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MEDIEN: Jeder Zehnte schaut zeitversetzt

Die Schweizer Bevölkerung sitzt immer länger vor dem Fernseher. Gleichzeitig verliert das fixe TV-Programm an Bedeutung.
Ernst Meier
Trotz neuer Medien ist das klassische Fernsehen weiterhin stark verbreitet. (Bild: Getty/Erik Dreyer)

Trotz neuer Medien ist das klassische Fernsehen weiterhin stark verbreitet. (Bild: Getty/Erik Dreyer)

Ernst Meier

Wer denkt, dass mit der zunehmenden Verbreitung neuer Medien wie Internet, DVD oder «Film on Demand» (Apple-TV, Netflix etc.) der Konsum des klassischen TV-Programms an Bedeutung verliert, hat sich geirrt. In den Schweizer Haushalten wird weiterhin gerne und fleissig in die Flimmerkiste geguckt.

In allen drei grossen Sprachregionen hat die Sehdauer von Januar bis Juni 2016 gegenüber dem vorhergehenden Semester zugenommen: In der Deutschschweiz um 12 Minuten auf 131 Minuten pro Tag. Ähnlich hoch war die Steigerung in der Westschweiz um 11 Minuten auf 153 Minuten pro Tag. Spitzenreiter ist die italienischsprachige Schweiz, wo täglich 182 Minuten TV geschaut wird. Hier beträgt die Zunahme zum zweiten Semester 2015 stolze 21 Minuten.

Diese Zahlen gehen aus den gestern publizierten Erhebungen des Forschungsinstituts Mediapulse hervor. Laut Christopher Wehrli, Leiter Kommunikation von Mediapulse, ist die deutliche Zunahme vor allem saisonal bedingt. «Im ersten Semester des Jahres ist der Fernsehkonsum immer leicht höher als im zweiten Halbjahr», sagt Wehrli. Diese Gesamtbetrachtung könne man nicht einfach auf das Stattfinden von Sport-Grossanlässen (Fussball-EM, -WM, oder Olympische Spiele) zurückführen. Laut Wehrli habe dies zwar einen Einfluss auf die Werte einzelner Sender, aber nicht grundsätzlich auf den gesamten Fernsehkonsum der Schweizer. Vielmehr würden das Wetter sowie saisonal bedingte Alternativen den TV-Konsum beeinflussen.

Kulturelle Unterschiede

Weshalb schaut man in der Südschweiz und in der Romandie deutlich länger TV als in der Deutschschweiz? Christopher Wehrli vermutet kulturelle Unterschiede als Grund. «Wissenschaftlich haben wir dies noch nie untersucht», sagt er. Vermutlich hat es mit der Nähe zu den Nachbarländern des gleichen Sprachraums zu tun. Italien gehört mit einer Sehdauer von über 260 Minuten pro Tag zu den Ländern Europas, wo die Menschen am längsten vor der Glotze sitzen.

Die Fernsehgewohnheiten der rätoromanischen Schweiz werden übrigens nicht speziell ausgewiesen. Je nach geografischer Lage wird das Einzugsgebiet der Rätoromanen der Deutschschweiz oder dem Tessin zugewiesen.

Bei der Erfassung der Reichweiten stellte Mediapulse im ersten Halbjahr 2016 ebenfalls steigende Werte fest – verglichen mit dem Vorsemester. Mit der Tagesreichweite misst das unabhängige Forschungsinstitut, wie viele Personen täglich TV schauen (unabhängig von der Sehdauer und Sendewahl). Das Medium TV erreichte dabei in der Deutschschweiz eine tägliche Reichweite von 66,9 Prozent aller potenziellen Zuschauerinnen und Zuschauer (Vorsemester: 63,1 Prozent). In der Westschweiz betrug die Tagesreichweite 68,3 Prozent (65,1 Prozent) und im Tessin 77,8 Prozent (72,2 Prozent). Auch hier sei die Steigerung auf das jeweils naturgemäss starke erste Halbjahr zurückzuführen, heisst es bei Mediapulse.

Im mehrjährigen Vergleich zeigt sich, dass die Tagesreichweiten ansteigen. Im ersten Halbjahr 2011 lagen die Tagesreichweiten in allen Sprachregionen unter den heutigen Werten: 66,4 Prozent (Deutschschweiz), 67,4 Prozent (Romandie) und 68,9 Prozent (Tessin).

Neue Sehgewohnheiten

Mediapulse misst für ihre Auswertungen alle TV-Empfangsgeräte in den Schweizer Haushalten. Neben dem klassischen TV-Apparat gehören dazu auch PC und Laptop innerhalb der Wohngemeinschaft. Nicht erfasst wird der Konsum via Smartphones und Tablets.

Wie die neusten Erhebungen zum Fernsehkonsum zeigen, nimmt der Anteil der zeitversetzten TV-Nutzung ebenfalls zu. Dies ist seit einigen Jahren dank Settop-Boxen (UPC Horizon, Swisscom TV etc.) möglich. «Rund ein Fünftel der Deutschschweizer zwischen 15 und 29 Jahren schauen zeitversetzt TV», sagt Christopher Wehrli. Betrachtet man die zeitversetzte Nutzung aller Personen ab 3 Jahren, dann liegt diese – je nach Sprachregion – zwischen 11,9 und 12,9 Prozent am Anteil der gesamten TV-Sehdauer. Mehr als jeder zehnte Schweizer schaut also nicht mehr TV stur nach Programm. Die Erhebungen zum Schweizer TV-Konsum zeigen laut Christopher Wehrli: «Fernsehen bleibt beliebt, es etablieren sich aber neue Sehgewohnheiten, vor allem bei der jüngeren Generation.»

Schweizer stehen auf einheimische Fernsehsender

KONKURRENZeme. Die beliebtesten TV-Sender in den Deutschschweizer Haushalten bleiben SRF 1 und SRF 2. Sie erreichten im ersten Halbjahr 2016 einen Marktanteil von 19,2 und 10,6 Prozent (Personen ab einem Alter von 3 Jahren). An dritter Stelle liegt RTL mit einem Marktanteil von 6 Prozent, vor ZDF und ARD mit je 5,2 Prozent. Von den sprachregionalen TV-Sendern erreicht Tele Züri einen Marktanteil von 0,9 Prozent. Tele 1 kommt auf 0,7 Prozent innerhalb des Konzessionsgebietes. Damit konnte das Zentralschweizer Fernsehen den Marktanteil um 0,1 Prozent steigern.

Betrachtet man die Markanteile in der Zielgruppe der 15- bis 29-Jährigen, erreicht SRF 2 als beliebtester Sender in der Deutschschweiz rund 12 Prozent Marktanteil, gefolgt von Pro 7 mit 11,2 Prozent und RTL mit 9,4 Prozent. An vierter Stelle liegt SRF 1 mit 7,2 Prozent. Sat. 1 und RTL 2 kommen auf einen Marktanteil von je 4,4 Prozent, Vox auf 4,2 Prozent. Der Schweizer Privat-TV-Sender 3+ erzielt 3 Prozent Markanteil bei den 15- bis 29-Jährigen.

Zeitlich sitzen am meisten Schweizerinnen und Schweizer jeweils zwischen 19.30 und 21 Uhr vor dem TV-Gerät. Der beliebteste Fernsehtag ist der Sonntag.

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