Medienkolumne
Grüsse aus dem Sommerloch

Alain Bersets Flugeskapaden und was er von Roger Köppel lernen könnte.

Matthias Ackeret
Matthias Ackeret
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Bundesrat Alain Berset posiert für Selfies: Bekanntheit ist gut für Politiker – jedenfalls fast immer.

Bundesrat Alain Berset posiert für Selfies: Bekanntheit ist gut für Politiker – jedenfalls fast immer.

Bild: Ennio Leanza / KEYSTONE / keystone-sda.ch

Gäbe es einen Polit-Oscar für mediale Beachtung, müsste man ihn Alain Berset und Roger Köppel zugestehen. Für einen Politiker ist Bekanntheit das höchste Gut. Nur manchmal lebt es sich als Nobody besser: als Corona-General konnte Berset noch unbehelligt über das Wasser laufen, seit französische Kampfjets seinem persönlichen Höhenflug aber ein Ende setzten, fordern sogar Berset-zugetanene Zeitungen wie der «Tagi» seinen Rücktritt. Doch so weit wird es kaum kommen.

Trotzdem könnte Berset bei Köppel nachfragen, wie man gegen einen Empörungstsunami besteht: Der SVP-Nationalrat steht seit Wochen unter medialem Dauerbeschuss. Der Grund: seine Forderung nach Verhandlungen im Ukraine-Krieg. Dass sich seine Russland-Haltung nur minim von der seiner Politkollegen Martin Bäumle, Christoph Blocher oder dessen Tochter Magdalena Martullo-Blocher unterscheidet, spielt keine Rolle; richtig heftig, wird es nur beim «Weltwoche»-Chef. Woraus man lehrt: Laute Provokation erzeugt auch laute Reaktionen.

Unbestritten ist Köppels Popularität in Deutschland: Mit seiner Internetsendung «Weltwoche-Daily» erreichte er dort kürzlich über 100'000 Zuschauerinnen und Zuschauer und erzeugte fast 3000 euphorische Kommentare. In Deutschlands Osten würde er wohl in jedes Parlament gewählt. Bersets Auslandengagement ist diskreter.

Was der Innenminister mit seinem Flugzeug in Frankreich suchte, ist unklar. Privatangelegenheit, meinte sein Pressechef, dessen Vorgänger überraschend abtrat. House-of-Cards im Bundeshaus, orakelte die NZZ. Das Ozonloch mag gross sein, doch das Sommerloch existiert nicht mehr.