Migrolino und Denner werfen Tabakprodukt von Philip Morris vorübergehend aus dem Sortiment

Die erhitzbaren Tabaksticks Heets stehen in der Schweiz nicht mehr überall zum Verkauf.

Gabriela Jordan
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Das Tabakprodukt Iqos von Philip Morris.

Das Tabakprodukt Iqos von Philip Morris.

Sebastian Reuter / Getty Images Europe

Sie sollen weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten sein und bringen viele Raucher zum Umschwenken: Tabakprodukte zum Dampfen oder Erhitzen. Weltweit haben sich Tabakkonzerne in die Erforschung und Entwicklung der sogenannten E-Zigaretten oder anderer rauchfreien Alternativen gestürzt, um Kundinnen und Kunden aufgrund derer gestiegenen Gesundheitsansprüche nicht zu verlieren.

Unter ihnen ist auch der internationale Konzern Philip Morris. Zusätzlich zu Zigarettenmarken wie Marlboro und Chesterfield stellt er seit ein paar Jahren das System Iqos und die dazugehörenden Tabaksticks Heets her. Bei diesen wird der Tabak nicht verbrannt, sondern auf rund 300 Grad erhitzt. In der Schweiz muss Philip Morris mit diesem Produkt aber gerade eine Niederlage einstecken: Mit Migrolino und Denner haben es zwei gewichtige Händler vor kurzem aus dem Sortiment genommen.

So heisst es im aktuellen Kunden-Newsletter von Philip Morris: «Wir möchten Sie darüber informieren, dass Iqos und Heets aufgrund einer bedauerlichen Entscheidung von Denner und Migrolino derzeit nicht in deren Verkaufsstellen verfügbar sind.» Weiterhin erhältlich seien sie in allen anderen Verkaufsstellen sowie im Online-Shop und in den Boutiquen des Tabakunternehmens.

Denner und Philip Morris konnten sich inzwischen einigen

Auf Nachfrage dieser Zeitung sagt eine Sprecherin von Philip Morris Schweiz, dass die Entscheidung von Migrolino und Denner «nichts mit dem Produkt selbst zu tun» habe. Grund seien «kommerzielle Meinungsverschiedenheiten». Mit anderen Worten: Philip Morris und die beiden Händler konnten sich bei Preisverhandlungen nicht einigen.

Preisverhandlungen gehören im Detailhandel zum Daily Business. Wird zum Beispiel ein Rohstoff wie Tabak teurer, fordert der Hersteller vom Händler, dass auch das Tabakprodukt im Laden zu einem höheren Preis verkauft wird. Umgekehrt will der Händler seinen Kunden den tiefstmöglichen Preis anbieten. Im Herbst fallen solche Preisverhandlungen häufiger an, da zwischen Lieferanten und Händler die Jahresgespräche stattfinden.

Worum es bei den Iqos-Verhandlungen im Detail geht, bleibt unklar. Die Verhandlungspartner lassen sich nicht in die Karten blicken. Denner und Philip Morris konnten sich in der Zwischenzeit aber offenbar doch noch einigen. Wie es bei Denner heisst, wurde der Verkauf von Heets und Iqos vor ungefähr zwei Wochen eingestellt. Am heutigen Dienstag wurde er aber wieder aufgenommen. Migrolino hingegen hat «den Artikel bis auf weiteres ausgelistet».

Zigarettenalternativen werden aktuell weniger besteuert

Der Verlust dürfte sich für Philip Morris Schweiz in Grenzen halten. Nach Angaben des Tabakkonzerns ist Iqos das am schnellsten wachsende Alternativprodukt zur Zigarette in der Schweiz. Aktuell habe es einen Marktanteil von 3,6 Prozent. Gefreut haben dürfte sich Philip Morris Schweiz kürzlich ausserdem über die Ankündigung von Konkurrent Juul. Der amerikanische E-Zigarettenhersteller will sich bis Ende Jahr aus dem Schweizer Markt zurückziehen. Konkrete Gründe gab er nicht bekannt.

Da alternative Tabakprodukte im Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten deutlich weniger besteuert werden, ist das Geschäft mit Iqos für Philip Morris besonders lukrativ. In ein paar Jahren könnte sich das aber ändern: Die Politik berät schon lange über ein Tabakgesetz, das auch die Höhe der Steuern und Abgaben von alternativen Nikotin-Produkten regeln soll. Das Gesetz soll voraussichtlich 2023 in Kraft treten. Studien zufolge sollen Heets zwar weniger gesundheitsschädlich als normale Zigaretten sein. Deren Nikotingehalt sei aber ungefähr gleich hoch – ein erhöhtes Krebsrisiko und eine hohe Suchtgefahr bleibe daher trotzdem.