MILCHMARKT: Emmentaler ist im Aufwind

Die Lage für den Schweizer Emmentaler entspannt sich. Im Jahr 2012 wurde mehr produziert und mehr exportiert. Ab Juni verbessert sich der Preis für Emmentaler deutlich.

Bernard Marks
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Blick in die Kaltbach-Höhle des Milchverarbeiters Emmi. Dort reifen neben anderen Käsesorten auch Emmentaler Käse heran. (Archivbild Pius Amrein)

Blick in die Kaltbach-Höhle des Milchverarbeiters Emmi. Dort reifen neben anderen Käsesorten auch Emmentaler Käse heran. (Archivbild Pius Amrein)

«Die Chancen für den Emmentaler AOC stehen gut», sagt Erwin Schmid aus Buttisholz. Er ist nicht nur Emmentaler-Produzent, sondern auch Mitglied im Vorstand von Emmentaler Switzerland. Verschiedenen Faktoren sorgen derzeit für Aufwind beim Sorgenkind der schweizerischen Käsewirtschaft. Der Wechselkurs zwischen Franken und Euro hat etwas angezogen, im Euroraum sind die Preise tendenziell gestiegen, und vor allem ist die Milch zu einem knappen Gut geworden. «Nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa ist Milch derzeit gesucht», bestätigt Schmid.

Grossabnehmer wie beispielsweise die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) haben bereits auf diese Verknappung reagiert. Die ZMP hatten kürzlich angekündigt, nicht verkäste Rohmilch in den Monaten Juli bis Oktober zu einem Spezialpreis von 72 Rappen pro Kilo abzunehmen. Das sind 7 Rappen über dem in dieser Periode üblichen Marktpreis.

Damit sorgen die ZMP nicht nur für Liefersicherheit gegenüber Kunden wie Emmi oder der Hochdorf-Gruppe. Käsereien werden dadurch in diesen Monaten weniger Emmentaler produzieren. Dieser Schritt ist gewollt. Denn damit Emmentaler am Markt wieder einen höheren Preis erzielen kann, soll der Käse rar gemacht werden.

Das Lager ist immer noch voll

Die Verkäufe von Emmentaler AOC stiegen im Jahr 2012 um 3 Prozent auf 23 212 Tonnen. Der Export lief besser als im Vorjahr. Besonders nach Deutschland konnte mit 4197 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr ausgeliefert werden. Auch Italien bezog mehr Emmentaler aus der Schweiz. Die Exporte in die Eurozone stiegen insgesamt von 15 548 Tonnen auf 16 145 Tonnen. Aber das Emmentaler-Lager ist immer noch randvoll. Derzeit lagern in der Schweiz rund 6300 Tonnen. Fast so viel, wie Herr und Frau Schweizer in einem Jahr konsumieren.

«Das ist klar zu viel», sagt Jürg Kriech von der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland in Bern. Um wieder mehr Kontrolle über den aus den Fugen geratenen Markt zu gewinnen, hat die Sortenorganisation im Juli 2012 beim Bundesrat beantragt, die Menge an Emmentaler in Zukunft wieder selber steuern zu können. «Wir wollen die Produktion von Emmentaler AOC für alle Marktteilnehmer verbindlich regeln können», sagt dazu Jürg Kriech. Bisher lag die Mengensteuerung für Emmentaler bei Firmen wie zum Beispiel der Luzerner Emmi Käse AG, die mit 50 Prozent Marktanteil die grösste Handelsfirmen für Emmentaler AOC ist.

Richtpreis wird angehoben

«Der Preis für Emmentaler AOC ist zu niedrig», sagt Kriech. Deshalb springen immer mehr Produzenten ab. Im Jahr 2012 haben wiederum rund 10 Käsereien die Herstellung von Emmentaler AOC aufgegeben. Aktuell stellen in der Schweiz nur noch 144 Betriebe Emmentaler AOC her. Im Jahr 2006 lag diese Zahl noch bei 206. «Immer weniger Landwirte sehen eine Perspektive in der Produktion von Milch für Emmentaler AOC», sagt Schmid. Die Zeit drängt also, damit nicht noch mehr Landwirte oder Käsereien in der Schweiz ihre Existenzgrundlage verlieren.

Dafür macht die Sortenorganisation jetzt einen mutigen Schritt. Der Richtpreis für ein Kilogramm Emmentaler AOC ab Käserei wird ab Juni von aktuell 5,50 Franken auf zunächst 6,30 und ab Juli sogar auf 7 Franken angehoben. Im Gegenzug soll das gigantische Emmentaler-Lager in der Schweiz abgebaut werden. «Wir wollen diesen Käseberg in den nächsten Monaten um mindestens 1000 Tonnen abbauen, damit Angebot und Nachfrage wieder im Gleichgewicht sind», sagt Kriech. Dabei helfe es sehr, dass die nicht verkäste Milch aus den Käsereien in den nächsten Monaten zu moderaten Preisen von der Industrie abgenommen werde.

Emmi für Systemumstellung

«Wir würden die Einführung einer Allgemeinverbindlichkeit beim Emmentaler durch den Bundesrat sehr begrüssen», sagt dazu die Sprecherin der Emmi-Gruppe, Sibylle Umiker. Die Erfahrung habe gezeigt, dass sich ein AOC-Produkt wie der Emmentaler nur mit einer straffen Mengensteuerung managen lasse. Auch erachte man den Zeitpunkt für eine Umstellung des Systems als nahezu optimal. Dank der derzeit knappen Milchmengen können die Käsereien, die ihre Emmentaler-Produktion einige Zeit drosseln müssen, ihre Emmentaler-Milch zu einem guten Preis weiterverkaufen.

«Der Übergang ins neue System wäre deshalb aus unserer Sicht für alle Akteure verkraftbar», sagt Umiker. Emmi werde sich an den von der Sortenorganisation Emmentaler beschlossenen Richtpreis halten. Bedingung sei jedoch, dass sich auch alle anderen Akteure an diese gemeinsamen Spielregeln hielten.