MEGGEN: Hirslanden kauft Swissana

Kleine Privatkliniken haben es schwer im Schweizer Gesundheitsmarkt. Die Klinik Swissana in Meggen suchte deshalb lange einen Käufer. Den Zuschlag erhielt jetzt die Zürcher Hirslanden-Gruppe.

Bernard Marks
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Die Übernahme ist perfekt: Hirslanden-Chef Ole Wiesinger (links) mit Jost Barmettler, Klinikleiter von Swissana, gestern vor dem Haupteingang der Privatklinik in Meggen. (Bild Dominik Wunderli)

Die Übernahme ist perfekt: Hirslanden-Chef Ole Wiesinger (links) mit Jost Barmettler, Klinikleiter von Swissana, gestern vor dem Haupteingang der Privatklinik in Meggen. (Bild Dominik Wunderli)

Die 70 Mitarbeiter der Privatklinik Swissana hielten gestern Mittag den Atem an. Denn hoher Besuch aus Zürich hatte sich angekündigt. Ole Wiesinger, CEO der Hirslanden-Gruppe, sowie der Präsident des Verwaltungsrates der Swissana, Heinz P. Barandun, waren nach Meggen angereist. Zusammen wollten sie über den geplanten Verkauf des kleinen Privatspitals informieren. «Wir waren unsicher, was uns erwarten würde», sagte eine Mitarbeiterin. Manchmal sei die Auslastung des Hauses nicht optimal gewesen. Zweifel am Erhalt der Arbeitsplätze waren demnach nicht unangebracht.

Doch Wiesinger wirkte zufrieden. Froh über seine neueste Errungenschaft, konnte er schnell die Ängste der Angestellten zerstreuen. «Alle Mitarbeiter werden übernommen, niemand muss um seinen Arbeitsplatz fürchten», sagte Wiesinger. Eine gute Nachricht für die Swissana Clinic AG und ebenso gut für Hirslanden. Denn die Spitalgruppe, die zu 100 Prozent zur südafrikanischen Spitalgruppe Mediclinic International gehört, will wachsen.

Hirslanden auf Einkaufstour

Der Markt für Schweizer Privatanbieter für Spitalleistungen ist in Bewegung. Rund 38 373 Betten gibt es in Schweizer Spitälern. Davon werden rund 20 Prozent oder 8550 Betten in Privatkliniken angeboten. Doch die Konkurrenz unter Privatkliniken ist gross. 101 Häuser sind derzeit im Verband Schweizer Privatkliniken organisiert. Vor allem grösseren Spitalgruppen wie Hirslanden gelingt es derzeit zu expandieren. «Die kleinen Häuser leiden jedoch unter einem zunehmenden Spardruck und unter den immer strengeren Regulierungen aus Bern», sagte Jost Barmettler, Klinikleiter und Geschäftsführer der Swissana Clinic AG, gestern in Meggen. Immer mehr Schweizer Privatkliniken landen so auf der Einkaufsliste grosser Spitalgruppen.

Rastlos hatte zum Beispiel die von Aevis kontrollierte Klinikgruppe Genolier Swiss Medical Network (GSMN) in den vergangenen Jahren Schweizer Privatspitäler aufgekauft. Insgesamt waren es seit 2010 zehn Kliniken, einschliesslich einer Minderheitsbeteiligung an der Zürcher Klinik Pyramide am See. Marktführer Hirslanden dagegen stand bis auf eine Akquisition der Klinik Stephanshorn in St. Gallen bisher etwas im Abseits. Nun ist die Spitalgruppe geradezu auf Einkaufstour. Die Übernahme von Swissana ist bereits die zweite Akquisition, die Hirslanden innert weniger Tage bekannt gegeben hat. Vergangene Woche hatte der Konzern die in Genf domizilierte Clinique La Colline mit rund 240 Angestellten sowie 360 Belegärzten für rund 130 Millionen Franken erworben und damit seinen Marktanteil in der Westschweiz ausgebaut. In der Romandie war die Hirslanden-Gruppe bisher mit zwei Kliniken in Lausanne vertreten.

«Mit dem Kauf der Megger Privatklinik Swissana kann Hirslanden ihre Präsenz in der Zentralschweiz deutlich ausbauen», sagte Wiesinger. Sie ist neben der Klinik St. Anna in Luzern und der Andreas-Klinik in Cham die dritte Hirslanden-Klinik in der Region. Auf den 8. August ist die Übernahme der Swissana in die Hirslanden-Gruppe geplant.

Drei moderne Operationssäle

Die Klinik in Meggen liegt nur zehn Autominuten vom Luzerner Stadtzentrum entfernt und ist mit drei modernen Operationssälen ausgestattet. Swissana hat 22 Betten mit Hotelkomfort im stationären Bereich und eine Tagesklinik mit 11 Betten. Der Privatklinik ist ein Ambulatorium für Dermatologie und Lasermedizin sowie eine Praxis für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) angegliedert.

Trotzdem gibt es Investitionsbedarf: «Wir haben zwar regelmässig investiert, doch es wird als kleines Haus schwerer, langfristig zu überleben», sagt Klinikleiter Barmettler weiter. Die Zürcher Investorengruppe, die bisher hinter der Megger Klinik stand, kam deshalb vor geraumer Zeit überein, das Haus zu verkaufen. «Um die Arbeit der 40 Belegärzte und die Arbeitsplätze langfristig zu sichern, haben wir einen starken Partner gesucht», sagt Barandun. «Das Kaufinteresse an der Klinik war gross», sagt Barandun. Am Ende erhielt Hirslanden aber den Zuschlag. Mit dem Verkauf an die Zürcher werden auch Gelder für anstehende Investitionen gesprochen. «Wir investieren jedes Jahr 120 bis 140 Millionen Franken in unsere Häuser, davon wird auch Swissana profitieren», sagte Wiesinger.

Synergien mit Klinik St. Anna

Die Swissana nahm im Jahr 1995 den Betrieb auf. Mit dem Kauf will Hirslanden Synergien zwischen der Klinik St. An­na und Swissana nutzen. «Unser Ziel ist eine Zusammenarbeit der beiden Kliniken», sagt Konzernchef Ole Wiesinger. Nicht jede Operation müsse in Zu­kunft im St. Anna durchgeführt werden. Zudem sollen beide Häuser von Gruppenvorteilen wie zum Beispiel ei­nem günstigen Einkauf von Material und Lebensmitteln profitieren. Auch werde das System der Belegärzte gestärkt.

Gutes Geschäftsjahr für Hirslanden

sda. Die Privatklinikgruppe Hirslanden ist im Geschäftsjahr 2013/14 deutlich gewachsen. Insgesamt wurden 87 248 Patientinnen und Patienten behandelt. Das sind 6 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Der Umsatz stieg um 9 Prozent auf 1,437 Milliarden Franken.