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MEDIEN: Erwin Bachmann: «Im Regionalteil sind wir unersetzbar»

Erwin Bachmann tritt morgen als Verwaltungsratspräsident der LZ-Medien zurück. Ein Gespräch über schwierige Fusionen, Inserate und den Einfluss aus Zürich.
Interview Roman Schenkel
Der abtretende Verwaltungsratspräsident der LZ-Medien, Erwin Bachmann, im Innenhof des LZ-Medienhauses in Luzern. (Bild Philipp Schmidli)

Der abtretende Verwaltungsratspräsident der LZ-Medien, Erwin Bachmann, im Innenhof des LZ-Medienhauses in Luzern. (Bild Philipp Schmidli)

Interview Roman Schenkel

Erwin Bachmann, vor 30 Jahren gab es noch drei Zeitungen in Luzern. Ich nehme an, als ehemaliger CVP-Politiker haben Sie stets zuerst das «Vaterland» gelesen und erst dann das «Tagblatt» und die LNN zur Hand genommen?

Erwin Bachmann: Als Kind hatten wir zu Hause die LNN abonniert. Später, als ich politisch bei der CVP aktiv wurde, las ich natürlich zuerst das «Vaterland». Und in meiner beruflichen Funktion beim «Vaterland» war es dann wichtig zu sehen, was die Konkurrenz macht. Vor allem hat man darauf geschielt, welche und wie viele Inserate das «Tagblatt» oder die LNN hatten.

Und wie lesen Sie heute die Zeitung?

Bachmann: Ich habe gerne die gedruckte Zeitung in der Hand, und zwar täglich. Ich bin ein grosser Print-Fan und überzeugt, dass es noch lange Zeitungen geben wird. Schon vor Jahren hiess es, Print gebe es bald nicht mehr. Ich halte es aber nach wie vor für eine gute und angenehme Leseform.

Wenn Sie heute durch die Zeitung blättern, wie fällt der Vergleich mit 1987 aus?

Bachmann: Anno 1987 hatten wir beim «Vaterland» gerade vom Blei- auf den Lithosatz gewechselt. Auf der Redaktion standen überall klapprige Hermes-Schreibmaschinen herum. Meinen ersten Computer habe ich selber mit ins Büro genommen. Die Technologie wurde in den letzten 30 Jahren x-fach umgewälzt. Denken Sie nur an die Fotografie. Man hat in Bern den Cupfinal fotografiert, ist zum Motorrad gerannt und hat in Luzern die Fotos entwickelt. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen.

Und die Inhalte?

Bachmann: Die ganze Gestaltung der Zeitung hat mehr gewonnen, das Bild mehr Gewicht erhalten. Früher waren die Zeitungsseiten eher Textwüsten, ziemlich nüchtern. Heute ist die Zeitung lebendiger. Und natürlich musste man sich dem Nachrichtenfluss anpassen. Die News sind online ja längst bekannt, und die Zeitung konzentriert sich viel mehr auf Hintergründe und Analysen.

1987 bis 2016: Fast drei Dekaden lang waren Sie hier im Maihof für «Vaterland» und die LZ-Medien tätig. Wie haben Sie es so lange ausgehalten?

Bachmann: Meine berufliche Tätigkeit hat sich in diesen 30 Jahren massiv verändert. Eigentlich habe ich mehrmals einen neuen Job angetreten. So kam es nie zu einer echten Routine. Hinzu kamen immer neue Herausforderungen, zum Beispiel die beiden grossen Zeitungsfusionen. Aber auch im Druckbereich ist viel gelaufen. Hier haben wir im Verlauf der Zeit mehrere Druckereien in der Multicolor-Print zusammengeführt. Und nicht zu vergessen die elektronischen Medien: Radio Pilatus und Tele 1 sind dazugekommen. Die LZ-Medien haben eine sehr lebendige Geschichte.

Und eine erfolgreiche.

Bachmann: Als ich angefangen habe, machten wir 30 Millionen Franken Umsatz, die Aktie kostete 100 Franken, eine Dividende gab es noch nicht. Als ich als CEO aufgehört habe, hatten wir 170 Millionen Franken Umsatz, die Aktie hatte einen Wert von 3000 Franken, und wir bezahlten eine hohe Dividende. Das ist das Resultat eines guten Teams.

