MILCHMARKT: Mehr Zeit dank Roboter im Stall

Melkroboter liegen im Trend, denn sie helfen Landwirten, ihre Produktion zu optimieren. So werden die Betriebe in der Schweiz fast unbemerkt immer grösser.

Bernard Marks
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Melken mit dem Roboter: Auf dem Bauernhof von Patrick Egli in Geuensee ist das seit einigen Jahren Realität. (Bild Nadia Schärli)

Melken mit dem Roboter: Auf dem Bauernhof von Patrick Egli in Geuensee ist das seit einigen Jahren Realität. (Bild Nadia Schärli)

Mehr Milch, mehr Zeit und ein entspannteres Familienleben – das alles hat der Melkroboter Patrick Egli gebracht. Der 35-jährige Landwirt aus Geuensee hat vor fünf Jahren den Betrieb vom Vater übernommen. Im Jahr 2012 investierte er in einen Melkroboter der Firma DeLaval. Damit melken sich die Kühe selber, und das rund um die Uhr.

Mehr Zeit und Flexibilität

Mit dem Melkroboter hat sich auch in Eglis Betrieb einiges zum Positiven verändert. Der Landwirt konnte nicht nur seinen Betrieb von 24 auf 30 Kühe vergrössern. «Ohne den Roboter wäre diese Massnahme im gleichen Gebäude nicht möglich gewesen», sagt Egli. Ein teurer Neubau wäre erforderlich gewesen. Trotzdem konnte der Betrieb seine Milchproduktion steigern. Heute produziert Egli mit 210 000 Kilogramm pro Jahr rund 30 Prozent mehr Milch als vor der Anschaffung des Melkroboters. Damit stieg Eglis Betrieb, der zuvor eine für die Schweiz eher durchschnittliche Grösse hatte, in die nächsthöhere Kategorie für Landwirtschaftsbetriebe auf.

Doch vor allem spart der Melkroboter dem Landwirt Zeit ein, und das sorgt für unternehmerische Flexibilität. «Durch den Melkroboter haben wir mehr Kapazität für den Tabakanbau», sagt Egli. Weil er viele Arbeiten selbst verrichten kann, spart der Landwirt fremde Lohnkosten. 3,5 Tonnen produziert der Betrieb im Jahr. Den Tabak kauft Suisse Tabac mit Geschäftssitz in Payerne. Und nebenbei wurde das Familienleben der Eglis entspannter. «Am Sonntag muss keiner mehr um vier Uhr morgens im Stall sein. Davon profitieren auch die drei Kinder.»

Milchmarkt hat sich entspannt

«Aktuell sieht die Situation auf dem Milchmarkt gegenüber den Vorjahren 2012 und 2013 dank etwas höherer Preise wieder leicht besser aus», sagt der stellvertretende Direktor der Schweizer Milchproduzenten, Stefan Hagenbuch. Langsam kehrt wieder Optimismus in die Branche ein. Das zeigt sich daran, dass viele Landwirte wie Egli die Milchproduktion ausbauen. Die Milchproduzenten seien seit Jahren stark gefordert, die Abläufe zu optimieren. «Einige machen das durch ein Wachstum des Betriebs», sagt Hagenbuch.

Doch weil kleine Betriebe an Grösse zulegen, verschwinden die durchschnittlichen Betriebsgrössen von der Landkarte. Dafür steigt gemäss der Jahresstatistik 2013 der TSM Treuhand die Zahl der Grossbetriebe. 2013 gab es in der Schweiz 30 «Milchmillionäre», also Betriebe, die mehr als eine Million Kilogramm Milch im Jahr produzieren. Das sind fünf Betriebe mehr als 2012. Auch die Zahl der grossen Betriebe, die zwischen 400 000 und 1 Million Kilogramm Milch produzieren, ist deutlich gestiegen.

Technik wurde stark verfeinert

«Je nach wirtschaftlicher Situation und betrieblichen Abläufen kann die Anschaffung eines Melkroboters eine sinnvolle Anschaffung sein», sagt Hagenbuch. Nicht umsonst sind Melkroboter in der Landwirtschaft im Vormarsch. «Die Nachfrage nach automatischen Melksystemen ist in den vergangenen Jahren sehr angestiegen», sagt dazu Urs Schmid, Produktleiter bei der DeLaval AG mit Hauptsitz in Sursee. Allein im Jahr 2013 habe der Absatz um 25 Prozent zugenommen. Melkroboter kommen seit Beginn der 1990er-Jahre in der Landwirtschaft vermehrt zum Einsatz. Bis heute ist die Technik stark verfeinert worden. Dabei wird das Melkgeschirr automatisch mit Erkennungssystemen auf Basis von Ultraschall, Laser und optischen Sensoren an den Euter der Kuh angeschlossen. Die Hauptvorteile für den Landwirt: Die körperliche Belastung wird reduziert, und er spart ausserdem auch Melkzeit.

«Es braucht nur einen Melkplatz für 70 Kühe, da während 24 Stunden gemolken wird», sagt Schmid. Zudem können Daten für eine bessere Kontrolle der Tiergesundheit erhoben werden.

Die Kuh kann selbst entscheiden

Durch den Laufstall hat der Landwirt einen besseren Überblick über die Herde, und die Kühe haben mehr Komfort. «Die Kuh kann zudem ihre täglichen Bedürfnisse selber einteilen», sagt Urs Schmid. Das Tier entscheidet selbst, zu welcher Zeit gemolken wird und wann es fressen oder liegen will. «Dadurch verbessert sich die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Tiere», sagt Schmid. Der Landwirt habe zudem mehr Zeit für die Pflege des Tieres.

In der Mehrzahl der Fälle läuft ein Melkroboter schon nach kurzer Zeit problemlos. Aber es gibt auch Betriebe, die gewisse Probleme bei der Umstellung haben. Der Geuenseer Landwirt Patrick Egli hat mit seinem Melkroboter bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht. «Die Umstellung dauert zwei Monate, dann sollte der Betrieb normal laufen», sagt er.

Weniger Betriebe

Die Zahl der milchproduzierenden Betriebe in der Schweiz ist im vergangenen Jahr um 879 zurückgegangen. Gemäss TSM Treuhand wurden noch 23 490 Betriebe gezählt.

Mehr «Millionäre»

Gestiegen ist hingegen im vergangenen Jahr die Zahl der Betriebe, die mehr als 1 Million Kilogramm Milch produziert haben. Die Zahl der so genannten «Milch-Millionäre» stieg von 25 auf 30.

Höhere Produktion

Durchschnittlich produzierten die Milchbetriebe in der Schweiz im vergangenen Jahr 140'657 Kilogramm Milch. Das ist ein Zuwachs von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.