Immobilien
Mieter sollen die SBB finanzieren

Das Konzernergebnis der SBB verbesserte sich 2014 um 135 Millionen auf 373 Millionen Franken. Mit der Vermietung von Wohnungen, Büro- und Gewerbeflächen wollen die SBB künftig jedes Jahr eine halbe Milliarde Franken Gewinn erzielen.

Thomas Schlittler
Merken
Drucken
Teilen
Ulrich Gygi, Verwaltungsratspräsident SBB: «Die Vermietung von Liegenschaften hilft uns, den Kostendeckungsgrad zu erhöhen – das entlastet den Staat.»

Ulrich Gygi, Verwaltungsratspräsident SBB: «Die Vermietung von Liegenschaften hilft uns, den Kostendeckungsgrad zu erhöhen – das entlastet den Staat.»

KEYSTONE

Das Konzernergebnis der SBB verbesserte sich 2014 um 135 Millionen auf 373 Millionen Franken. Der Anstieg ist in erster Linie auf Immobilienverkäufe zurückzuführen. Von einem echten Gewinn kann aber ohnehin keine Rede sein. Schliesslich erhielten die SBB 3,2 Milliarden Franken Unterstützung durch die öffentliche Hand.

«Wir sind weit von einer gesunden Finanzlage entfernt», sagte SBB-Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi gestern an der Jahresmedienkonferenz in Bern. Gygi betonte, dass die finanzielle Lage weiter schwierig sei und der Kostendeckungsgrad verbessert werden müsse. Das grösste Potenzial dazu sehen die SBB nicht etwa im Kerngeschäft, dem Transport von Personen und Gütern. Sondern bei der Vermietung von Immobilien: «Der Bereich Immobilien ist die ertragsreichste Division der SBB», so Gygi.

2014 erzielten die SBB mit ihren Immobilien einen Gewinn von 395 Millionen Franken. 190 Millionen davon stammten aus der Veräusserung von Liegenschaften, waren also ausserordentlich. Vor allem der Verkauf des SBB Hauptsitzes Bern Wankdorf schenkte ein. Der Rest, rund 205 Millionen Franken, kam durch die Vermietung von Liegenschaften zusammen, war also ordentlich. Diesen ordentlichen, nachhaltigen Gewinn aus der Liegenschaftsvermietung wollen die SBB in den nächsten Jahren deutlich steigern. Gygi: «Das Ziel ist es, dass der ordentliche Immobiliengewinn – ohne ausserordentliche Verkäufe – eine halbe Milliarde Franken pro Jahr einbringt.»

Zahlreiche Immobilienprojekte

Gygi will sich nicht festlegen, bis wann dieses Ziel erreicht werden soll. Es liegt aber auf der Hand, dass das vor allem davon abhängt, wie die Immobilienvorhaben der SBB vorankommen. Vor allem im Raum Zürich stampfen die SBB ein Projekt nach dem anderen aus dem Boden: Am Hauptbahnhof entstehen die Europaallee sowie das Areal Zollstrasse, in Oerlikon der Franklinturm, in Tiefenbrunnen der Andreasturm und in Altstetten das Areal Westlink.

In Basel planen die SBB das Meret-Oppenheim-Hochhaus. In Olten läuft das Projekt Areal Bahnhof Nord. Und in Luzern entsteht das Areal Rösslimatt. In der Westschweiz sind die SBB nicht weniger aktiv: Ob in Fribourg, Genf, La Chaux-de-Fonds, Morges, Neuenburg oder Renens bei Lausanne – überall entstehen Wohnungen, Büros und Gewerbeflächen.

Viele dieser Projekte stehen in der Kritik, weil es sich um Luxusobjekte handelt. Die SBB sollten besser günstigen Wohnraum schaffen, fordern einige. Doch die SBB lassen sich von solchen Forderungen nicht aus dem Konzept bringen. Erstens unterstütze man auch 37 Wohnbaugenossenschaften und zweitens werde der Gewinn aus der Vermietung hochwertiger Immobilien praktisch vollständig für den Unterhalt des Schienennetzes sowie die Sanierung der Pensionskasse verwendet. Gygi: «Die Vermietung dieser Liegenschaften hilft uns, den Kostendeckungsgrad zu erhöhen – das entlastet den Staat und am Ende auch den Steuerzahler.»

Umstrittene Verkäufe

Angesichts dieser Argumentation erstaunt es, dass die SBB nicht noch mehr Liegenschaften selbst entwickeln und vermieten. Wieso wird Jahr für Jahr ein Teil der Immobilien an Private verkauft? Um kurzfristig höhere Gewinne zu erzielen? Wäre es langfristig nicht sinnvoller, alle Liegenschaften selbst zu verwalten? Gygi: «Wir haben gar keine andere Wahl, als einen Teil unserer Liegenschaften zu verkaufen. Sonst hätten wir gar nicht die nötigen liquiden Mittel, um die anderen Immobilienprojekte voranzutreiben.» Man habe das ganze Immobilienportfolio angeschaut und von Fall zu Fall entschieden, welche Projekte man besser selbst entwickle und welche man besser verkaufe.

Und was passiert, wenn der Schweizer Immobilienmarkt plötzlich nicht mehr so attraktiv ist wie in den letzten Jahren? Gygi ist sich dieser Gefahr bewusst: «Im Bürobereich spüren wir eine gewisse Sättigung. Dort müssen wir aufpassen, dass wir nicht zu viel bauen.»