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MILCHMARKT: «Unser Budget ist Makulatur»

Die Luzerner Emmi-Gruppe hat gestern gute Umsatzzahlen für das Jahr 2014 präsentiert. Doch die Aussichten sind getrübt. Emmi-Chef Urs Riedener sagt im Interview, warum.
Urs Riedener leitet als CEO seit 2008 die Geschäfte des Luzerner Milchverarbeiters Emmi. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ (Archiv))

Urs Riedener leitet als CEO seit 2008 die Geschäfte des Luzerner Milchverarbeiters Emmi. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ (Archiv))

Interview Bernard Marks

Urs Riedener, die Umsatzentwicklung der Emmi-Gruppe liegt mit einem Plus von 3,2 Prozent für das vergangene Jahr voll im Plan. Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Urs Riedener*: Wir sind zufrieden, aber das Ergebnis 2014 liegt für uns schon weit in der Vergangenheit.

Warum?

Riedener: Mit dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB), den Mindestkurs zum Euro aufzuheben, hat sich auch für uns auf einen Schlag sehr viel verändert. Uns fehlen für das Jahr 2015 rund 15 Prozent unseres Auslandumsatzes von 400 Millionen Franken. Das ergibt 60 Millionen Franken, die uns in der Kasse fehlen werden. Das reisst ein grosses Loch in unser Ertragsbudget. Das müssen wir jetzt so schnell wie möglich zumindest teilweise einsparen. Aus diesem Grund haben wir eine ganze Reihe von Massnahmen eingeleitet.

Welcher Art?

Riedener: Zum Beispiel werden wir im Ausland die Preise unserer Produkte anheben müssen. Dies beispielsweise bei Caffe Latte, Müesli, Fondue oder Kaltbach-Käse. Wir können aber kaum den vollen Betrag aufschlagen, denn unsere Produkte sind bereits heute hochpreisig, und wir wollen nicht zu viel Absatz verlieren. Wir werden zudem weitere Kosten im Unternehmen einsparen.

Wie ernst ist die Lage für Emmi?

Riedener: Am 16. Januar war unser Budget für 2015 schlagartig Makulatur. Für das kommende Jahr kann ich schon sagen, dass wir unsere ursprünglichen Budgets und internen Umsatzziele nicht erreichen können. Die neue Wechselkurssituation ist für Emmi auf dem Schweizer Markt weniger problematisch, wenn die Schweizer auch in Zukunft in der Schweiz einkaufen. Doch für unseren Export ist der starke Franken sehr negativ. Und das ist wohl kein kurzfristiges Ereignis, sondern das wird uns als Exporteur langfristig begleiten.

Als eine dieser Massnahmen hat Emmi angekündigt, ihren 6400 Lieferanten weniger für ihre Milch auszuzahlen. Zentralschweizer Milchproduzenten haben auf diese Meldung verärgert reagiert, weil sie nun mit Lohneinbussen rechnen müssen. Wie kommt dieser Ärger bei Emmi an?

Riedener: Ich kann die Milchproduzenten in ihrem Ärger gut verstehen. Unser Entscheid, rund 2 Rappen weniger für ein Kilogramm Milch zu zahlen, ist uns deshalb sicher nicht einfach gefallen. Die Senkung des Milchpreises ist nur eine von vielen Massnahmen, die wir nach dem SNB-Entscheid treffen mussten. Und sie deckt aber nur einen kleinen Teil des Gesamtschadens, der bei uns jetzt vorliegt.

Das sehen Produzenten anders.

Riedener: Verständlich, aber die Milchproduzenten müssen verstehen, dass Emmi nicht der Markt ist. Der Schweizer Milchmarkt ist eng mit dem europäischen verwoben, und die Schweiz muss und will einen beträchtlichen Teil der Milch exportieren. Dies geht nur mit marktfähigen Preisen. Darum wird der Milchpreis vom Weltmarkt beeinflusst. Und die Lage auf dem internationalen Milchmarkt hat sich in den letzten Monaten dramatisch zum Schlechten verändert. Trotz einer sinkenden Nachfrage unter anderem in China und aufgrund der Russlandsanktionen – wird in Europa immer mehr Milch produziert. Die Kontingente werden in diesem Jahr aufgehoben. Dadurch ist der Milchpreis in der EU bereits auf rund 30 Rappen pro Kilo gesunken. In der Schweiz spüren wir diese Entwicklung auch – nur verzögert. Die Schweizer Landwirtschaft hat im Jahr 2014 über 3,5 Millionen Tonnen Milch produziert. Emmi hat zu einem guten Preis die rekordhohe Milchmenge von 940 000 Tonnen abgenommen (siehe Grafik) und viel davon international vermarktet. Nicht zuletzt Zentralschweizer Milchbauern haben im Vergleich zu Produzenten in anderen Regionen der Schweiz beim Preis am meisten profitiert. Nach dem SNB-Entscheid hat sich die Lage aber nun verändert – aber für alle.

