Apotheken
Migros und zur Rose breiten sich aus: Sie eröffnen neue Apotheken

Der Detailhändler und die Thurgauer Versandfirma wollen in Basel und Zürich neue Shops eröffnen.

Andreas Möckli
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Logistikzentrum der Apotheke zur Rose in Frauenfeld (Archiv)

Logistikzentrum der Apotheke zur Rose in Frauenfeld (Archiv)

Keystone

Viele Detailhändler suchen ihr Heil im Internet. Kleiderketten oder die Migros-Tochter Ex Libris mussten zusehen, wie ihr Geschäft in den Filialen immer stärker unter Druck gerät. Der Online-Versandhändler zur Rose geht den umgekehrten Weg. Gross geworden ist das Thurgauer Unternehmen als Lieferant von Medikamenten an Ärzte und Patienten. Nun macht die Firma definitiv den Schritt in den stationären Handel.

Zusammen mit der Migros will zur Rose in diesem Jahr in Basel und Zürich zwei neue Apotheken eröffnen. Diese werden in bestehende Migros-Filialen integriert, in Basel beim Claraplatz und in Zürich am Limmatplatz. Die beiden Firmen nennen dies auf Neudeutsch Shop-in-Shop-Apotheken. Neben den beiden Städten werden weitere Standorte geprüft.
Migros und zur Rose haben das neue Format erstmals im vergangenen Jahr in Bern getestet. Seit Juli ist zur Rose in einer Migros-Filiale in der Berner Innenstadt präsent. Die budgetierten Umsätze seien klar übertroffen worden, sagt Walter Oberhänsli, Firmenchef von zur Rose. Zahlen nennt er nicht.

Amazon und Zalando als Vorbild

Der Kunde wolle selber entscheiden, wo und wie er das Angebot von zur Rose nutzen wolle, begründet Oberhänsli den Schritt ins klassische Filialgeschäft. So könne man etwa im Online-
Shop Medikamente bestellen und diese in der Apotheke abholen. Auch der umgekehrte Weg sei möglich. Vom Versand ausgenommen sind rezeptfreie Medikamente, da das Bundesgericht 2015 den Versandhandel mit diesen Präparaten faktisch verboten hat.

Die Durchlässigkeit der verschiedenen Verkaufskanäle komme immer stärker zum Ausdruck, sagt Oberhänsli. Firmen wie Nespresso mit ihren Flagship-Filialen machten dies schon länger vor. In jüngerer Zeit hätten sich auch Onlinehändler wie Amazon und Zalando in den stationären Handel vorgewagt.

Das neue Konzept sei für beide Unternehmen von Vorteil, sagt Oberhänsli. «Wir profitieren von den grossen Kundenströmen in den MigrosFilialen.» Der Detailhändler wiederum könne seine Aktivitäten im Gesundheitsmarkt ausbauen.

Im Unterschied zu klassischen Apotheken sind jene von zur Rose deutlich kleiner. Während die eigenen Shops mit rund 50 Quadratmetern auskämen, bewege sich die Grösse einer eigenständigen Apotheke im Bereich von 200 Quadratmetern, sagt Oberhänsli.

Die tieferen Mietkosten, die damit verbunden sind, sowie effiziente Prozesse im Versandhandel erlaubten es zur Rose, günstigere Preise anzubieten. Wie im Online-Shop beträgt der Rabatt auf die Medikamentenpreise im Schnitt 12 Prozent im Vergleich zu den Preisen herkömmlicher Apotheken, freiverkäufliche Präparate seien teils noch günstiger.

Sollten die neuen Shops in Basel und Zürich ein Erfolg werden, will Oberhänsli weiter expandieren. Allerdings sei es nicht das Ziel, eine eigentliche Apotheken-Kette aufzubauen. Ihm schwebten rund zwei Dutzend Apotheken in der gesamten Schweiz vor. Dabei will er sich vor allem auf jene Regionen konzentrieren, in denen die Ärzte selber keine Medikamente abgeben dürfen, sondern die Patienten ihre Rezepte in einer Apotheke einlösen müssen. In der Deutschschweiz sind dies neben Basel-Stadt der Kanton Aargau sowie gewisse Teile in den Kantonen Bern und Graubünden.

Für die Migros ist der Ausbau Teil

der Strategie, im Gesundheitsmarkt zu wachsen. Mit Medbase verfügt der Detailhändler über eine schweizweite Kette mit Gruppenpraxen, die seit dem letzten Jahr auch in der Westschweiz präsent ist. Zudem arbeitet Medbase eng mit den Fitnesscentern der Migros zusammen. Im Gegensatz zu Coop hat Migros jedoch im Apothekenmarkt bislang noch nicht Fuss gefasst. Die Konkurrentin aus Basel hat mit der Berner Grosshändlerin Galenica im Jahr 2000 das Gemeinschaftsunternehmen namens Coop Vitality gegründet. Mittlerweile gibt es 75 solcher Apotheken in der Schweiz.