Die spannendste Zeit dürften die Jahre von 1991 bis 1996 gewesen sein, wo es innerhalb von funf Jahren zu den Fusionen zwischen «Vaterland» und «Tagblatt» zur «Luzerner Zeitung» und anschliessend mit der LNN zur «Neuen Luzerner Zeitung» kam. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Bachmann: Das war eine unglaublich intensive Zeit. Die erste Fusion verhandelten wir unter ganz wenigen Leuten. Wir hatten im August 1991 entschieden, dass wir drei Monate später mit einer neuen Zeitung herauskommen werden. Das sei kriminell, hat man mir gesagt. Wir mussten das aber so schnell durchziehen, weil wir einen Einbruch der Inserate befürchteten. Dieser ist dann auch eingetreten. Doch wir haben schnell wieder Fuss gefasst.

Das «Vaterland» war Parteiblatt der CVP, das «Tagblatt» dasjenige der FDP. Die Reaktionen müssen massiv gewesen sein?

Bachmann: Es gab heftige Diskussionen. Für viele war es undenkbar, dass die beiden Kontrahenten nach 150 Jahren Kulturkampf fusionieren. Die Generalversammlungen sind aber relativ ruhig über die Bühne gegangen. Danach haben wir rasch guten Boden gefunden mit etwa 84 000 Abonnenten. Viele Leser sind uns letztlich treu geblieben. Mit den Regionalausgaben haben wir uns dann in der Zentralschweiz etabliert.

Die Regionalausgaben waren eine Besonderheit.

Bachmann: Die Branche hat uns für verrückt erklärt und gefragt, «wieso macht ihr nicht einfach eine einzige Zeitung?». Es ist aber ein Trugschluss zu meinen, man könne die Zentralschweiz medienpolitisch unter einen Deckel zwängen. Da muss man die Region gut kennen und wissen, dass die einzelnen Kantone eigene Informationsbedürfnisse haben. Unser Erfolg hat stark mit dieser Regionalisierung zu tun.

Sie haben die LZ Medien seither zu einem erfolgreichen regionalen Medienhaus mitgeformt, das Print, Online, Fernsehen und Radio vereint und in der Zentralschweiz dominant auftritt. Sie mögen den Ausdruck Monopol nicht, haben Sie in einem Interview gesagt. Aber ein Monopol haben Sie geschaffen.

Bachmann: Die Fusionen kamen ja nicht aus medienpolitischen Gründen, weil man dachte, eine Zeitung genügt. Medienvielfalt ist immer erwünscht – wenn man es finanzieren kann. Es ist eine rein wirtschaftliche Frage, ob man eine, zwei oder drei Zeitungen hat. Es gibt heute ja nur noch den Platz Bern, wo man zwei Regionalzeitungen im Angebot hat. Aber das ist eine besondere Situation, beide Zeitungen gehören ja Tamedia. In Luzern haben wir aufgrund der Inserateent­wicklung frühzeitig in relativ guten Zeiten gehandelt und die Zusammenschlüsse forciert. Das hat sich gelohnt.

Der Zusammenschluss mit der LNN ist dann ruhiger über die Bühne gegangen?

Bachmann: Es war eine ganz andere Situation. Ringier ist damals auf uns zugekommen. Allerdings wollten sie die Mehrheit der neuen Zeitung übernehmen. Das kam für uns nicht in Frage. Es hat zwei Jahre gedauert, bis wir sie davon überzeugen konnten. Sie haben sich dann mit 49 Prozent an der Neuen Luzerner Zeitung AG begnügt.

Spulen wir die Zeit in die Gegenwart: Die Medienhäuser stecken mitten in einem Strukturwandel. Die Umsätze aus dem klassischen Geschäft sind rückläufig – auch bei den LZ-Medien. Wo sehen Sie den Verlag in Zukunft?

Bachmann: Die Herausforderungen sind sicher nicht kleiner geworden. Sie sind einfach anders. Heute sind wir mit der NZZ als Mutter in einem grösseren Verbund. Die LZ-Medien haben hier in der Region wirtschaftlich nach wie vor eine starke Stellung. Medienpolitisch halte ich es für klug, wenn wir die viel gepriesene Unabhängigkeit beibehalten. Ich sehe keinen Erfolg in einem übergeordneten Produkt über mehrere Regionen hinweg. Daran glaube ich nicht. Unsere Stärke liegt in der Regionalisierung. Für das lohnt es sich einzustehen. Wir machen ja keine Schrauben oder Teigwaren, wo es keine grosse Rolle spielt, wo sie hergestellt werden.

