MEDIEN: Daten sind das Öl der Zukunft

Das Internet wächst in einem rasanten Tempo. Das erzeugt eine Fülle von Daten. Immer mehr Firmen wollen davon profitieren ein Augenschein bei der Siemens Schweiz AG.

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Bild: Grafik Oliver Marx / Neue LZ

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Bernard Marks

Das Internet ist heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Noch nie konnten sich Menschen so einfach mitteilen. Pro Minute flitzen 204 Millionen E-Mails von einem Postfach zum anderen. Die Messaging-App «Whats­app» produziert in 60 Sekunden 13,8 Millionen Messages. Der Videodienst Youtube wächst minütlich um 72 Stunden Videomaterial. Die meisten Informationen findet die Internet-Gemeinde über Google: Dort gehen pro Minute über vier Millionen Suchanfragen ein.

Das Internet wächst in einem Schwindel erregenden Tempo. Denn immer mehr Menschen haben Zugang zum World Wide Web. Das Bundesamt für Statistik geht davon aus, dass in der Schweiz bereits 85 Prozent der Bevölkerung, also rund 5,8 Millionen Menschen, das Internet regelmässig nutzen. Die Internationale Fernmeldeunion (ITU) rechnet damit, dass die weltweite Online-Population in diesem Jahr bereits die 3-Milliarden-Grenze überschritten hat. Bis ins Jahr 2020 werden laut Schätzungen rund 5 Milliarden Menschen online sein, das sind so viele, wie es im Jahr 1987 insgesamt auf der Welt gegeben hat.

Jeder Klick generiert Daten

Bei der Suche im Internet, beim Online-Shopping, bei der Abwicklung von Bankgeschäften, beim Einchecken am Flughafen oder Aufrufen der Facebook-Seite, jeder Klick generiert digitale Daten. Und mit jedem Klick werden es mehr. Das digitale Gebirge soll laut den Analysten der International Data Corporation von 2010 bis 2020 dann wird es auf der Welt mehr als 7,7 Milliarden Menschen geben – um das Vierzig- bis Fünfzigfache wachsen (siehe Grafik). «Wir gehen davon aus, dass sich das Datenvolumen mit dem Bevölkerungswachstum bis ins Jahr 2020 auf 40 Zettabyte vervielfachen wird», sagte Siegfried Gerlach, CEO von Siemens Schweiz. Zum Vergleich: 1 Zettabyte entspricht geschätzt etwa 1,5-mal der Menge aller Sandkörner an allen Stränden der Erde.

«Angesichts dieser Datenberge versteht es sich von selbst, dass hier echte Schätze zu heben sind», sagte Gerlach weiter. Firmen in aller Welt sammeln deshalb eifrig allerhand Informationen. Doch was sich mit all den Daten unterm Strich anfangen lässt, ist oft unklar. Es stellt sich dabei die Frage, wie der moderne Goldgräber in den Datenbergen die Nuggets finden soll.

Siemens weltweit mit Gegenwind

Obwohl der Technologiekonzern Siemens weltweit mit Gegenwind kämpft, laufen die Geschäfte in der Schweiz rund. Der Konzern hatte gestern zur Firma Stöckli nach Malters geladen, um seine Zahlen für die Schweiz zu präsentieren (siehe Box). Im vergangenen Halbjahr konnte der Konzern, der in der Schweiz etwa 5700 Mitarbeiter beschäftigt, seinen Umsatz um rund 3,7 Prozent auf 619 Millionen Franken steigern. Der Auftragseingang legte um knapp 2 Prozent auf 622 Millionen Franken zu. «Seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar ist das Geschäftsumfeld nochmals anspruchsvoller geworden», sagte Gerlach. In der Division Building Technologies (BT) erhöhten die Mitarbeiter Anfang April wegen des starken Frankens die Arbeitszeiten. In Deutschland und anderen Ländern baut der Konzern wegen der Nachfrageflaute nach grossen Gasturbinen und wegen des Preiszerfalls im Stromerzeugungsgeschäft etwa 4500 Stellen ab, wie der Konzern Anfang Mai bekannt gab. Zu den Auswirkungen auf die Schweiz kann Siemens noch keine Angaben machen. Gerlach zeigte sich jedoch zuversichtlich für die Schweiz. Dies gründet auf Innovationen wie etwa der Auslieferung von 15 Mehrsystem-Lokomotiven an die BSL Cargo oder die Entwicklung des Elektrolysesystems Silyzer für das Paul-Scherrer-Institut. Dieses System kann überschüssige Wind- und Sonnenenergie verwerten und speichern. Zudem setzt Siemens auf den Trend zur Digitalisierung von Daten.

Digitalisierung hat erst begonnen

Die Beratungsfirma Pierre Audoin Consultants (PAC) prognostiziert bis 2017 für Software und IT-Services im Bereich Digitale Transformation ein Wachstum von durchschnittlich 11,2 Prozent pro Jahr. «Obwohl Unternehmen die Notwendigkeit der Digitalisierung ihrer Fertigung wie auch in der Entwicklung von digitalen Produkten erkannt haben, stehen die meisten erst am Anfang der digitalen Transformation», sagt Gerlach. Ein Grund dafür ist laut Gerlach, dass die Auswertung der immensen Datenflut für viele Firmen nach wie vor eine Herausforderung darstellt. «Big Data muss zu Smart Data werden, damit aus dem Datenmeer konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet werden können», sagt Gerlach weiter.

Mehrwert und Nutzen entstehen erst, wenn Unternehmen die Daten richtig analysieren und daraus Schlussfolgerungen ableiten. Erst dann könnten Firmen zum Beispiel besser Energie sparen, umweltfreundlicher wirtschaften, Kosten senken oder Prozesse beschleunigen. Das trägt wiederum zur Steigerung der Produktivität einer Firma bei. «Ich bin daher zuversichtlich, dass wir im Bereich Digitalisierung weiter in der Schweiz zulegen werden», sagte der Siemens-Chef.