Mehr Stress für Jüngere und Ältere auf dem Arbeitsmarkt

Vor allem 15- bis 24-Jährige und über 50-Jährige geraten in der angespannten Wirtschaftslage stärker unter Druck.

Daniel Zulauf
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Nicht alle arbeitslosen sind bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum als solche gemeldet. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Nicht alle arbeitslosen sind bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum als solche gemeldet. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Gaetan Bally / KEYSTONE

Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz hat im August zugenommen. 151'111 Personen waren in dem Monat bei einem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum als arbeitslos registriert. Im Vergleich zum Vormonat Juli ergibt sich eine Zunahme der Arbeitslosenquote von 3,2 auf 3,3 Prozent.

Die negativen Veränderungsraten zeigen sich primär an den Rändern des Arbeitsmarktes, wie sich aus der aktuellen Monatsstatistik des Staatssekretariates für Wirtschaft (Seco) unschwer herauslesen lässt.

Keine überraschende Entwicklung

So hat sich die Zahl der Arbeitslosen im Alter von 15 bis 24 Jahren im Berichtsmonat um 13,7 Prozent auf 20'341 Personen erhöht, während die Quote in den Altersklassen 25 bis 49 Jahre um 0,6 Prozent auf 90821 Personen gesunken ist. Im höheren Alter (50-64) nimmt die Arbeitslosigkeit dann wieder leicht zu.

Diese Entwicklung war bereits in der Arbeitskräfteerhebung des Bundesamtes für Statistik im zweiten Quartal vorauszusehen. In der im Augst veröffentlichten Statistik wurde ein Rückgang der Erwerbstätigen (erwerbsfähige Personen, die einen Arbeitsplatz besetzen) um 1,6 Prozent registriert. Das war der stärkste Rückgang seit 1993.

Viele Lehrabgänger ohne Job

Stark überproportional nahmen in dem Quartal die Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 24 Jahren (-7,7 Prozent), wie auch die im Alter von über 65 Jahren (-10,1 Prozent) ab. Die Vermutung, dass viele Junge im Frühjahr keine Lehrstelle oder keinen ersten Job nach der Ausbildung antreten konnten, wird durch die aktuelle Statistik des Seco bestätigt. Die Statistik zeigt, dass die Arbeitslosenquote im August bei den 15- bis 19-jährigen weit stärker als bei den 20- bis 24-jährigen gestiegen ist. Bemerkenswert ist auch die Beobachtung, dass die die jungen Frauen von der Verschlechterung der Lage deutlich stärker betroffen sind als die jungen Männer.

Die Zahlen des Bundesamt für Statistik weckte zudem den Verdacht, dass viele über 65-jährige im Zug der Krise ihre Teilzeitanstellung verloren haben. Die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Alter war im zweiten Quartal um 10,1 Prozent zurückgegangen. Die nun vorliegende Arbeitslosenquote in dieser Bevölkerungsgruppe für den Monat August zeigt zwar ebenfalls eine überdurchschnittliche Zunahme (+1,8 Prozent), dies aber auf der Grundlage einer sehr kleinen, statistisch nicht mehr relevanten, Grundgesamtheit.

Die stark rückläufige Zahl von Erwerbstätigen in der Schweiz nährt dennoch die generelle Vermutung, dass viele Menschen, die ihre Erwerbstätigkeit im Zug der Krise aufgegeben haben, keine Arbeitslosenentschädigung mehr beanspruchen und sich mindestens vorübergehend aus dem Arbeitsmarkt zurückgezogen haben.

Erwerbslosigkeit im Ausland teilweise rückläufig

In den Ländern, die der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angehören, hat die Erwerbslosenquote im Juli von 8 Prozent auf 7,7 Prozent abgenommen. Im Unterschied zur Arbeitslosenquote des Seco wird die Erwerbslosenquote nach Definition der International Organisation für Arbeit (ILO) durch Befragung von erwerbsfähigen Personen ermittelt, die für eine Arbeit verfügbar wären, aber in den letzten Wochen keine Beschäftigung gefunden haben.

In der Schweiz wird die Erwerbslosenquote nur quartalsweise erhoben. Sie lag im zweiten Quartal 2020 bei 4,9 Prozent und damit höher als beispielsweise in Deutschland (4,2 Prozent). In Deutschland ist die Erwerbslosenquote im Juli auf 4,4 Prozent gestiegen. In Ländern wie den USA, wo die Arbeitslosigkeit im Frühling stark gestiegen war, ist die Quote im Juli dagegen deutlich zurückgegangen.

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