Interview

Migros-Luzern-Chef: «Es ist unnötig, Notvorräte anzulegen»

Hamsterkäufe belasten die Angestellten der Migros Luzern. Geschäftsleiter Felix Meyer erklärt, dass der Detailhändler deshalb unter dem Strich sogar verlieren wird. Weil Fachmärkte, Restaurants und Fitnesscenter schliessen müssen, wird Kurzarbeit ein Thema.

Maurizio Minetti
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Felix Meyer, Geschäftsleiter der Genossenschaft Migros Luzern, in der Migros-Filiale in der Mall of Switzerland in Ebikon.

Felix Meyer, Geschäftsleiter der Genossenschaft Migros Luzern, in der Migros-Filiale in der Mall of Switzerland in Ebikon. 

PD

Kunden kaufen wegen der Corona-Krise reihenweise Büchsenravioli und WC-Papier. Haben Sie in der Zentralschweiz genug Ware auf Lager?

Felix Meyer: Ja, es besteht keine Knappheit an Lebensmitteln. Wenn in einer Filiale unserer Region vielleicht für kurze Zeit Mehl fehlt, dann nur deshalb, weil wir nicht nachkommen mit dem Auffüllen der Ware. Es gibt Leute, die zwölf Liter Olivenöl kaufen. Ich kann es nur mit Nachdruck wiederholen: Für Nachschub ist gesorgt und wir füllen die Regale so schnell wie möglich auf. Es gibt genügend Lebensmittel für alle und es ist unnötig, Notvorräte anzulegen.

In Bayern sind die Ladenöffnungszeiten ausgeweitet worden, um die Grundversorgung mit Lebensmittel sicherzustellen. Eine Option für Sie?

Das erachte ich derzeit als nicht nötig. Unsere Lebensmittelfilialen sind weiterhin normal geöffnet.

Hamsterkäufe bedeuten für die Migros Luzern aber doch mehr Umsatz?

Das stimmt kurzfristig, aber langfristig werden wir unter dem Strich verlieren.

Warum das?

Die Migros und ihre Mitarbeitenden leisten seit Wochen einen enormen Sondereffort. In der Betriebszentrale in Dierikon haben wir zum Beispiel Zusatzschichten eingeführt. Solche Sondermassnahmen kosten viel mehr als der normale Betrieb. Geld ist im Moment jedoch sekundär: Unser Fokus liegt voll darauf, dass wir die Bevölkerung in unserer Region gut mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs bedienen können.

Mussten Sie Produktionskapazitäten hochfahren?

Ja. Einerseits produziert die Migros-Industrie schweizweit mehr, andererseits spüren wir in der Zentralschweiz auch eine erhöhte Nachfrage nach regionalen Produkten wie Kernser Pasta oder Knutwiler Mineralwasser. Unsere regionalen Lieferanten haben uns in den letzten Wochen mit zusätzlichen Lieferungen unterstützt.

Die Migros Luzern ist mit rund 6000 Beschäftigten die grösste private Arbeitgeberin der Zentralschweiz. Viele Angestellte können aber kein Home Office machen. Wie schützen Sie diese?

Wir wenden die Hygienemassnahmen des Bundes konsequent an und haben die Desinfektions- und Reinigungsarbeiten intensiviert. Zudem werden wir in Kürze bei den Kassen zusätzlich Plexiglas-Scheiben installieren. Enorm wichtig ist auch die Sensibilisierung der Kundschaft. Unsere Mitarbeitenden danken es ihnen, wenn sich unsere Kundinnen und Kunden strikte an die Hygiene- und Abstandsregeln des Bundes halten.

Nach dem neusten Bundesrats-Beschluss mussten Sie Fachmärkte und Restaurants schliessen. Was bedeutet das personell?

Für eine Übergangszeit können wir diese Mitarbeitenden innerhalb der Migros Luzern einsetzen. Aber ich schätze, dass schon in wenigen Tagen Kurzarbeit ein Thema sein wird.

Die Fitnesscenter haben Sie schon am vergangenen Wochenende geschlossen, obwohl dies nicht zwingend vorgeschrieben war.

Wir wollten nichts riskieren. Mit dem neuesten Bundesrats-Entscheid ist die Sache nun klar. Jetzt müssen wir auch unsere Golfparks schliessen, weil es sich dabei um Freizeitanlagen handelt.

Das Geschäft der Klubschule war schon bisher aufgrund von Online-Bildungsangeboten unter Druck. Wie haben Sie hier auf die Corona-Krise reagiert?

Es gibt gewisse Klassen, die wir mit Online-Schulungen weiterführen können. Viele Kurse können aber nicht so einfach digitalisiert werden.

Im vergangenen Jahr war der Umsatz der Migros Luzern erstmals seit Jahren rückläufig und der Gewinn ist eingebrochen. Was ist passiert?

Wir haben unter anderem die Preise gesenkt und den Surseepark modernisiert. Damit können wir unseren Kundinnen und Kunden in Sursee ein neues Einkaufserlebnis bieten. Wenn man diese beiden Aspekte herausrechnet, hätten wir beim Umsatz im Jahresvergleich um ein halbes Prozent zugelegt und wären beim Gewinn auf dem Vorjahresniveau gewesen. Wir haben also zugunsten der Kundschaft bewusst auf Umsatz verzichtet. Auf operativer Ebene hatten wir ein fantastisches Jahr.

Die Migros befindet sich auf Sparkurs. Einige Genossenschaften haben sich von Firmen getrennt, die sie in den letzten Jahren hinzugekauft haben. Wie sieht es in der Zentralschweiz aus?

Die Migros Luzern ist in den letzten Jahren sehr konservativ unterwegs gewesen. Wir haben uns auf das Kerngeschäft Supermarkt, Fachmarkt und Gastronomie konzentriert. Diese Strategie zahlt sich jetzt aus. Wir sind schweizweit eine der finanziell am besten aufgestellten Genossenschaften innerhalb der Migros-Gruppe.

Nach acht Jahren als Geschäftsführer werden Sie voraussichtlich im Sommer Präsident der Verwaltung der Genossenschaft Migros Luzern. Worauf sind Sie besonders stolz?

Auf die Leistungen unserer Mitarbeitenden. Auf Stufe Geschäftsleitung haben wir für Wachstum mit Expansion gesorgt und in den Filialen wurde extrem kundenorientiert gearbeitet. Wir haben die Migros damit näher an die Kundinnen und Kunden geführt. Das war ein Erfolgsrezept in den letzten acht Jahren.

Gibt es schon eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für den Chefposten?

Wir werden den Namen voraussichtlich Ende März kommunizieren.

Felix Meyer (61) ist seit Juni 2012 Geschäftsleiter der Genossenschaft Migros Luzern. Voraussichtlich im Juli übernimmt der Bieler das Präsidium der Verwaltung der Genossenschaft Migros Luzern von Anton Wechsler.

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