MEDIEN: NZZ-Regionalmedien arbeiten künftig enger zusammen

Die NZZ-Gruppe vereint ihre Regionalmedien in Luzern und St. Gallen unter einem Dach. Geführt wird der neue Geschäftsbereich vom bisherigen Leiter Medien Zentralschweiz, Jürg Weber.

Hans-Peter Hoeren
Drucken
Teilen
Jürg Weber an der GV der LZ Medien Holding im Verkehrshaus Luzern vom letzten Mai. Der Verlagsleiter ist künftig auch für die Regionalmedien in der Ostschweiz zuständig. (Archivbild Pius Amrein)

Jürg Weber an der GV der LZ Medien Holding im Verkehrshaus Luzern vom letzten Mai. Der Verlagsleiter ist künftig auch für die Regionalmedien in der Ostschweiz zuständig. (Archivbild Pius Amrein)

Die NZZ-Medien-Gruppe stellt ihre Regionalmedien in der Zentral- und der Ostschweiz unter eine einheitliche Leitung und fasst diese in einem neuen Geschäftsbereich zusammen. Geführt wird dieser von Jürg Weber, dem bisherigen Leiter Medien Zentralschweiz und Verlagsleiter der LZ Medien. Der derzeitige Verlagsleiter der Medien Ostschweiz, Daniel Ehrat, verlässt das Unternehmen im Zuge der Neuordnung.

Der neue Geschäftsbereich Regionalmedien umfasst die regionalen Tages- und Sonntagszeitungen der NZZ-Mediengruppe – sprich die «Neue Luzerner Zeitung», die «Zentralschweiz am Sonntag», das «St. Galler Tagblatt», die «Ostschweiz am Sonntag» – sowie die Portale tagblatt.ch und luzernerzeitung.ch. Dazu gehören zudem Radio Pilatus und Tele 1. Dies teilte die Gruppe gestern mit.

In Zukunft würden die Regionalmedien enger zusammenarbeiten – unter anderem im redaktionellen Bereich, in der Lesermarktbearbeitung und bei der Generierung von Zusatzgeschäften. Dies unter Wahrung der regionalen und lokalen Zuständigkeiten. «Wir wollen unser regionales und lokales publizistisches Angebot deutlich verbessern», sagt Veit Dengler, CEO der NZZ-Medien-Gruppe. «Gleichzeitig wollen wir durch verstärkte Kooperation die Effizienz in den Bereichen steigern, die unsere Leserinnen und Leser nicht berühren.»

Es wird Personal abgebaut

Die angedachten Massnahmen würden in der Summe zu einer leichten Personalreduktion führen, ergänzt Jürg Weber. «Wir wollen dabei vor allem auf natürliche Fluktuationen setzen, eine Hauruckübung ist nicht geplant», versichert Weber. Es bestehe eine Mittelfristplanung bis 2017, innerhalb derer die Massnahmen umgesetzt würden.

«Wir stehen unter Druck. Wir müssen den klassischen Bereich verschlanken und gleichzeitig Ressourcen frei machen für Zusatzgeschäfte und neue Geschäftsfelder», erklärt Weber. Als mögliche Beispiele nennt er den Ausbau des Online-Angebots, die Bereiche Leserreisen, Events oder Seminare. «Wir haben einen sehr loyalen Kundenstamm. Diesem wollen wir zusätzliche Angebote bereitstellen», sagt Weber. Doppelspurigkeiten sollen vor allem im Überregionalen eliminiert werden. «Unser Alleinstellungsmerkmal sind regionale Nachrichten. Auf diesen Bereich wollen wir noch stärker fokussieren und diesen stärken.»

Sorgen in der Ostschweiz

In der Ostschweiz stösst die Zusammenlegung der Regionalmedien in einen Geschäftsbereich auf Skepsis. «Aus Ostschweizer Sicht ist das zu bedauern», sagt der Thurgauer Regierungsrat Jakob Stark gegenüber Radio DRS. Ohne eigenen Regionalchef könnten die Ostschweizer Zeitungen ihr regionales Gesicht verlieren. Dem widerspricht Jürg Weber entschieden. «Luzern übernimmt hier nicht St. Gallen. Es wird künftig eine Regionalmediengesellschaft geben, die zwei gleichberechtigte und eigenständige Medienhäuser unter einem Dach vereint», stellt der neue Leiter Regionalmedien der NZZ-Gruppe klar.

Die elektronischen Medien in der Ostschweiz, Radio FM1 und TVO, werden nicht Teil des neuen Geschäftsbereichs. Diese werden mit einem Projektteam Digitale Reichweiten zu einer Innovationszelle zusammengeschlossen. Als Pilot für die gesamte Gruppe soll diese Produkte entwickeln und testen, die Fernsehen, Radio sowie Online und Mobile stärker miteinander verknüpfen. «Wir wollen Markenportale fördern und versuchen, in einem ersten Schritt ein Reichweitenportal aufzubauen», erklärt Jürg Weber. Damit wolle man sich eine Zielgruppe erschliessen, die relativ nah am Publikum des Radiosenders FM1 liege.

Die Bündelung der Kräfte im Schweizer Medienbereich ist gemäss Branchenkenner und «Weltwoche»-Kolumnist Kurt W. Zimmermann schon weit fortgeschritten. Als Beispiel nennt er die Kooperation von «Tages-Anzeiger» und «Der Bund». «Die Medienbranche ist aber noch in einer Erprobungsphase und längst noch nicht so weit wie die Autoindustrie», erklärt der ehemalige Chefredaktor der «Sonntagszeitung» auf Anfrage. Autohersteller wie VW, Seat oder Skoda wüssten bereits ganz genau, welche Autoteile sie austauschen könnten und welche ihre Alleinstellungsmerkmale ausmachten. Regional stark verankerte Titel mit einer hohen Leserbindung befänden sich bei der Neuausrichtung aber in einer guten Position. «Gute Regionalzeitungen kann man nur schwer ersetzen, weil sie unmittelbar Nähe zu einer Region herstellen», weiss Zimmermann.

Publigroupe macht den Weg frei

Den Weg endgültig frei gemacht für die engere Kooperation der NZZ-Regionalmedien haben gestern die Aktionäre der Publigroupe. Sie stimmten an einer Generalversammlung dem Verkauf sämtlicher Publigroupe-Anteile an der FPH Freie Presse Holding zu. Diese ist Mehrheitseignerin der «Neuen Luzerner Zeitung» und des «St. Galler Tagblatts». Die Publigroupe hielt bisher 25,07 Prozent an der FPH, ihre Anteile werden von der NZZ erworben. Diese hat damit die FPH vollständig übernommen. Bisher hielt die NZZ-Gruppe knapp 75 Prozent an der FPH.