künftig auch andere Industrieunternehmen Angestellte für den Lehrgang ­anmelden. Die Finanzierung des Lehrgangs übernimmt der Bund zusammen mit dem Kanton.

Zentral war, dass die «normale» dreijährige Ausbildung zum Automatikmonteur EFZ nicht verwässert werde, betont Schälin. «Wir verschenken den Schul­abschluss nicht, die Qualität ist uns sehr wichtig», sagt er. Der ­Abschluss erfolgt nach dem normalen Verfahren. So wird nach einem Jahr die Teilprüfung absolviert, und am Ende des Lehrgangs gibt es die üblichen schriftlichen Prüfungen. Dass der Berufsschullehrer, der in Sarnen die Auto­matikmonteure ausbildet, ein ehemaliger Maxon-Mitarbeiter ist, sei ein Glücksfall.

Der Zugang zum Lehrgang ist klar geregelt. Aspiranten müssen mindestens 25 Jahre alt sein und dürfen keinen Berufsabschluss haben. Gleichzeitig verfügen sie über die notwendige Fachkompetenz und mindestens fünf Jahre Berufserfahrung. Zentral sind aber auch die Sprachkenntnisse. «Die Teilnehmenden müssen die deutsche Sprache gut können», sagt Schälin. Das ist für viele Interessenten eine Herausforderung.

25 Maxon-Angestellte haben sich für die neue Ausbildung ­interessiert, acht Frauen haben schliesslich die Hürde genommen. Ihr gemeinsamer Nenner ist der fehlende Ausbildungsabschluss: Eine Teilnehmerin hat die Lehre abgebrochen, einer war es vor 35 Jahren verwehrt, als Frau überhaupt eine Ausbildung zu machen, bei einer anderen reichte der Lehrlingslohn nicht aus, deshalb nahm sie eine besser bezahlte Stelle an. In den nächsten Jahren will Maxon Motor bis zu 200 Angestellte durch den Lehrgang schicken. Aktuell hat das Obwaldner Unternehmen rund 50 «normale» Lernende. «Pro Jahr schliessen 15 ihre Ausbildung ab, künftig werden es mit der ­neuen Ausbildung deutlich mehr sein», so Müller. Der Aufwand beispielsweise für die Abschlussprüfungen oder Projektarbeiten dürfte stark zunehmen.

Die Ausbildung der eigenen Leute bringt dem Unternehmen aber viel, sagt der Ausbildungsverantwortliche. So habe Maxon zunehmend Mühe, in den mittleren Lehrberufen alle Stellen zu besetzen. «Dank der Ausbildung der eigenen Leute können wir diese Lücke schliessen», sagt er. «Wenn wir uns im Industriebereich schon über Fachkräftemangel beschweren, müssen wir auch etwas dagegen unternehmen.»

Ziel: Mehr Frauen in Führungspositionen

Zudem erhalte das Unternehmen einen Pool von Angestellten, die Führungsaufgaben übernehmen können. «Unser Unternehmen ist auf Wachstumskurs, wir brauchen Leute, die Teamleitungen übernehmen oder einen Teil der Produktion leiten», sagt Müller. Die langjährigen Mitarbeitenden mit viel Praxis seien für die erste Führungsebene prädestiniert.

Positiv sei auch der hohe Frauenanteil: «Maxon Motor hat das Ziel, den Anteil von Frauen in Führungsfunktionen zu steigern. Dank der neu ausgebildeten Automatikmonteurinnen erhalten wir viele Kandidatinnen», so Müller. Dieses Ziel hat denn auch Merita Prenrecaj. «Ich möchte in meiner Karriere einen Schritt weiterkommen», sagt sie. Bis jetzt sei dieser Weg jedoch blockiert gewesen, nun habe sich aber eine neue Türe aufgetan.

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