Die Zusammenarbeit mit dem ebenfalls zur NZZ gehörenden «St. Galler Tagblatt» wird aber verstärkt.

Bachmann: Der Erfolgsfaktor Regionalisierung gilt sicher auch für die Ostschweiz. Innerhalb einer grösseren Gruppe macht es durchaus Sinn, dass man nach Synergien sucht. Die liegen insbesondere im Finanz-, IT- und im Administrativbereich. Im publizistischen Bereich gibt es schon auch Synergien, beispielsweise im nationalen und internationalen Bereich. Wo wir aber unersetzbar sind, das ist im Regionalteil. Das ist unser starkes Geschäftsfeld, das müssen wir intensiv bearbeiten.

Die LZ-Medien gehören heute zu 91 Prozent der NZZ. Wie viele Freiheiten hat der Verwaltungsrat der LZ-Medien überhaupt noch? Ist man in Luzern fremdbestimmt?

Bachmann: Der Verwaltungsrat kann schon rein rechtlich gesehen nicht fremdbestimmt sein. Er hat eine eigene Verantwortung, und die muss er tragen. Aber durch die zentralisierte Organisation, wie man sie heute hat, werden viele Entscheide zentral getroffen, die früher in Luzern getroffen wurden.

Hatten Sie Mühe mit dieser Situation?

Bachmann: Einer, der schon lange dabei ist, hat damit mehr Mühe als einer, der frisch dazukommt. Ich bin völlige Unabhängigkeit gewohnt. Die Einführung der «Zentralschweiz am Sonntag» zum Beispiel ist in Zürich auf wenig Gegenliebe gestossen. Damals haben wir uns noch durchgesetzt. Zu Recht, wie sich heute zeigt. Die «Zentralschweiz am Sonntag» ist ein tolles und vor allem erfolgreiches Produkt. Heute würde dieser Entscheid vielleicht anders ausfallen.

Wie sehen Sie die Entwicklung im Inseratemarkt?

Bachmann: Wir haben rechtzeitig versucht, weniger printlastig zu werden und in die Breite zu wachsen. Wir haben das Druckereigeschäft, und wir haben viel in die elektronischen Medien wie Radio und Fernsehen investiert. Fairerweise muss man aber sagen, dass das traditionelle Geschäft nach wie vor mit Abstand den grössten Anteil am Umsatz beisteuert.

Zur Person

Als gelernter Werbefachmann arbeitete Erwin Bachmann (70) zuerst in der Textilindustrie bei der Viscosuisse in Emmenbrücke, danach wechselte er zum Breitensportverband SUS. 1987 zog es Bachmann als Direktor in die damalige Druckerei Maihof/Verlag Vaterland. An ihre Stelle trat nach zwei Fusionen die LZ Medien Holding AG, an deren Spitze Bachmann bis ins Jahr 2009 stand. Danach übernahm er das Präsidium des Verwaltungsrats der LZ Medien Holding AG. An der morgigen Generalversammlung tritt er von diesem Amt zurück, weil er die vorgeschriebene Altersgrenze von 70 Jahren erreicht hat. Neu soll Doris Russi-Schurter den Verwaltungsrat der LZ-Medien präsidieren.

Stadtlauf, Weihnachten, Politik

Bachmann hat während 17 Jahren dem Organisationskomitee des Luzerner Stadtlaufs angehört und führte zwölf Stadtläufe als OK-Präsident durch. Auch dieses Jahr hat er an dem von ihm lancierten 660 Meter langen Solidaritätslauf teilgenommen. Zudem präsidiert Bachmann den Stiftungsrat der LZ-Weihnachtsaktion, die in der Weihnachtszeit Spenden für Not leidende Menschen sammelt. 2015 wurde sie zum 20. Mal durchgeführt und registrierte mit 4,22 Millionen Franken einen Spendenrekord.
Auch politisch hat Erwin Bachmann seine Spuren hinterlassen: Von 1975 bis 1991 gehörte er als Mitglied der CVP dem Luzerner Kantonsparlament an, 1988 als Präsident des Grossen Rates. Bachmann ist Vater von zwei erwachsenen Töchtern und lebt in Emmenbrücke.

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