Innerschweizer Kantone: Mehr Geld für den Tourismus

Die Innerschweizer Kantone lassen sich die touristische Vermarktung mehr kosten. Und sie stellen Forderungen.

Rainer Rickenbach
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Touristen am Schwanenplatz in der Stadt Luzern.

Touristen am Schwanenplatz in der Stadt Luzern.

Bild: Boris Bürgisser (4. September 2018)

Die Ferienregion Luzern-Vierwaldstättersee ist eine von Tausenden anderen Touristenmagneten. Wer in diesem Geschäft erfolgreich sein will, muss etwas zu bieten haben, gut organisiert sein und möglichst alle Marketingkanäle für sich nutzen.

Für die Innerschweizer Kantone sorgt die Luzern Tourismus AG dafür, auf dem umkämpften weltweiten Tourismusmarkt Wahrnehmung einzuheimsen. Insgesamt lassen sich die zusammenarbeitenden Kantone für die Jahre 2020 bis 2023 ihr Engagement 590'000 Franken kosten. Das sind 64 Prozent mehr als im vorherigen Vertrag. Der grösste Anteil zur finanziellen Unterstützung entfällt mit jährlich 285'000 Franken auf den bedeutendsten Tourismuskanton der Region, auf Luzern.

Wie Recherchen unserer Zeitung ergeben, folgen danach Schwyz (108'000 Franken), Obwalden (87'000 Franken), Uri (58'000 Franken) und Nidwalden (52'000 Franken). Zug ist bei Luzern Tourismus nicht dabei.

Mass­gebend für den Verteilschlüssel sind die Wirtschaftskraft und die Anzahl Logier­nächte. «Die Erlebnisregion Luzern-Vierwaldstättersee hat sich in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gut entwickelt und gilt mit ihrer kantonsübergreifenden Struktur in der Schweiz als Beispiel für ein komplexes, aber erfolgreiches und gut funktionierendes Destinationsmanagement», begründen die Kantonsregierungen den Support.

Buchungen verlagern sich weiter in digitale Kanäle

Fast 600'000 Franken sind viel Geld. Luzern Tourismus kann es brauchen, denn es ist auf den digitalen Kanälen schwierig, im Schatten von Plattformgiganten wie Booking.com oder Tripadvisor die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Kommt hinzu, dass sich die neue Technologie nicht geduldsfördernd auswirkt. Als Folge davon gehen die herkömmlichen Billettverkäufe an den Kassen massiv zurück. «Die Gäste entscheiden immer kurzfristiger, ob sie zum Beispiel eine Theateraufführung oder sonst einen Anlass besuchen wollen. Bestellen sie ihre Eintrittskarten über einen auswärtigen Ticketverkäufer, geht bei uns Wertschöpfung verloren. Darauf müssen wir reagieren», sagt der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren.

Die Luzern Tourismus AG hat mit einem Zusammenarbeitsvertrag ihre Aufgaben geregelt, und die Kantone verpflichten sich darin, die Marketingorganisation finanziell zu unterstützen. Zudem sind die Aufgaben zwischen der Stadt Luzern und den Teilregionen wie Engelberg, Weggis oder Sörenberg darin geregelt. Die ­beteiligten Kantone haben den Vertrag nun neu überarbeitet und ihn am Dienstag veröffentlicht.

Die Zahlungen sind mit Forderungen verbunden: Die Kantone Luzern, Schwyz, Uri sowie Ob- und Nidwalden beauftragen in der Vereinbarung Luzern Tourismus, mittelfristig mehr Anreize zu schaffen, dass die ­Feriengäste länger in der Innerschweiz verweilen und die Wertschöpfung beim Tages- und Übernachtungstourismus steigt. Die Luzern Tourismus AG verstärkt zudem ihre Marketinganstrengungen und entwickelt ihr Digitalangebot weiter.

Wie viel Stadt und Kanton Luzern investieren

Die Tourismuspromotoren der Kantone und Gemeinden erhalten zusätzliche Mittel, die nicht Teil der Vereinbarung zwischen den Zentralschweizer Kantonen sind. Der Kanton Luzern zum Beispiel unterstützt seine Tourismusorte mit mehr als 1,85 Millionen, und die Stadt hilft der Vermarktungsorganisation Luzern Tourismus mit 550'000 Franken – 90'000 Franken davon sind Kongressbeiträge.

Die viel grösseren Einnahmequellen bilden indes die Kurtaxen mit 3,2 Millionen Franken und die 6,3 Millionen der Aktionäre von Luzern Tourismus (Hotels, Bahnen, Transportunternehmen usw.) sowie Partner.

Es handelt sich freilich um Investitionen in einen der wichtigsten und stark gewachsenen Wirtschaftszweige. Die Hotels, Schmuck- und Uhrenläden, Bergbahnen, Schifffahrtsunternehmen und von Touristen ­frequentierten Gastrobetriebe lösten vor vier Jahren gemäss einer Studie eine Wertschöpfung von rund 1 Milliarde Franken im Kanton Luzern aus und sind für mehr als 11'000 Arbeitsplätze verantwortlich. Perren:

«Das Wachstum setzte sich seither fort, die Wertschöpfung dürfte heute um einen Fünftel höher, bei 1,2 Milliarden Franken, liegen.»

Dieses Jahr schwächte sich das Wachstum aber etwas ab. Konkrete Zahlen für das Jahr 2019 liegen noch nicht vor.