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Interview

Emmi-CEO: «Wir können uns im Softdrink-Markt mit den ganz Grossen messen»

Trotz Futterknappheit rechnet Emmi-CEO Urs Riedener mit mehr Milch. Sollte das Angebot sinken, seien höhere Milchpreise denkbar. Die Absatzmärkte der Molkerei entwickeln sich unterschiedlich.
Raphael Bühlmann
Emmi-CEO Urs Riedener am Hauptsitz in Luzern. (Bild: Pius Amrein, 23. August 2017)

Emmi-CEO Urs Riedener am Hauptsitz in Luzern. (Bild: Pius Amrein, 23. August 2017)

Urs Riedener, mutiert Emmi in der Schweiz zum Getränkehersteller?

Nein. Wir verzeichnen aber steigende Umsatzzahlen bei den Milchmischgetränken, die wesentlich dazu beitragen, dass wir auch auf dem Heimmarkt unter dem Strich ein Umsatzplus fürs erste Halbjahr in den Büchern haben. So ist beispielsweise in Ostermundigen dieser Tage der einhundertmillionste Caffè Latte in diesem Jahr vom Band gerollt.

Durch diesen Erfolg hat Emmi mittlerweile Rivella vom Platz drei der Softdrink-Anbieter im Detailhandel verdrängt. Besteht in dem Geschäftsfeld weiteres Entwicklungspotenzial?

Der Vergleich zeigt in erster Linie die Bedeutung von Caffè Latte oder Energy Milk. Wir können und dürfen uns hier an den ganz grossen Marken messen.

Die Schweizer Umsätze mit Käse sanken hingegen im Vergleich zum Vorhalbjahr um 10 Millionen Franken. Geht der Rückgang auf Kosten von Volumen oder Preis?

Der Rückgang ist teilweise mit dem Verkauf eines Teils des Handelswarengeschäfts an Coop begründet. Entsprechende Effekte sind in den Segmenten Käse, Frischkäse sowie Übrige Produkte/Dienstleistungen zu finden. Tatsache ist aber auch, dass wir im Vergleich zum guten ersten Halbjahr 2017 im Inland weniger Käse verkauft haben.

In den vergangenen Jahren harzte vor allem der Abverkauf von Käse mit geschützter Ursprungsbezeichnung, der Appellation d’Origine Protégée (AOP). Setzt sich der Trend fort?

In der Schweiz ja. Die Importe in die Schweiz haben im ersten Halbjahr um drei Prozent zugenommen, ohne dass der Konsum Schritt hält. Das Resultat bekommen wir entsprechend als Preisdruck zu spüren. Diese Verluste konnten wir aber zumindest mengenmässig im Export kompensieren. Unter dem Strich steigt unser Verkauf von Schweizer AOP-Käse.

Wie geschmiert läuft das Käsegeschäft in den USA. Dies führt gar dazu, dass der Greyerzer den Emmentaler als meistexportierten Käse der Schweiz ablösen wird. Haben Sie die Amerikaner auf den Gruyère-Geschmack gebracht?

Tatsächlich ist Emmi massgeblicher Treiber hinter der Entwicklung. Dank der strategischen Akquisitionen der letzten Jahre haben wir ein stabiles Verkaufsnetz aufbauen können. Über diese Kanäle laufen nun auch die Exporte aus der Schweiz.

Aber beim Emmentaler harzt es?

Der Emmentaler unterliegt in den USA einer stärkeren inländischen Konkurrenz. Es gibt sehr viele US-Produzenten die einen «Swiss Cheese» herstellen und unseren Emmentaler konkurrieren. Die Zahlen für Emmentaler sind insgesamt besser als auch schon.

Das stärkste geschäftliche Umsatzplus verzeichnet Emmi im ersten Halbjahr aber in Europa.

In Europa vergleichen wir die Zahlen mit einem schwachen Halbjahr 2017. Zudem entwickelten sich die Währungskurse positiv. Aber auch Neulistungen bei Caffè Latte mit zweistelligen ­Zuwachsraten oder strategische Investitionen wie das Dessert-Geschäft in Italien oder die Ziegenmilchprodukte in den Niederlanden trugen zum Erfolg bei. In Europa werden wir auch in Zukunft vor allem auf Nischenmärkte setzen.

