MILCHMARKT: Hochdorf bleibt Nischenplayer

Die zwei Zentralschweizer Milchverarbeiter Emmi und Hochdorf kämpfen um Marktanteile in Ausland. Während Emmi auf Einkaufstour geht, leidet Hochdorf unter den kleinen Margen.

Bernard Marks
Drucken
Teilen
Hochdorf und Emmi – zwei grosse Milchverarbeiter für die Kühe der Zentralschweiz und darüber hinaus. (Bild: Stefan Kaiser/Neue ZZ)

Hochdorf und Emmi – zwei grosse Milchverarbeiter für die Kühe der Zentralschweiz und darüber hinaus. (Bild: Stefan Kaiser/Neue ZZ)

Emmi und Hochdorf – beide sind in ihren Bereichen Marktführer in der Schweiz. Beide Firmen kämpfen aber mit demselben Problem. Im Inland ist der Wettbewerb hart, im Ausland ist Wachstum nur mit hohem Aufwand zu erzielen. Emmi und Hochdorf, zwei regionale Milchverarbeiter, wie sie unterschiedlicher nicht sein können.

Der Milchverarbeiter Emmi konnte im vergangenen Jahr mehr als 100 Millionen Caffè Latte verkaufen. Mit den Verkäufen des vergangenen Jahres sei eine lange anvisierte Rekordmarke geknackt worden, schreibt Emmi in einer Medienmitteilung. Zwei Drittel des Absatzes werden im Ausland erzielt, produziert werden aber sämtliche Becher in der Schweiz. Emmi Caffè Latte wurde 2004 lanciert. Auch Hochdorf konnte in jüngster Vergangenheit einige Erfolge mit Babymilchpulver made in Switzerland in China verbuchen. Mehrere lukrative Handelsverträge wurden abgeschlossen.

Hartes Geschäft mit Babymilch

«Es gibt zwischen den beiden Firmen aber grundlegende Unterschiede», erklärt der Leiter Research der Neuen Helvetischen Bank, Remo Rosenau. Während Emmi seine Kunden beim Endverbraucher findet, ist Hochdorf im Bereich B2B aktiv. Die Kunden von Hochdorf sind preissensitive Grosskonzerne, die zum Teil viel grösser sind als Hochdorf selber. «Dabei werden die Verhandlungen hart geführt, für Hochdorf ist es schwer, höhere Preise durchzusetzen», sagt Rosenau. Hochdorf ist mit 60 bis 70 Prozent Marktanteil beispielsweise Marktführer beim Schweizer Schokoladen-Milchpulver. Aber beispielsweise der Abnehmer Toblerone gehört zum globalen Konzern Kraft Foods.

Eine gute Chance für Wachstum hat Hochdorf laut Rosenau im Bereich Babymilchpulver. Aber auch hier ist das Geschäft hart. Denn es ist – wie auch das Milchpulvergeschäft – sehr kapitalintensiv und stellt höchste Anforderungen an Qualität und Hygiene. «Da darf nichts schiefgehen», sagt Rosenau. Durch die hohen Fixkosten braucht man zudem eine hohe Auslastung der Produktion, um eine genügende Rendite erzielen zu können. Zurzeit ist die Rentabilität Hochdorfs laut Rosenau aber noch immer ungenügend. Der neue Sprühturm für Babymilchpulver in Sulgen ist mit rund 50 Prozent (Firmenangabe) zwar schon recht gut ausgelastet, aber da sind auch noch einige weniger interessante «Auslastungsaufträge» dabei, für die man lukrativere Ersatzaufträge finden sollte. Schlussendlich wird es in den nächsten drei Jahren darauf ankommen, die enorme Investition von rund 60 Millionen Franken, welche Hochdorf in Sulgen investiert hat, zu amortisieren, sprich eine ansprechende Rendite auf dem investierten Kapital zu erwirtschaften. Das Unternehmen braucht daher zusätzliche Abnehmer von Babymilchpulver.

