MEDIZIN: App erkennt Hautkrankheiten

Hautekzeme sind in der Schweiz weit verbreitet. Forscher der Hochschule Luzern wollen nun mit einer neuen Technologie Kontrollen der Haut beschleunigen.

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Die Informatikdozenten Marc Pouly (rechts) und Thomas Koller (links) haben dem Computer beigebracht, Ekzeme auf der Hand zu kennzeichnen. (Bild PD)

Die Informatikdozenten Marc Pouly (rechts) und Thomas Koller (links) haben dem Computer beigebracht, Ekzeme auf der Hand zu kennzeichnen. (Bild PD)

Maurizio Minetti

Die Kosten im Schweizer Gesundheitswesen steigen seit Jahren kontinuierlich. Über 70 Milliarden Franken lassen wir uns die gute Versorgung in der Schweiz pro Jahr kosten. Rezepte, wie diese Kosten langfristig gesenkt werden können, gibt es viele. Jetzt haben Forscher der Hochschule Luzern einen weiteren Beitrag geleistet: Sie haben eine Technologie entwickelt, die Hautuntersuchungen massiv beschleunigen könnte.

Hand in die Box

Wer heute zum Hautarzt geht, kennt die Prozedur: Der Arzt kann zwar relativ schnell feststellen, ob der Patient ein Ekzem wie etwa einen juckenden Ausschlag hat. Den Schweregrad objektiv zu quantifizieren, ist aber schwieriger. Davon hängt letztlich auch ab, welche Medikamente von den Kassen bezahlt werden. «Dieser Prozess könnte künftig mit unserer Technologie nur wenige Sekunden dauern», sagt Marc Pouly. Der Informatikdozent leitet zusammen mit dem Professor Thomas Koller das Projekt «Skin App» an der Hochschule Luzern.

Hautekzeme sind die dritthäufigste Berufskrankheit der Schweiz. Um diese Krankheiten zu erkennen, hat sich die Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit Fachärzten etwas Besonderes ausgedacht: eine Foto-Box, die in Arztpraxen stehen könnte. Damit können Patienten im Wartezimmer selbstständig ihre Hände fotografieren. Der Clou: Eine Software «lernt», die Struktur gesunder und an Ekzem erkrankter Haut zu unterscheiden. Der Computer markiert Ekzemflächen, übermittelt die Bilder auf den Computer des Arztes und unterstützt diesen in der Berechnung von medizinischen Kennzahlen wie dem Schweregrad der Erkrankung. Der Dermatologe überprüft den Befund und erhält eine Dokumentation der Entwicklung der Krankheit. Gemäss Pouly wird es mit der Technologie künftig auch möglich sein, nicht nur Hände, sondern auch andere Hautpartien zu untersuchen.

Zusammenarbeit mit Unternehmen

Parallel dazu soll eine Smartphone-App lanciert werden, die Patienten hilft, den richtigen Zeitpunkt für eine Behandlung zu erkennen. Die Applikation fürs Handy steht kurz vor der Marktreife. Insgesamt besteht das Projekt aus vier Teilen (siehe Box).

Die Hochschule Luzern arbeitet bereits seit 2012 an dem Projekt. «So etwas hat bisher noch niemand gemacht», sagt der Projektleiter. Zunächst hat das Team um die Informatikdozenten Marc Pouly und Thomas Koller einen Computer-Algorithmus entwickelt, welcher aus hochauflösenden Fotos die Struktur von gesunder und von Ekzem befallener Haut extrahiert und selbstständig zu unterscheiden lernt. Das ist die technische Grundlage für eine Vielzahl von möglichen Anwendungen. Die Software wurde mit massgebender Unterstützung von Studierenden der Hochschule ­Luzern entwickelt.

Vermarktung ab Sommer 2016

Das gesamte Projekt befindet sich derzeit im Übergang von der Grundlagenforschung zur Kommerzialisierung. Mit einem Hersteller medizinischer Software als Industriepartner soll bereits 2016 eine entsprechende Applikation zur Marktreife weiterentwickelt werden. «Mit weiteren Firmen, insbesondere aus der Pharma-Industrie, stehen wir in engem Kontakt», sagt Pouly. Namen will er keine nennen. Pouly erwartet, dass ein kommerzieller Partner das Produkt ab dem Sommer 2016 vermarkten wird.