MIETEN: Teures Pflaster Luzern

Nur in Zürich sind die Angebotsmieten für eine Dreizimmerwohnung noch teurer. In der Deutschschweiz liegt Luzern auf Platz 2.

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In Luzern sind die Mietwohnungen teuer. (Symbolbild Neue LZ)

In Luzern sind die Mietwohnungen teuer. (Symbolbild Neue LZ)

Mit Angebotsmieten sind die Wohnpreise gemeint, die in den Zeitungen und im Internet inseriert sind. Der Internet-Vergleichsdienst Comparis hat diese in den 15 grössten Städten der Deutsch- und Westschweiz miteinander verglichen.

Am teuersten kommt eine Drei- bis Dreieinhalbzimmerwohnung in Zürich zu stehen. Die Angebotsmieten für diese Grössenordnung kosten im Wirtschaftszentrum der Schweiz durchschnittlich 2432 Franken. Danach folgen Genf und Lausanne – im Kantonshauptort der Waadt liegt die Durchschnittsmiete indes nur geringfügig über Luzern. Die Innerschweizer Metropole ist beim Comparis-Vergleich mit dem Durchschnittswert von 1803 Franken die zweitteuerste Stadt für Wohnungssuchende in der deutschsprachigen Schweiz. Basel, Bern und St. Gallen sind in der Comparis-Rangliste deutlich günstiger als Luzern.

Im Sog von Zürich

Die Ursache für das hohe Niveau der Angebotsmieten in Luzern ortet der Immobilienexperte von Comparis, Michael J. Kohlas, im enormen Siedlungsdruck, der von Zürich ausgeht. «In Zürich entfallen auf eine neue oder frei gewordene Wohnung 200 bis 300 Interessenten. Bezahlbarer Wohnraum ist dort sehr knapp. Darum weichen viele Wohnungssuchende nach Luzern aus», sagt er.

Dank dem SBB-Halbstundentakt während der Arbeitszeiten sei man mit einer Wohnung in Nähe des Luzerner Bahnhofs sogar schneller an seinem Arbeitsplatz in der Stadt Zürich als von weniger gut erschlossenen Ortschaften im Kanton Zürich aus. Die durchgehende Autobahn zwischen den beiden Städten habe den Siedlungsdruck in der Zentralschweiz ebenfalls erhöht. Michael J. Kohlas: «Luzern bietet zudem sehr viel Lebensqualität. Kombiniert mit der zentralen, gut erschlossenen Lage der Stadt steigt die Nachfrage nach Wohnungen. Was wiederum die Mietangebote für freie Wohnungen verteuert.» Winterthur ist ähnlich gut zugänglich, der Durchschnittswert liegt dort bei 1748 Franken.

Für die Stadt Zug hat Comparis keine Zahlen ermittelt. «Ich vermute aber, sie dürften sich in etwa auf dem gleichen Niveau wie Luzern bewegen», sagt der Immobilienexperte.

Geringfügig kleiner als in Zürich

Die typische Luzerner Drei- bis Dreieinhalbzimmerwohnung, die in Inseraten angeboten wird, verfügt über eine Wohnfläche von 79 Quadratmeter. Das ist deutlich mehr als in Genf (61) und ungefähr auf Augenhöhe mit Zürich (82).

Die Angebotsmieten geben indes nur einen Teil der schweizerischen Wohnrealität wieder. Der nationale Hauseigentümerverband verweist denn auch auf die Zahlen der Statistiker des Bundes (BFS), die für eine Schweizer Dreizimmerwohnung einen Durchschnittswert von aktuell 1300 Franken ermittelt haben. Davon weichen selbst Genf oder auch Basel nicht stark ab. Kommt hinzu, dass ein Teil der langjährigen Mieter von mehreren Referenzsatz-Senkungsrunden profitiert hat.

Rainer Rickenbach