Im Jahr 2013 hat Emmi einen Reingewinn von 90 Millionen Franken erwirtschaftet. Wie wichtig ist es, dass Emmi solch hohe Gewinne macht?

Riedener: Emmi ist ein wichtiger Teil des gesamten Agrarsystems der Schweiz. Denn wenn es Emmi nicht gut geht, haben wir auch in der Schweizer Milchwirtschaft ein Absatzproblem. Immerhin verarbeiten wir einen Drittel der Milch, die in der Schweiz produziert wird. Deshalb müssen wir in der Konzernleitung sicherstellen, dass Emmi als grösster Schweizer Milchverarbeiter langfristig profitabel arbeitet. Den Gewinn braucht ein Unternehmen dieser Grössenordnung, um in neue Produkte und Strategien investieren zu können. Unsere Ziele für die Reingewinnmarge sind mit 2,5 bis 3,5 Prozent aber vergleichsweise gering.

Was wären Alternativen zur Milchpreissenkung gewesen?

Riedener: Weniger Milch abzunehmen. Ähnlich macht es zum Beispiel die Sortenorganisation Appenzeller. Sie erhöht die Preise im Ausland und reduziert gleichzeitig die Käseproduktion um 20 Prozent. Zudem senken die Appenzeller den Preis für Milch um 5,1 Rappen. Die Produzenten des Appenzeller Käses haben sich übrigens dazu freiwillig bereit erklärt. Emmentaler hat die Preise bereits um 4,5 Rappen gesenkt, andere Milchverarbeiter haben den Milchpreis für ihre Zulieferer um bis zu 10 Rappen gesenkt. Wir sind dem internationalen Markt ausgesetzt, und dem können und wollen wir uns nicht verschliessen. Das Einfachste wäre, die Milchmenge zu verkleinern, aber das können wir und wollen es nicht, denn die Milch ist das international wertvollste landwirtschaftliche Exportprodukt. Zudem stehen wir zum Produktionsstandort Schweiz. Den Preis zu senken, war also die beste Option, die wir treffen konnten, neben anderen Massnahmen, die wir auch eingeleitet haben.

Wird der Milchpreis weiter sinken?

Riedener: Die europäische Milch ist am 16. Januar um 6 Rappen günstiger geworden gegenüber der Schweizer Milch. Das wird sich so rasch nicht ändern. Gleichzeitig haben wir in Europa ein sehr tiefes Preisniveau. Ich glaube aber, dass wir irgendwo eine natürliche Grenze erreicht haben. Ich gehe deshalb davon aus, dass sich der Milchpreis international beruhigen wird.

Was bedeutet das für Schweizer Milch?

Riedener: Man sollte jetzt nicht schwarzmalen. Im Grundsatz bleibt Milch ein gefragtes Gut, auch in Zukunft. Wir täten aber in der Schweiz nicht schlecht daran, für mehr Planungssicherheit zu sorgen. Insbesondere den Milchproduzenten hilft das. Beim A-Milchpreis** gibt es ja bereits schon eine Glättung. Es wäre wichtig, dass wir in der Schweiz einen Milchpreis von über 60 Rappen zahlen. Dafür braucht es im Moment die Hilfe des Bundes mit der Aufstockung der Exportbeiträge (Schoggi­gesetz).

Hinweis

*Urs Riedener (49) ist seit 2008 CEO und Vorsitzender der Emmi-Konzernleitung.

**Der Preis bezieht sich auf die Milch-Segmente A, B und C. Die A-Milch hat den grössten Anteil.

Bild: Grafik: Oliver Marx / Neue LZ

Bild: Grafik: Oliver Marx / Neue LZ

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