MEDIKAMENTENVERSAND: Zur Rose drückt aufs Gas

Trotz gesetzlicher Hürden bleibt die Online-Apotheke Zur Rose auf Wachstumskurs. Sie legt vor allem in Deutschland zu.

Thomas Griesser Kym
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Blick ins Logistikzentrum von Zur Rose. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Blick ins Logistikzentrum von Zur Rose. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Thomas Griesser Kym

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

Dank intensivierten Marketings hat die Zur-Rose-Gruppe ihren konsolidierten Umsatz vergangenes Jahr um 5,4 Prozent auf 880 Millionen Franken gesteigert. Das Unternehmen, das als Grossist Ärzte sowie als Versandapotheke Patienten direkt mit Medikamenten beliefert, sieht sich in seiner Wachstumsstrategie bestätigt und nimmt es in Kauf, dass die Erhöhung des Marketingaufwandes temporär auf das Ergebnis drückt. Konkrete Zahlen dazu nennt die Gruppe mit 800 Beschäftigten nicht.

Die Marke Zur Rose hat den Umsatz 2016 um annähernd 2 Prozent auf 531 Millionen Franken erhöht. Dies trotz des Versandverbots rezeptfreier Arz­neimittel, welches das Bundes­gericht im September 2015 ausgesprochen hat. Zuvor hatte Zur Rose seit 2011 auch rezeptfreie Arzneien an Patienten verschickt und vom Thurgauer Verwaltungsgericht den Rücken gestärkt bekommen. Dagegen erhoben das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic und der Apothekenverband Pharmasuisse Beschwerde und bekamen vor Bundesgericht Recht. Dieses argumentierte, der Versand von Arzneien bedürfe auch dann eines ärztlichen Rezepts, wenn die Mittel im stationären Handel rezeptfrei erhältlich seien. Zur Rose hatte sich über das Urteil enttäuscht gezeigt, aber 2016 in der Schweiz erneut von einer stabilen Entwicklung der Belieferung selbst dispensierender Ärzte profitiert.

Im Ausland, mit Deutschland als wichtigstem Markt, ist die Gruppe mit Doc Morris aktiv. Diese Marke steigerte den Umsatz 2016 um 10 Prozent auf 331 Millionen Euro. Dynamisch gewachsen ist vor allem der Versand rezeptfreier Arzneien. Mit diesen legte Doc Morris im Gesamtjahr um 50 Prozent auf über 100 Millionen Euro Umsatz zu und im Schlussquartal gar um 65 Prozent. Beim Versand rezeptpflichtiger Medikamente ist im Schlussquartal die Zahl der Neukunden erstmals seit dem sogenannten Bonusverbot wieder gestiegen. Dieses geht zurück auf Oktober 2012. Damals hatte die deutsche Regierung den Rezeptbonus für ausländische Versandapotheken gesetzlich verboten. Dies traf auch die in den Niederlanden ansässige Zur-Rose-Tochter Doc Morris, die deutschen Patienten Rabatte gewährt hatte, wenn sie ihre Rezepte bei der Versandapotheke einlösten.

Vergangenen Oktober kassierte der Europäische Gerichtshof (EuGH) sehr zum Ärger des deutschen Apothekerverbands das Bonusverbot, gegen das sich ein Patientenverband gewehrt hatte. Seither darf Doc Morris wieder Rabatte gewähren. Allerdings droht Zur Rose in Deutschland neues Unheil: Im Dezember hat Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) einen Gesetzesentwurf vorgelegt, um den Versand rezeptpflichtiger Medikamente ganz zu verbieten. Die Koalitionspartnerin SPD ist von diesem Plan wenig angetan. Applaus erhielt Gröhe dagegen von den Apotheken. Deren Markt ist stark reguliert. Punkto der vom deutschen Apothekerverband beschworenen Zukunftsangst verweist Zur-Rose-Chef Walter Oberhänsli auf die Schweiz, wo trotz Versandhandels kein Apothekensterben zu beobachten sei.