Im Ausblick für das Gesamtjahr rechnen Sie mit einer Abflachung der Wachstumskurve?

Die Wachstumsraten, welche wir im zweiten Halbjahr 2017 verzeichnet haben, werden wir kaum erreichen.

Gemäss dem Dachverband der Schweizer Milchproduzenten (SMP) sind die Milcheinlieferungen jüngst deutlich gesunken, dies infolge der prekären Futterversorgung und hohen Temperaturen. Rechnen Sie nicht mit einem Versorgungsengpass?

Im gesamten ersten Halbjahr stiegen die Einlieferungen bei uns im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent. Für das zweite Halbjahr rechnen wir mit Minderlieferungen von bis zu 2 Prozent. Wir werden im laufenden Jahr somit insgesamt mehr Milch verarbeiten als 2017.

Was halten Sie von der Forderung des Bauernverbandes für eines Solidaritätsbeitrags wegen der Trockenheit?

Wir haben Sympathie für diverse Massnahmen. Abzuwarten bleibt, wie sich das Wetter noch entwickeln wird und wie viel Futter effektiv an Lager ist. Dass politisch sofort Forderungen gestellt werden, ist klar. Wichtig aber wird sein, dass die ganze Branche die Lage fortlaufend beurteilt.

Gleicher Meinung scheint der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) zu sein, in welchem Sie ebenfalls vertreten sind. Das Gremium hat davon abgesehen, den A-Richtpreis für Molkereimilch anzuheben. Dabei seien die Markteinschätzung von den Vorstandsmitgliedern fundamental unterschiedlich eingeschätzt worden.

Mit dem Entscheid hat sich die BOM zu den Marktmechanismen bekannt. Sollte das Milchangebot in den kommenden Wochen tatsächlich sinken, wird man den Preis noch einmal diskutieren müssen. Emmi hat nur eine von 19 Stimmen. Alle Mitglieder tragen den Entscheid solidarisch.

Auch hat die BOM den Grundsatzentscheid gefällt, einen einheitlichen Branchenstandard für Nachhaltige Schweizer Milch einzuführen. Migros lanciert ebenfalls bereits auf Anfang 2019 neue Kriterien. Emmi hat bereits vor Jahren angekündigt, die Produktionsricht­linien zu erhöhen, stiess bei ihren Produzenten und Mehrheitseignern aber auf Widerstand. Nun werden sie rechts überholt.

Dem kann ich nicht widersprechen. Unser Ziel war es, in der Sache vorauszugehen und das Thema Nachhaltigkeit mitzuprägen. Das wollte man nicht. Nun werden von verschiedener Seite unterschiedliche Ansprüche gestellt. Es besteht die Gefahr, dass man am Schluss zehn Programme hat, die grossen Aufwand verursachen und von keinem verstanden werden.

Zeigen eigentlich die Milchpackungen der Emmi Kühe mit Hörner?

Die Hornkuh-Initiative ist sympathisch. Das Thema Nachhaltigkeit als Ganzes ist uns aber wichtiger.

Über die Hörner stimmt die Schweiz im ­November ab. Bereits im September befinden wir über Fair-Food- und Ernährungs­souveränitäts-Initiative.

Die Initiativen sind sicher gut gemeint, führen aber zu noch mehr Regulierung in der Land- und Ernährungswirtschaft. Dabei kämpft die Branche selbst seit Jahren für eine Entkoppelung von der Politik. Sicher ist, dass eine Annahme der Initiativen das Sortiment schmälern und die Preise für die Konsumenten erhöhen würde. Jemand muss für die zusätzliche Bürokratie bezahlen. Es besteht zudem die Gefahr, dass der Einkaufstourismus wieder zunehmen würde. Die Konsumenten lassen sich nicht bevormunden, ihnen steht heute – Markt sei Dank – eine grosse Auswahl von Nahrungsmitteln mit diversen Nachhaltigkeitsstandards zur Auswahl.

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