Medtech-Firma Smith & Nephew baut 34 Stellen in Baar ab

Der Medizintechnikkonzern lagert seine Logistik aus. Davon ist auch der Standort Baar betroffen.

Christopher Gilb
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Das Schweizer Distributionszentrum von Smith & Nephew im Gewerbegebiet Neuhof in Baar.

Das Schweizer Distributionszentrum von Smith & Nephew im Gewerbegebiet Neuhof in Baar.

Bild: Stefan Kaiser (Baar, 12. Februar 2020)

Am 5. Februar fand bei der Schweizer Niederlassung von Smith & Nephew eine Mitarbeiterinformation statt. Informiert wurde über eine bevorstehende Massenentlassung, wie aus einem Schreiben hervorgeht, das unserer Zeitung vorliegt. Demnach hat der Mutterkonzern, Smith & Nephew plc mit Sitz in London und 16'000 Mitarbeitern weltweit, eine Konsolidierung im Distributionsbereich beschlossen. Die drei bisherigen Distributionszentren des Medizinaltechnikkonzerns in Neunkirchen Deutschland, Veghel in den Niederlanden und in Baar sollen geschlossen und die Logistik an Arvato Bertelsmann ausgelagert werden.

«Wir versprechen uns von der Konsolidierung und Auslagerung der Distributionszentren eine einfachere und effizientere globale Lieferkette», erklärt der Konzern den Schritt. Des Weiteren schreibt der Hersteller von Hüft- und Knie-Implantaten sowie unter anderem Produkten für die Wunderversorgung schwieriger Verletzungen: «Wir können uns dadurch besser auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren.» Und: «Gleichzeitig können wir von der Distributionserfahrung von Arvato Bertelsmann profitieren.» Bei Arvato Bertelsmann handelt es sich um ein weltweit tätiges Dienstleistungsunternehmen mit 68463 Mitarbeitern und Sitz im deutschen Gütersloh.

Sozialplan soll zum Zug kommen

Als Konsequenz der Schliessung wird für Baar die Entlassung von 34 Mitarbeitern angekündigt. 32 davon aus dem Distributionszentrum und zwei aus dem Büro. Ihre Arbeitsverhältnisse sollen im März 2020 je nach Mitarbeiter per 30. September oder per 31. Oktober gekündigt werden. Bis 21. Februar läuft noch ein Konsultationsverfahren, bei dem die Mitarbeiter Vorschläge unterbreiten können, «wie die Kündigungen vermieden oder deren Zahl beschränkt sowie ihre Folgen gemildert werden können», heisst es weiter im Schreiben. Zudem sei geplant, für «die von der Massenentlassung betroffenen Mitarbeiter» einen Sozialplan zu erlassen.

Informiert über die bevorstehende Massentlassung wurde auch das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zug. Dieses teilt auf Nachfrage mit, keine aktive Rolle im Konsultationsverfahren einzunehmen, sondern bei Bedarf mit dem RAV Hand zu bieten, für die betroffenen Angestellten eine Lösung zu finden. Das Distributionszentrum ist nicht die einzige Firmensparte von Smith & Nephew im Kanton Zug. Erst letztes Jahr wurde bekannt, dass das Europahauptquartier des Konzerns, das sich bis anhin ebenfalls in Baar befand, Anfang 2020 aufs Siemens-Areal in Zug umzieht (wir berichteten). Wie ein Sprecher des Unternehmens damals sagte, würden rund 90 Angestellte Anfang 2020 mit dem Umzug beginnen. Angesprochen auf das verbleibende Logistikzentrum sagte er im Oktober 2019, dass dieses weiterhin in Baar bleibe.

Gemäss dem Schreiben des Unternehmens arbeiten derzeit 108 Mitarbeiter bereits am neuen Hauptsitz in Zug, 319 Mitarbeiter am Standort Aarau, wo Hüft- und Knieimplantate für den weltweiten Verkauf produziert werden sowie 81 Mitarbeiter in Baar. Interessant ist also die Frage, was mit den anderen 47 Mitarbeitern in Baar passiert.

Ein Konzernsprecher von Smith & Nephew bestätigt auf Nachfrage lediglich Beratungen «über zukünftige Pläne für die globalen Vertriebsanforderungen in Europa» und dass 34 Mitarbeiter in Baar «möglicherweise» davon betroffen seien. Es werde erwartet, dass alle anderen Mitarbeiter in Baar bleiben oder zum Standort nach Zug umziehen könnten.