MEDIEN: Bei den Jungen ist Facebook bereits out

Die Welt der sozialen Medien verändert sich rasch. Die Jugend von heute bevorzugt Instagram oder Twitter. Dabei zeigen sich Jugendliche nicht selten als kreative Köpfe.

Bernard Marks
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Instagramm-Nutzer sind deutlich jünger als diejenigen von Facebook. (Bild: Keystone)

Instagramm-Nutzer sind deutlich jünger als diejenigen von Facebook. (Bild: Keystone)

Über 13 Millionen Menschen folgen Badgalriri auf Instagram. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich die Pop-Sängerin Rihanna. Viele Selfies hat sie auf ihre Seite gestellt, darunter Fotos mit ihrem Opa oder von sich aus Kindertagen. Ob mit Rihanna oder der Fussballerlegende Christian Ronaldo, mit den Stars dieser Welt kommen Jugendliche von heute innerhalb von Sekundenbruchteilen in Kontakt. Es genügt ein einfacher Fingertipp auf den Bildschirm eines Smartphones.

Weil es so einfach und schnell funktioniert, wird das soziale Netzwerk Instagram immer beliebter. Laut der Social-Media-Studie 2014 gaben bereits rund 20 Prozent der befragten Schweizer an, Instagram zu nutzen. Instagram-Nutzer sind dabei deutlich jünger als diejenigen von Facebook (siehe Grafik). Bei Instagram liegt der Anteil an 16- bis 25-jährigen Nutzern bei 41 Prozent. In einer Umfrage unter 7200 Teenagern haben Analysten der Investmentbank Piper Jaffray festgestellt, dass bereits 76 Prozent von ihnen Instagram nutzen.

Der von Facebook für 715 Millionen Dollar übernommene Fotodienst Insta­gram hat nach eigenen Angaben weltweit monatlich 90 Millionen aktive User. 40 Millionen Bilder werden täglich geteilt. 1000 Kommentare werden pro Sekunde veröffentlicht und 8500 Fotos per Like-Button gemocht – ein gigantischer Datenstrom.

Instagram-Album auf Poster

Doch Bilder sind auf Instagram leider wenig nachhaltig aufgehoben. Die Bildqualität entspricht dem Smartphone-Niveau. Die Beiträge verschwinden, vergleichbar mit Posts auf Facebook im nicht endenden Strom. Der Luzerner Rolf Steger (44) will davon profitieren. «Alle Bilder auf Instagram verbleiben auf den Servern, bis sie vergessen sind», sagt er. Mit seiner Firma socialprint.ch will der ehemalige Radiomoderator die Lücke zwischen virtueller und realer Welt schliessen, indem er die wertvollen Erinnerungen als bleibendes Poster in das reale Leben zurückholt. Seit neuestem können Instagram-Nutzer ihre kompletten Fotosammlungen ausdrucken. «Mit wenigen Klicks wird aus den Instagram- Galeriefotos ein cooles Poster», sagt er.

Damit so etwas möglich ist, hat Facebook für Unternehmer wie Steger eine Schnittstelle namens «Facebook Connect» bereitgestellt. Hiermit bekommt eine dritte Partei Zugriff auf die Daten der Nutzer. Der Kunde muss nur sein Einverständnis für den Vorgang erklären.

Umworbene Zielgruppe

Soziale Netzwerke bieten Unternehmern eine Chance, auf einfache Art in Kontakt mit einer grossen Anzahl von Kunden zu treten. Rund um die sozialen Netzwerke entwickelt sich daher eine Industrie, die vor allem um die Gunst der jungen Generation buhlt. Nicht zuletzt die Werbebranche sieht in den sozialen Medien ihre Zukunft. Ein Grund dafür: Viele junge Leute schauen heute weniger bis gar kein Fernsehen mehr. Die Jugend entscheidet sich häufiger dafür, Filme oder Serien zu streamen, und macht sich damit unabhängig vom Fernsehprogramm. Gerade bei dieser für die Wirtschaft wichtigen Zielgruppe bleibt Fernsehwerbung daher oftmals ungehört. «Wer sie erreichen will, muss die Reklame in soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram, Twitter oder Youtube bringen», sagt der Leiter Fachstelle Social Media der Hochschule für Wirtschaft Zürich, Manuel Nappo.

Neben Instagram wird derzeit auch Twitter bei Teenagern wieder deutlich beliebter. 59 Prozent nutzen laut Piper Jaffray bereits den Kurznachrichtendienst. Twitter will jetzt noch stärker auf neue Kunden zugehen, um das zuletzt mässige Wachstum anzukurbeln. Firmenchef Dick Costolo versprach gestern, die Nutzbarkeit des Kurznachrichtendienstes mit diversen Neuerungen zu verbessern. Bald sollen laut Costolo auch Videos direkt auf Twitter geteilt werden können. Zudem will die Firma den Austausch privater Nachrichten erleichtern und eine Funktion einführen, die für den jeweiligen Nutzer relevante Tweets filtert und aufbewahrt, wenn dieser gerade nicht angemeldet ist.

Blogs im Internet boomen

Das soziale Netzwerk Tumblr hat seit der Gründung 2007 durch David Karp seine Userzahl deutlich steigern können und ist auch bei jungen Menschen sehr beliebt. Die Blogging-Plattform umfasst heute fast 200 Millionen Blogs mit mehr als 83 Milliarden Einträgen. «Das zeigt, dass Jugendliche nicht nur konsumieren, sondern auch gerne kreativ sind», sagt Nappo. Für den Experten eine erfreuliche Entwicklung. Sei es der Bericht über die eigene Reise oder einfach nur ein privates Tagebuch, «für viele Jugendliche ist das Bloggen eine Möglichkeit geworden, ins Berufsleben einzusteigen», sagt Nappo.