Medtech-Firma zieht mit 130 Angestellten nach Zug

Zimmer Biomet verlegt bis Ende Jahr den Europa-Hauptsitz in die Stadt Zug. Angelockt haben den Implantate-Hersteller das attraktive Branchen-Umfeld – und die tiefen Steuern.

Maurizio Minetti
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Zimmer Biomet stellt Implantate her.

Zimmer Biomet stellt Implantate her.

PD

Der Medizintechnik-Cluster Zug ist bald um eine weitere Firma reicher. Der amerikanische Implantate-Hersteller Zimmer Biomet verlegt seinen Hauptsitz für die Region EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika) von Winterthur nach Zug. «Wir haben Räumlichkeiten in fussläufiger Distanz zum Bahnhof Zug angemietet, die nun bezugsfertig gemacht werden», sagt eine Firmensprecherin auf Anfrage.

Geplant sei, dass bis zu 130 Mitarbeitende – darunter viele Führungskräfte – aufgefordert werden, bis Ende dieses Jahres ihren Arbeitsplatz von Winterthur nach Zug zu verlegen. Der Zeitplan ist allerdings noch nicht in Stein gemeisselt, weil derzeit noch eine Konsultationsphase läuft. Der Grossteil der Beschäftigten bleibt weiterhin in der Eulachstadt stationiert, wo das börsenkotierte Unternehmen eine der weltweit grössten Produktionsstätten mit rund tausend Angestellten betreibt. «Wir haben in Winterthur über die vergangenen Jahrzehnte einen starken und erfolgreichen Fertigungsstandort etabliert. Zimmer Biomet hält am Standort Winterthur und am Standort Schweiz im Allgemeinen weiterhin fest», betont EMEA-Chef Didier Deltort in einer Mitteilung.

Aus einem Sulzer-Teil entstanden

Zimmer Biomet setzt mit weltweit über 18'000 Angestellten pro Jahr rund 8 Milliarden Dollar um. Die EMEA-Zentrale in Winterthur ging aus Centerpulse hervor, einem Spin-off von Sulzer Medica. Zimmer hatte diese Firma 2003 übernommen. 2015 übernahm Zimmer dann den Mitbewerber Biomet, für den sich zuvor auch die Mitbewerber Smith & Nephew und Johnson & Johnson interessiert hatten. All diese Firmen verfügen heute über namhafte Standorte in Zug. Dieser Cluster war denn auch ein wesentlicher Grund für Zimmer Biomet, Zug als neuen Standort auszuwählen, wie die Firmensprecherin sagt.

Der Kanton Zug biete zahlreiche Vorteile und sei für Talente in der Medtech-Branche sehr attraktiv, sagt die Firmensprecherin: «Er ist bekannt als ein Zentrum für die Pharma- und Medizinaltechnikindustrie, das hochqualifizierte Arbeitskräfte aus aller Welt anzieht. Wir gehen davon aus, dass die Zimmer-Biomet-Organisation dort von einem positiven ökonomischen Geschäftsumfeld profitieren wird.» Man habe davor auch andere Standorte evaluiert, auch ausserhalb der Schweiz.

«Zweistelliger Millionenbetrag» an Steuern

Wie aus dem Umfeld der Zuger Wirtschaftsförderung zu hören ist, haben sich die Verantwortlichen in Zug nicht aktiv um die Ansiedlung bemüht, da es sich um eine Umsiedlung innerhalb der Schweiz handelt. Zimmer Biomet sei von sich aus aktiv geworden. Die Cluster-Situation dürfte bei der Standortwahl sicher eine grosse Rolle gespielt haben, aber auch die steuerliche Situation. Tatsächlich wird Zug dieses Jahr nach der Umsetzung der schweizweiten Steuerreform wieder auf dem Spitzenplatz stehen im schweizweiten Kantonsvergleich. Während Zug seine Gewinnsteuern auf rund 12 Prozent gesenkt hat, bleibt Zürich selbst mit der für nächstes Jahr geplanten Senkung auf 19,7 Prozent steuertechnisch auf den hintersten Rängen im schweizweiten Vergleich.

Für Zürcher Standortförderer und Politiker ist denn auch klar, dass die Zuger Steuervorteile ausschlaggebend gewesen sind. «Vor so einem Szenario habe ich im Zusammenhang der Steuervorlagen gewarnt», sagte der Winterthurer Stadtpräsident Michael Künzle dem «Landboten».

Wie viele Steuern Zimmer Biomet in Zug abliefern wird, ist nicht genau bekannt. Die Zuger Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann-Gut äussert sich unter Berufung auf das Steuergeheimnis nicht dazu. Laut dem «Landboten» sprach das Unternehmen vor drei Jahren während des Abstimmungskampfes um die Unternehmenssteuerreform III von einem «zweistelligen Millionenbetrag.» Schon damals hatte die Firma mit einem Wegzug kokettiert.

Hinzu kommt, dass mit dem Umzug der EMEA-Zentrale wahrscheinlich auch viele Topverdiener nach Zug ziehen werden. Bei einem Jahreseinkommen von 180'000 Franken und einem Vermögen von einer Million Franken liessen sich in der Stadt Zug für eine verheiratete Person im Vergleich mit Winterthur über 10'000 Franken Steuern sparen pro Jahr, rechnete der «Landbote» vor.