Schritte in die richtige Richtung

Die in der letzten Zeit abgeschlossenen Lieferverträge mit neuen Abnehmern in China sind ein Schritt in die richtige Richtung. «Man muss sich nichts vormachen, Hochdorf wird ein Nischenplayer bleiben», sagt Rosenau. Denn mit Ländern wie Neuseeland, Weltmarktführer im Bereich Milchpulver, sei die Produktion in der Schweiz bei den Massenprodukten in Sachen Preis nicht konkurrenzfähig.

Wenn es die Hochdorf-Gruppe aber schaffe, sich im Bereich Babymilchpulver noch besser zu etablieren, könnte daraus eine Erfolgsgeschichte werden. Auf die Frage, warum der Hochdorf-Chef Damian Henzi das Unternehmen verlassen musste, obwohl er genau diese Strategie verfolgt hat, sagt Rosenau: «Es mag möglicherweise noch andere Gründe für die Trennung gegeben haben.»

Keine weiteren Schulden

«Die Hochdorf-Gruppe hat nicht die finanziellen Mittel, um Firmen im Ausland zu akquirieren», erklärt Rosenau. Aber genau das wollte Damian Henzi. Das hat zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Verwaltungsrat und Henzi geführt. Dieser wollte Schulden machen, um stärker zu wachsen, erklärt Hug. Zudem wollte Henzi einen neuen Sprühturm bauen, das Projekt wurde nun auf Mitte 2014 verschoben. Unterdessen geht die Suche nach einem neuen CEO der Hochdorf-Gruppe weiter. «Die Stelle wird ausgeschrieben», sagte dazu Christoph Hug, Leiter der Unternehmenskommunikation. Am 29. Januar veröffentlicht Hochdorf seine Umsätze für das Jahr 2012.

Emmi in komfortabler Position

Bild: Neue LZ

Bild: Neue LZ

Der Emmi-Analyst Patrick Hasenböhler von der Bank Sarasin sieht für Emmi vor allem im Ausland die Chance, zu wachsen. In der Schweiz bleibt der Marktanteil zwar hoch, aber begrenzt. Die Migros setzt auf Eigenmarken, es gibt einen hohen Importdruck, und der Schweizer Konsument kauft viel im Ausland ein. «Die Lage in der Schweiz ist schwierig für Emmi», sagt Hasenböhler.

«Emmi kann nur im Ausland wachsen», erklärt Hasenböhler. Deshalb hat Emmi das erklärte Ziel, bis 2017 50 Prozent des Konzernumsatzes im Ausland zu erzielen. Aktuell macht der Luzerner Milchverarbeiter aber noch immer lediglich 40 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Emmi benötigt weitere Akquisitionen, um den Ausland-Umsatz zu steigern. «Das organische Wachstum ist dafür aber zu gering», sagt Hasenböhler.

Im 1. Halbjahr 2012 sei Emmi zwar international 8,4 Prozent mit Verkäufen von Produkten gewachsen, doch gemäss Hasenböhler könne man nicht damit rechnen, dass Emmi jedes Jahr eine solch hohe Wachstumsrate erzielt. «So ist für Emmi einzig die Flucht nach vorne möglich, Emmi muss zukaufen», meint Hasenböhler.

So wie kürzlich die Käse-Firma AVH Dairy Trade in Holland. Diese Investition von 400 Millionen Franken mache zwar nur 0,7 Prozent des Emmi-Umsatzes aus, sei aber strategisch sinnvoll. Die finanzielle Kaufkraft von Emmi sei gut. «Wenn Emmi wollte, könnte sie die Bilanz stärker belasten und die Verschuldung hochfahren», sagt Hasenböhler.

Was aber derzeit Emmi anfällig mache, so Hasenböhler, sei die starke Abhängigkeit vom Schweizer Markt. Wenn die Zentralschweizer Milchproduzenten ihre Aktienmehrheit bei Emmi aufgeben würden, gebe es einen Sprung im Kurswert der Aktie, und Emmi würde sofort zu einem Übernahmekandidaten.