Medienkolumne
Tessiner Impressionen: Risotto, Merlot und die sommerliche Nähe zwischen Politik und Medien

Simonetta Sommaruga analysiert in Locarno die Niederlage des Medienpakets und ortet «Mais im Bundeshuus».

Matthias Ackeret
Matthias Ackeret
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Medienministerin Simonetta Sommaruga spricht an der «Soirée Médias» in Locarno.

Medienministerin Simonetta Sommaruga spricht an der «Soirée Médias» in Locarno.

Gian Kaufmann/VSM

Einmal im Jahr sind wir alle Tessiner: am Filmfestival Locarno. Man isst Risotto und trinkt Merlot. Bei so viel «kultureller Aneignung» muss man froh sein, dass die Veranstaltung nicht in Bern stattfindet – sonst wäre sie längst verboten. Erstmals organisierte der Verlegerverband eine «Soirée Médias» zum Austausch von Medien, Politik und Kultur, wobei Peter Wanner, Herausgeber der Zeitungen und Portale der CH-Media-Gruppe, der einzige anwesende Grossverleger war.

Ein Indiz, dass Medien die Nähe zur Politik weniger suchen, als Bevölkerung und Sonderermittler Peter Marti vermuten. Die Politik hingegen war gut vertreten, wobei deren Vertreter mehrheitlich aus dem linken Lager stammten. Wie erkannte bereits Reinhard Mey: «Es gibt nichts Schöneres auf Erden, als Politiker zu werden.» Vor allem in angenehmem Grotto-Ambiente.

Festivalpräsident Marco Solari, wohl der einzige Tessiner, beschwor die Anwesenden: «Die Schweiz kann ohne das Tessin nicht existieren!» Medienministerin Sommaruga, Stargast des Abends, doppelte nach: Die Schweiz könne ohne starke Medien nicht existieren. Und betonte mit ironischem Unterton, dass der Bundesrat medial längst nicht mehr so geschont werde wie während der Pandemie. Zwar sei die Regierung kein «House of Cards», sondern es herrsche lediglich «Mais im Bundeshuus». Zum Glück gibt es Schweizer Filme, die sich für ein Wortspiel eignen.

Der Bundesrat habe es bei der Medienförderung gut gemeint, so Sommaruga, das Parlament hingegen «allzu gut». Die Folge: eine «überdimensionierte» Vorlage. So präzise hat kein Kommentator den Schuldigen der Brachialniederlage benannt. Sommaruga ist längst zur Krisenversteherin geworden: Im Gegensatz zur Medienunterstützung kann es bei der Energie aber nie genug geben.