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Migros-Klubschulen spüren die Online-Konkurrenz – und reagieren darauf

Die Migros zählt Jahr für Jahr weniger Kursteilnehmer. Auch wegen Konkurrenten wie Linkedin. Nun baut sie ihr eigenes Online-Kursangebot aus.
Benjamin Weinmann
Kurse wie Pilates, Bodytoning oder Yoga laufen bei der Migros gut, bei anderen spürt die Klubschule aber die Online-Konkurrenz. (Bild: PD)

Kurse wie Pilates, Bodytoning oder Yoga laufen bei der Migros gut, bei anderen spürt die Klubschule aber die Online-Konkurrenz. (Bild: PD)

Sie gilt als Anlaufstelle, wenn es um Weiterbildung geht: die Migros Klubschule – eines der grossen Kultur-Vermächtnisse von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler. 1944 wurde sie gegründet: In einem Inserat der hauseigenen Zeitung «Brückenbauer» erschien ein Inserat für Kurse in Italienisch, Französisch, Englisch, Spanisch und Russisch. Eineinviertel Stunden pro Woche kosteten monatlich 5 Franken. Das Echo war riesig, grössere Räumlichkeiten wurden nötig. Bald kamen Kurse fürs Malen, Reiten und Fotografieren hinzu.

Die Klubschule ist zwar betriebswirtschaftlich organisiert, dank des «Migros-Kulturprozents», aber nicht gewinnorientiert. So investierte die Migros zuletzt mehr als 60 Millionen Franken in ihre Bildungsangebote. Das freiwillige Engagement ist in den Statuten der Genossenschaft verankert, um der Bevölkerung einen breiten Zugang zu Kultur und Bildung zu verschaffen.

Business-Netzwerk geht in die Offensive

Vor einigen Tagen verschickte die Detailhändlerin eine Medienmitteilung mit dem Titel: «Klubschule Migros – für Bildungshungrige weiterhin die Nummer 1». Das stimmt, zählte sie doch über 340'000 Kursteilnehmende im vergangenen Jahr. Doch was im Schreiben nicht steht, ist, dass sich die Klubschule im Krebsgang befindet. Dies zeigt ein Blick in die Archive. In den 90er-Jahren buchten noch über eine halbe Millionen Leute Kurse bei der Migros. Allein in den letzten fünf Jahren sank die Teilnehmerzahl um 11 Prozent.

Der Rückgang ist symptomatisch für die ganze Branche. Der Bildungsmarkt befinde sich in einer Transformationsphase, sagt eine Migros-Sprecherin. Das Bedürfnis nach Aus- und Weiterbildung sei nach wie vor hoch, doch die Kundenbedürfnisse hätten sich geändert. Heute werde situativ gelernt, viele Leute möchten selber entscheiden, wo und wann sie lernen. Zudem hätten sie Zugriff auf verschiedenste Kanäle und Mittel.

Felix Meyer, Chef der Migros-Genossenschaft Luzern, nannte erst kürzlich einen konkreten Grund für die sinkenden Kursteilnehmerzahlen:

«Im Internet sind Schulungen und Bildungsangebote kostenfrei verfügbar.»

Beim Schweizerischen Verband für Weiterbildung bestätigt Sprecher Ronald Schenkel diese These: «Der Weiterbildungsmarkt hat sich in den letzten Jahren massiv verändert, es herrscht ein Verdrängungskampf, dem nicht nur die Migros ausgesetzt ist.» Das Angebot von Onlinekursen sei riesig.

Den Anfang hätten US-Elite-Universitäten wie Stanford oder Harvard gemacht mit ihrem sogenannten MOOC-Angebot. Das Kürzel steht für «Massive Open Online Courses»: Die Hochschulen begannen, Kurse im Internet gratis zur Verfügung zu stellen, mit Videos, Lesematerial und Aufgaben, welche die Teilnehmer zum Teil gemeinsam in virtuellen Lerngruppen lösen müssen. Laut Bildungsökonom Stefan Wolter wurden anfangs nur wenige Kurse angeboten, mittlerweile decken solche MOOCs praktisch das ganze Spektrum von Studiengängen ab, und zudem können die Kurse auch mit Zertifikaten abgeschlossen werden.

Kurse online belegen

Nun ist die Klubschule mit einem weiteren Konkurrenten konfrontiert: Der Social-Media-Plattform Linkedin, quasi ein Facebook für Berufstätige, die ihr professionelles Netzwerk erweitern möchten. Viele neue Geschäftsbeziehungen, Jobinterviews und Anstellungen entstehen heute via Linkedin. Der Silicon-Valley-Riese, dem über eine halbe Milliarde Nutzer angehören, hat 2015 die Onlinelernplattform Lynda.com für 1,5 Milliarden Dollar aufgekauft und wirbt nun mit seinem «Linkedin Learning»-Angebot: Mitglieder können gegen eine zusätzliche Gebühr diverse Kurse online belegen, und nach Abschluss das virtuelle Diplom direkt ihrem Linkedin-Profil hinzufügen. Die Migros-Sprecherin sagt, die Onlinekonkurrenz mache sich auch bei Sprachkursen bemerkbar. Tatsächlich gibt es zahlreiche Gratis-Videos und Apps wie zum Beispiel Duolingo, das vom Zuger Informatiker Severin Hacker mitgegründet wurde.

Austausch in der Gruppe als Pluspunkt

Doch nicht nur Englisch-, Französisch- oder Mandarin-Kurse haben heute einen schwereren Stand. Die Migros-Sprecherin sagt:

«Wurde früher noch der Kurs ‹Basisküche› besucht, wird heute ein Youtube-Video nachgekocht.»

Auch viele Office-Probleme würden über eine einfache Google-Abfrage gelöst und nicht mehr über einen mehrwöchigen Excel-Kurs.

Was bleibt der Klubschule also? Gefragt sind laut der Sprecherin insbesondere künstlerische, körperliche und rein kognitive Tätigkeiten, die man gemeinsam mit anderen Teilnehmern machen wolle.

«Es bestätigt sich immer wieder, dass der Austausch in der Gruppe für den Lernerfolg zentral ist.»

Gerade in der heutigen digitalisierten Welt gebe es viele Menschen, die den Unterricht vor Ort bevorzugen würden. «Der soziale Aspekt wird wichtiger, gemeinsam lernt es sich leichter.» Weiterhin populär sind Kurse wie Pilates, Bodytoning und Yoga. Zudem ist die Migros bemüht, mit Trendthemen auf sich aufmerksam zu machen. So lancierte sie 2017 einen Sprachkurs für das fiktive «Klingonisch», bekannt aus «Raumschiff Enterprise», oder für das aus den USA bekannte «Ballett-Workout».

Die Migros will zudem ihre «Online Academy» mit Internetkursen in den kommenden Jahren ausbauen. Dabei gehe es auch darum, den Präsenzunterricht mit Onlinekursen kombinieren zu können und die Business-Module zu verkürzen. Und mit dem «Podclub» biete man seit drei Jahren kostenlose, unterhaltsame Podcasts zum Sprachenlernen an, sagt die Migros-Sprecherin.

Die Ironie beim Digitalausbau: Am stärksten zulegen konnten im letzten Jahr Achtsamkeitskurse, die sich mit der sogenannten «Mindfulness Based Stress Reduction» auseinandersetzen, also der Reduktion von Stress in der heutigen, von der Digitalisierung geprägten Welt.

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