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MEDIEN: Erfolgreich mit Sägemehl-News

Der Luzerner Beat Reichenbach lancierte vor 12 Jahren die erste Fachzeitung zum Schwingen. Viele gaben ihm keine Chance. Heute ist sein «Schlussgang» das Leitmedium eines boomenden Sports.
Ernst Meier
«Schlussgang»-Verleger Beat Reichenbach (rechts) und Redaktionsleiter Manuel Röösli in ihrer Redaktion an der Hirschmattstrasse in Luzern. (Bild Dominik Wunderli)

«Schlussgang»-Verleger Beat Reichenbach (rechts) und Redaktionsleiter Manuel Röösli in ihrer Redaktion an der Hirschmattstrasse in Luzern. (Bild Dominik Wunderli)

Ernst Meier

Auf der Redaktion der Schwingerzeitung «Schlussgang» im Luzerner Neustadtquartier herrscht in diesen Tagen die strengste Zeit im Jahr, genau genommen die strengste Zeit in drei Jahren. Denn nächstes Wochenende findet das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest statt – die Weltmeisterschaft der Sägemehl-Athleten. Die 267 besten Schwinger aus der ganzen Schweiz und 8 Auslandschweizer messen sich am zweitägigen Fest. Der Stärkste nach acht Gängen wird Schwingerkönig.

Schlussgang-Verleger Beat Reichenbach erlebt in diesen Tagen einen Marathon an Telefongesprächen und Sitzungen. Es geht darum, für die Sonderausgabe seiner Schwingerzeitung, die nächsten Dienstag erscheint, die letzten Inserate zu akquirieren und fein säuberlich zu planen, was wo platziert wird. «Es läuft super», sagt er und strahlt. Es wäre aber auch ein schlechtes Zeichen, wenn es nicht gut laufen würde, fügt er an und erklärt: «Vor einem Eidgenössischen werden wir von den Inserenten regelrecht überrannt. Alle wollen ins Blatt, denn nie geniesst Schwingen so viel Aufmerksamkeit wie jetzt.»

Startkapital von 20 000 Franken

Es war im Mai 2004, wenige Monate vor dem Eidgenössischen in Luzern, als Beat Reichenbach mit seinem «Schlussgang» erstmals in Druck ging. Die Idee, eine Schwingerzeitung herauszugeben, hatte er im Jahr zuvor. Reichenbach machte sich Gedanken über seine berufliche Zukunft. Damals war er als Projektleiter beim Verlag LZ Medien – welche auch diese Zeitung herausgibt – tätig. «Ich wollte etwas Neues wagen und überlegte mir, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen», erinnert sich der Verleger. Ein Kollege habe ihn auf die Idee gebracht. «Er meinte, wieso bringst du nicht eine Schwingerzeitung heraus?», erzählt Reichenbach.

«Ich war sofort Feuer und Flamme für die Idee, obwohl ich zu dem Zeitpunkt fast nichts über den Sport wusste. Ich war vorher auch noch nie an einem Schwingfest», sagt er lachend. So kündigte Beat Reichenbach seinen Job und legte mit 20 000 Franken Startkapital los. Während der ersten Jahre als Verleger zahlte er sich keinen Lohn aus, lebte vom Ersparten und einem kleinen Nebenjob. «Ich setzte voll auf die Karte ‹Schlussgang›.»

Viel Kritik am Anfang

Der Anfang für die neue Zeitung erwies sich jedoch als holprig. «Die Kritiken nach den ersten Ausgaben waren nicht allzu positiv», erinnert sich Reichenbach mit einem breiten Lachen. Die Schwingerszene störte sich an den vielen Fachfehlern in den Texten oder falsch angeschriebenen Bildern, wobei das Bedürfnis nach einer eigenständigen Fachzeitung für den Schwingsport sehr gross war. Auch der Eidgenössische Schwingerverband, der selber eine Mitgliederzeitung herausgibt, konnte sich mit dem neuen Medium nicht anfreunden. Hinzu kam, dass sich die Suche nach regelmässigen Inserenten als grosse Herausforderung herausstellte. «Mein Team und ich liessen uns trotz all der Rückschläge nicht entmutigen», sagt Reichenbach.

Innert weniger Jahre professionalisierte er alle Abläufe und das journalistische Handwerk. Ein Meilenstein für den «Schlussgang» war die Verpflichtung von Karl Duss. Der langjährige Sportreporter (u. a. bei der «Neuen Luzerner Zeitung») galt als Pionier in der Berichterstattung übers Schwingen und verfügte über ein enormes Fachwissen. Anfänglich stand Duss vor allem beratend zur Seite und schrieb noch unter einem Pseudonym, «um sein Stammpublikum beim Verband nicht zu verärgern», wie Reichenbach weiss. Nach wenigen Jahren war Duss auch mit richtigem Namen in dem für die Szene immer bedeutender werdenden Medium zu lesen. Von seinem Schwingerwissen profitierte die ganze Redaktion, darunter junge Journalisten wie Manuel Röösli. Der Surseer stieg 2006 als Redaktor beim «Schlussgang» ein, seit fünf Jahren ist er Redaktionsleiter. «Kari Duss blieb bis zu seinem Tod im Alter von 70 Jahren im Dezember 2008 eine wichtige Stütze für uns. Vieles über den Journalismus habe ich von ihm gelernt», sagt Röösli.

Auflage legt weiter zu

Auch Manuel Röösli war für die Schwingerzeitung ein Glücksfall. Unter anderem weil er den Sport von der Pike auf kennt; als Jugendlicher stand er einige Jahre im Sägemehl. Erfahrung im Zeitungmachen sammelte Röösli während seiner KV-Lehre, die er bei den LZ-Medien absolvierte. «Hier lernte ich Beat kennen. Als er mich fragte, ob ich bei ihm einsteigen will, musste ich es mir nicht lange überlegen», sagt der stämmige 31-Jährige.

Heute ist der «Schlussgang» nicht mehr aus der Schwingerszene wegzudenken. «Wir sind einer der wenigen Titel der hiesigen Medienszene, die jährlich die Auflage steigern», sagt Reichenbach stolz. Während der Saison beschäftigt der Verlag gegen zehn Mitarbeiter. «Wer Schwingerfan ist – und das werden jedes Jahr mehr – kommt an uns nicht vorbei.» Auch in der Branche nimmt man den Erfolg wahr. Ein Verlag meldete sich bereits mit einem Übernahmeangebot. Doch Beat Reichenbach denkt nicht an einen Verkauf: «Der ‹Schlussgang› ist mein Kind, und wir haben noch viel vor mit ihm. Der Zenit ist noch lange nicht erreicht.»

Zeitung, Magazin, Homepage und App

Die Schwingerzeitung «Schlussgang» erscheint während der Saison (April–September) alle zwei Wochen, von Oktober bis März jeweils monatlich. Herausgeber ist der Luzerner Verlag Bewe Medien von Beat Reichenbach (51).

Neben der Zeitung gibt der Verlag zwei Mal im Jahr das Hochglanzmagazin «Schwingen» heraus. Aktuelle Online-News gibts von der Redaktion auf schlussgang.ch, via Facebook oder eigener App. Die Zeitung zählt eine Auflage von 13 000 Exemplaren (11 000 Abonnente). Laut Verlagsangaben wächst die Auflage jährlich um 10 Prozent. Die App wurde schon 80 000 Mal heruntergeladen. Während grosser Schwingfeste verzeichnet die Homepage rund 500 000 Zugriffe.

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