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MILCHMARKT: Hochdorf wirbt um Verständnis

Hochdorf will 780 Tonnen Milchkonzentrat aus dem Ausland einkaufen. Das sorgt für Kritik bei den Milchbauern.
Streit um die Einfuhr von Milchkonzentrat: Ein Mitarbeiter der Hochdorf-Gruppe überprüft die Konsistenz von Milchpulver. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Streit um die Einfuhr von Milchkonzentrat: Ein Mitarbeiter der Hochdorf-Gruppe überprüft die Konsistenz von Milchpulver. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Bernard Marks

Es hagelt derzeit Kritik für die Hochdorf-Gruppe. Die Hochdorf-Gruppe hatte bei der Oberzolldirektion ein Gesuch gestellt, 780 Tonnen Milchkonzentrat zu importieren. Grund: Die Milchmenge ist in der Schweiz saisonal sehr unterschiedlich. Im Frühling gibt es zum Beispiel mehr Milch als im Spätsommer oder im Herbst. «Wir haben als Unternehmen das Bedürfnis, unsere Anlagen auch ausserhalb der Milch-Hochsaison auf einem normalen Level auszulasten», sagt Hochdorf-Sprecher Christoph Hug. Aus diesem Grund will Hochdorf Milch im Ausland einkaufen.

Schelte vom Bauernpräsidenten

Das Gesuch wurde vom Bund bewilligt. Die Bewilligung ist bis Ende Januar 2016 befristet. Doch noch ist nichts geschehen. Allein das Vorhaben kommt bei den Milchbauern aber nicht gut an. Bauernpräsident Markus Ritter (48), der selber einen Betrieb mit 26 Milchkühen führt, übte harsche Kritik im «Blick». Das Ganze sei eine Provokation. «Die Milch wird mit Lastwagen durch halb Europa gekarrt. Das ist ökologischer Unsinn», sagte der CVP-Nationalrat. Es geht dem Bauernpräsidenten um Sensibilität in einer gespannten Marktlage. «Ich setze bei den Industrieunternehmen voraus, dass sie zu den Bauern stehen», sagt Ritter. Wenn man solche Nachrichten bekomme, sei dies in einer ohnehin bereits finanziell engen Situation nicht motivierend, so Ritter. Denn für viele Milchproduzenten lohnt sich die Milchproduktion wegen zu niedriger Milchpreise heute nicht mehr.

Die Milchmenge, um die es aber in diesem Fall geht, entspricht nicht einmal 1 Prozent der gesamten Milchmenge, die die Hochdorf-Gruppe verarbeitet. Die 780 Tonnen Milchkonzentrat ergeben umgerechnet 2 Millionen Kilogramm Milch. «An Spitzentagen verar­beiten wir in Sulgen diese Milchmenge an zwei Tagen», sagt Hug. Zum Vergleich: In der Schweiz produzieren rund 23 500 Milchproduzenten 3,47 Millionen Tonnen Milch für den Verkauf an die Milchverarbeiter. Die Milchmenge, die Hochdorf einführen will, ist demnach verschwindend klein.

Hinzu kommt, dass Hochdorf bereits im Jahr 2013 ein ähnliches Gesuch an die Oberzolldirektion gestellt hatte. Damals ging es um 500 Tonnen Milch. Auch damals wurde das Gesuch bewilligt. Damals blieb die Kritik allerdings verhalten. Bei Hochdorf wirbt man deshalb um Verständnis. Die importierte Milch sei nicht für den Schweizer Markt bestimmt und werde als Magermilchpulver wieder ausgeführt.

«Im Verlaufe des Anhörungsverfahrens, welches bei einem solchen Gesuch durchgeführt wird, hat sich kein Akteur aus der Branche gemeldet und die Milchmenge angeboten», sagt Hochdorf-Sprecher Hug. Für diese Exporte sei zurzeit keine günstige Schweizer B- oder C-Milch vorhanden. Der Bauernverband habe in diesem Punkt andere Informationen: «Diese Menge wäre sehr wohl verfügbar gewesen», entgegnet Ritter.

Hochdorf wehrt sich auch gegen den Vorwurf, dass mit der Einfuhr von billiger ausländischer Milch ein Preisdruck auf die Schweizer Milch ausgeübt wird. «Das Gegenteil ist der Fall», sagt Hug. Dank der besseren Anlagenauslastung könne Hochdorf wirtschaftlicher arbeiten und langfristig bessere Milchpreise bezahlen. «Dass wir gute Milchpreise bezahlen, sieht man in den SMP-Milchpreisvergleichen», so Hug.

Postulat angenommen

Geht es nach dem Willen des Bundesrats, könnte der Schweizer Milchmarkt liberalisiert werden. Das hiesse, dass der Grenzschutz für Schweizer Milch gänzlich wegfallen würde.

Gestern hat der Nationalrat ein Postulat angenommen, das den Bundesrat beauftragt, einen Bericht über die Situa­tion und die Herausforderungen auf dem Schweizer Milchmarkt vorzulegen. Zudem soll der Bundesrat Massnahmen prüfen, welche die hohen Kosten der Milchproduktion in der Schweiz, die hohen Landkosten und die im europäischen Vergleich sehr hohen Investitionskosten senken können.

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