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Kolumne

Philosophie-Studium ist mentales Fitnessprogramm

Die Philosophin Magdalena Hoffmann erklärt in ihrer Kolumne, wieso Philosophiekenntnisse im Wirtschaftsalltag nützlich sein können.
Magdalena Hoffmann
Philosophin Magdalena Hoffmann.

Philosophin Magdalena Hoffmann.

«Philosophie studieren ist für den Geist, was das Fitness­studio für den Körper leistet.» – so die in Harvard lehrende Philosophieprofessorin Alison Simmons in einem Artikel der «NZZ» zum Boom des Philosophiestudiums in den USA. An diesem Zitat habe ich als Leiterin eines Weiterbildungsstudiengangs, der Führungskräfte an die Philosophie heranführt, natürlich meine helle Freude: Was für ein treffender Vergleich! Treffend, weil die Philosophie, neben ihrer reichen Geschichte und ihren faszinierenden Inhalten, seit jeher eine methodische Ausbildung beinhaltet, die den Geist auf vielfältige Art und Weise herausfordert und trainiert – manchmal bis zum Muskelkater. Dieses mentale Fitnessprogramm, das auch in der Wirtschaft auf immer mehr Interesse stösst, lässt sich grob als «Triple A» zusammenfassen: Analyse, Abstraktion, Argumentation. Die Analyse ist schon seit der Antike das Herz philosophischer Methodik. Platons Dialoge mit ihrem fragenden Sokrates sind ein wunderbares Beispiel dafür, was es bedeutet, Begriffe und Konzepte akribisch zu untersuchen und sie in ihre einzelnen Bestandteile zu zerlegen. Dabei entlarvt der hartnäckige Sokrates immer wieder aufs Neue das unpräzise Denken und den ungenauen Sprachgebrauch seiner Zeit­genossen – ein Ärgernis, das bis heute anhält. Nicht wenige Debatten scheitern, weil die Teilnehmenden aneinander vorbeireden, indem sie etwa einen Begriff wie Gerechtigkeit unterschiedlich anwenden. Das auf Anhieb zu erkennen, ist eine Frage der richtigen mentalen Technik beziehungsweise der präzisen Begriffsanalyse.

Oft erliegen wir dem Charme eigener Gedankengänge und sind dann überrascht, wenn andere unsere Meinung nicht teilen. Fehlende kognitive Beweglichkeit verhindert, dass wir unseren Standpunkt verlassen und einen Perspektivwechsel vornehmen – sei es, indem wir bewusst eine Gegenposition anprobieren, sei es indem wir einen übergeordneten Standpunkt einnehmen. Die Philosophie kennt zahlreiche Figuren und Gedankenexperimente, die uns eine solche abstrahierende Meta-Perspektive abverlangen. Damit fördert sie unsere mentale Flexibilität und eröffnet eine vielversprechende Form der Problemlösung, dank der wir das Ganze im Auge behalten anstatt uns in Details zu verlieren. Die Argumentationslehre ist quasi das Krafttraining im mentalen Fitnessprogramm. Das Ringen um das bessere Argument ist Kennzeichen jeder starken philosophischen Diskussion. Ein solches Ringen impliziert, dass es unstrittige Qualitätskriterien für Argumente gibt wie Stringenz und Treffsicherheit. Diesen Kriterien gerecht zu werden und zugleich fehlerhafte Argumente, die auf dem ersten Blick gut und schlüssig erscheinen, zu identifizieren und zurückzuweisen – dafür braucht es einen darin geübten Geist und eine hohe mentale Präsenz.

Angesichts dieses geistigen Fitnessprogramms, das begriffliche Präzision, kognitive Beweglichkeit und mentale Präsenz trainiert, verwundert es weit weniger, dass die US-Wirtschaft zunehmend Gefallen an Absolventinnen und Absolventen der Philosophie findet. Schliesslich handelt es sich dabei um universell anwendbare Fähigkeiten, die zukünftig noch an Bedeutung gewinnen dürften. Einzelne Unternehmen heuern bereits sogenannte Chief Philosophy Officers an, welche die Unternehmen z. B. im Hinblick auf ihre Geschäftsstrategie beraten. Es gilt abzuwarten, ob es sich bei der Schaffung solcher Posten nur um einen kurzlebigen Trend handelt oder ob die entsprechenden Stellen tatsächlich mit viel Einfluss und Gestaltungsspielraum ausgestattet werden. Als «Feigenblatt» in der Geschäftsleitung sind Philosophinnen und Philo­sophen jedenfalls denkbar ungeeignet. Denn das hat schon Sokrates gezeigt: Unbequemlichkeit ist eine weitere Eigenschaft, die die Philosophie fördert.

Magdalena Hoffmann ist promovierte Philosophin und seit 2014 Studienleiterin des Weiterbildungsstudiengangs «Philosophie + Management» an der Universität Luzern.

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