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MEDIENHANDEL: Ex Libris schliesst acht Filialen in der Zentralschweiz

Streamingdienste und Onlinehandel boomen. Dies zum Leidwesen klassischer Buch- und Musikhändler. Ex Libris scheint die Transformation zu gelingen, dafür werden aber Filialen geschlossen.
Raphael Bühlmann
Auch die Luzerner Ex-Libris-Filiale an der Hertensteinstrasse 29 wird dieses Jahr geschlossen. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 10. Januar 2018))

Auch die Luzerner Ex-Libris-Filiale an der Hertensteinstrasse 29 wird dieses Jahr geschlossen. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 10. Januar 2018))

Raphael Bühlmann

Ex Libris schliesst weitere 43 Filialen. Das gab das Unternehmen am Mittwoch in einer Medienmitteilung bekannt. Seit 2010 hat die Medienhändlerin bereits 60 Verkaufsstellen dichtgemacht. Seither hat sich der Nettoumsatz von 190 Millionen Franken auf 112 Millionen Franken reduziert.

Ein Niedergang, der mit der Digitalisierung der Musikbranche einherzugehen scheint. Klassische Medienhändler werden vom Onlinehandel gleich doppelt herausgefordert. Erstens ist der Medienhandel an und für sich im Wandel begriffen. Gemäss Bundesamt für Statistik werden gerade Bücher und sonstige Medien besonders gerne online eingekauft. 17 Prozent der Haushaltsausgaben für Bücher wurden 2014 via E-Commerce ausgegeben. Nur Flugbuchungen und Hotelreservationen wurden noch öfter übers Internet abgewickelt. Zweitens wurde mit der Lancierung von iTunes um die Jahrtausendwende das Ende der konventionellen Tonträger eingeläutet. Bücher, DVDs oder Tonträger sehen sich heute mehr denn je Streaming-Plattformen oder der Konkurrenz von E-Readern ausgesetzt.

14 Filialen bleiben in der ganzen Schweiz erhalten

Von diesen beiden Trends sind klassische Medien-Verkaufsfilialen besonders betroffen. So erlitt auch Ex Libris allein in den vergangenen drei Jahren umsatzmässig und flächenbereinigt Einbussen um einen Drittel im stationären Geschäft.

Wie das Unternehmen in seiner Mitteilung weiter festhält, kämen dazu längere Öffnungszeiten hinzu, was bei vielen Filialen zu einem Kostenanstieg geführt habe. «Deshalb sind wir gezwungen, unsere Filialstruktur anzupassen», schreibt die Migros-Tochter weiter.

Konkret reduziert Ex Libris im laufenden Jahr die Zahl der stationären Verkaufsstellen von 57 auf 14 Filialen, wodurch 114 Stellen verloren gehen. Gemeinsam mit dem Kaufmännischen Verband (KFMV) und der Personalkommission als Sozialpartner habe man einen entsprechenden Sozialplan mit flankierenden Massnahmen erarbeitet, um die mit dem Abbau verbundenen Auswirkungen für die betroffenen Mitarbeitenden abzufedern. Zunächst soll möglichst vielen Betroffenen innerhalb oder ausserhalb der Migros-Gruppe eine Stelle vermittelt werden. Ex Libris bietet dazu eigens eine interne Anlaufstelle, welche die Mitarbeitenden hierbei unterstützt, versichert die Migros-Tochter. Weiter verlängere man beispielsweise die vertraglichen Kündigungsfristen.

Für Mitarbeitende, die nach Ablauf der Kündigungsfrist keine neue Stelle gefunden hätten, zahle Ex Libris zusätzlich eine Abgangsentschädigung. Die Verantwortlichen von Ex Libris betonen, dass ihnen der Entscheid schwergefallen sei, dieser schliesslich aber doch nötig gewesen sei, wolle man das Unternehmen nachhaltig in die Zukunft führen.

«Um weiterhin in Wachstumsbereiche investieren und als starkes Unternehmen in die Zukunft gehen zu können, müssen wir unser Filialnetz gesund aufstellen», erklärt Daniel Röthlin, Unternehmensleiter von Ex Libris, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Deshalb sei dazu das Marktpotenzial aller Standorte sorgfältig evaluiert worden. Aufgrund der Standortfaktoren wie Kundennachfrage, Lage und Entwicklungsmöglichkeiten wurde eine Gesamtbewertung vorgenommen. Je nach Region bleiben verschiedene Standorte erhalten (siehe Kasten).

Immer noch Marktführer im Online-Medienhandel

Festzuhalten bleibt, dass Ex Libris die Transformation in den Onlinehandel insgesamt gelungen zu sein scheint. Anders als bei den stationären Verkaufsstellen floriert der Internethandel. Die Online-Umsätze stiegen 2017 um 8 Prozent und erreichten einen neuen Höchstwert.

Laut eigenen Angaben habe sich Ex Libris bereits früh auf die veränderten Konsumgewohnheiten ausgerichtet und werde heute in der Branche als Innovationsführerin anerkannt. Mit mehr als 21 Millionen Artikeln hat sich die Migros-Tochter zum grössten Medien-Onlineshop der Schweiz entwickelt und zählt zu den Top 10 im inländischen Onlinehandel. Wie aber der gesamte Detailhandel spürte auch die Medienhändlerin den Preiszerfall durch die Frankenstärke und den aggressiven Preiskampf der internationalen Online-Konkurrenz. Weiterhin bietet Ex Libris 215 Arbeitsplätze.

«Dazu braucht das Unternehmen ein gesundes Fundament. Das ist wichtig, um sich im harten Wettbewerb erfolgreich von der stationären Händlerin mit Online-Angebot zur Online-Händlerin mit modernen, stationären Touchpoints zu entwickeln», erklärt Beat Zahnd, Leiter des Departments Handel im Migros- Genossenschaftsbund. Mit dem Erhalt von 14 stationären Filialen werde Ex Libris ihre Kundinnen und Kunden weiterhin verknüpft auf allen Kanälen online und offline mit Büchern, Film, Musik, Software und Spielen bedienen.

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