Glosse

Meisterdiebin raubt ungestraft Schweizerische Nationalbank aus

Ungewöhnlicher «Angriff» auf die SNB.

Roman Schenkel
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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) in kriminelle Machenschaften verwickelt? Das könnte der gemeine Netflix-Zuschauer glauben, der sich – mit seinen Kindern natürlich – die Mitte Januar gestartete Animationsfilm-Serie «Carmen Sandiego» reinzieht. Die Serie dreht sich um eine Meisterdiebin, die für das Gute kämpft. Dabei steht sie einer internationalen Organisation von Kriminellen gegenüber, deren Ableger die Meisterdiebin mit Vorliebe ausraubt.

In Episode zwei werden einige dieser Institutionen aufgezählt, darunter auch eine Bank in der Schweiz. Eingeblendet wird dabei die Eingangspforte des Berner Hauptsitzes der Schweizerischen Nationalbank samt Schriftzug. Ups! Skandal! Verklagt die auf ihr properes Image bedachte Nationalbank nun den Streamingdienst Netflix? Muss die Szene neu geschnitten werden? Wird der Eurokurs auf die Klage reagieren? Doch die journalistischen Hoffnungen bleiben ebenso Fiktion wie die Zeichentrickserie. «In diesem Fall drängt sich eine Intervention der SNB nicht auf», lässt ein SNB-Sprecher die Artikelidee platzen. Carmen Sandiego darf unbehelligt die SNB ausrauben.

Die wirklichen Interventionen, die behält sich die Nationalbank sowieso für den Euro-Franken-Kurs auf.