Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Interview

Milliardär und Helvetic-Besitzer Martin Ebner: «Die Klimadebatte ist eine Hysterie!»

Martin Ebner hat für seine Helvetic Airways zwölf neue Flugzeuge gekauft. Im Interview spricht der Investor über seine Expansionspläne, verrät, was er von Flugscham hält und übt Kritik an der Politik der Nationalbank.
Benjamin Weinmann
Helvetic Besitzer Martin Ebner strahlt an der Premiere und Einweihung des Embraer E190-E2 der Helvetic Airways (Bild: Walter Bieri/Keystone, Kloten, 31. Oktober 2019)

Helvetic Besitzer Martin Ebner strahlt an der Premiere und Einweihung des Embraer E190-E2 der Helvetic Airways (Bild: Walter Bieri/Keystone, Kloten, 31. Oktober 2019)

Die Schweizer Regionalfluggesellschaft Helvetic Airways hat am Donnerstag ihr erstes Flugzeug des Typs Embraer E190-E2 präsentiert. Insgesamt hat die Airline 12 Stück bestellt, welche ab November schrittweise die bisherige Flotte erneuern und vergrössern werden. Firmenchef Tobias Pogorevc betont, dass die neuen Flugzeuge des brasilianischen Herstellers Embraer deutlich effizienter und leiser sind als die Fokker-100-Maschinen, mit denen Helvetic derzeit fliegt. Nur: Die neuen Flugzeuge haben Triebwerke von Pratt & Whitney, also jenem US-Hersteller, dessen Motoren kürzlich bei der Swiss für ein temporäres Grounding ihrer A220-Maschinen sorgten.

Inzwischen müssen die Swiss-Maschinen auf Geheiss der US-Behörden teilweise das Tempo drosseln. Helvetics neue Flieger haben eine Variante des selben Triebwerks im Einsatz. Die Probleme bei der Swiss haben nun auch Folgen für Helvetic. Laut Pogorevc müssen die neuen Flugzeuge durch zusätzliche Kontrollen, auf Anordnung der US-Behörden.

Nach 50 Cycles – ein Start und eine Landung entsprechen zwei Cycles – sind ausserordentliche Triebwerkinspektionen nötig, und zwar bis 300 Cycles erreicht sind. Ein solcher Sondercheck dauert zwei Stunden. Helvetic-Inhaber und Multimilliardär Martin Ebner war an der Präsentation mit seiner Frau Rosmarie ebenfalls anwesend. Im Interview mit CH Media nimmt er Stellung zu den Triebwerken, zur Flugscham und den Negativzinsen der Nationalbank.

Herr Ebner, Ihre neuen Flugzeuge haben ähnliche Triebwerke des Herstellers Pratt&Whitney wie die A220 der Swiss, die kürzlich für Schwierigkeiten sorgte. Die US-Flugsicherheitsbehörden haben Ihnen nun zusätzliche Kontrollen verordnet. Machen Sie sich grosse Sorgen?

Martin Ebner: Nein im Gegenteil. Ich bin massiv erleichtert! Denn die Behörden haben uns am Mittwochabend bestätigt, dass wir sie ohne operationelle Einschränkungen einsetzen können. Die Flugzeuge fliegen normal und sie müssen im Gegensatz zu den A220 auch nicht die Geschwindigkeit drosseln. Als die Probleme bei der Swiss auftauchten, machte ich mir natürlich schon gewisse Sorgen. Ich bin aber nach wie vor zuversichtlich, auch weil wir nicht die ersten Abnehmer dieses Typs sind. In Norwegen fliegt das Flugzeug bereits seit eineinhalb Jahren, ohne jegliche Probleme.

Insgesamt kaufen Sie zwölf Flugzeuge von Embraer für rund 600 Millionen Franken. Was bedeutet diese Investition für Sie persönlich?

Für mich ist es eine willkommene Diversifikation, da ich ja auch an anderen Firmen beteiligt bin im Bereich Pharma, Software oder Immobilien. Der einzige Cash-Flow, den ich aus diesen Investitionen erhalte, sind Dividenden. Mein Engagement bei Helvetic ist anders. Ich investiere viel Geld, erhalte aber jeden Monat Geld zurück. Insofern ist dieses Modell berechenbarer.

Wirklich? Das Aviatikgeschäft gilt nicht als besonders berechenbar. Zudem ist in Europa von einer Rezession die Rede…

Auch in rezessiven Phasen wird geflogen. Und solange wir das beste Produkt am Markt haben, scheiden wir als Letzte aus.

Nebst einer drohenden Rezession lastet die Klimadebatte auf der Luftfahrtindustrie.

Für mich ist die aktuelle Klimadebatte in Europa eine Hysterie.

Sie haben also noch nie an einer Klima-Demo teilgenommen?

Nein. Solche Demonstrationen sagen mir nichts. Natürlich gibt es einen Klimawandel, ohne Zweifel, aber die Massnahmen, die zurzeit in der Schweiz propagiert werden, machen unter einem Kosten-Nutzen-Aspekt einfach keinen Sinn.

Sie meinen die Ticketabgabe auf Flüge.

Ja. Eine solche Steuer allein in der Schweiz würde global gesehen nichts ausmachen. Schon in der Bibel hiess es: Der Wind weht wo er will. So ist es nun mal.

Ich fände es viel klüger, wenn die Schweiz in neue Technologien investieren würde. Das ist ja immerhin eines unsere Kerngebiete.

Und solche neuen Technologien könnte man dann auch den Indern und Chinesen verkaufen.

Man merkt: Sie halten nicht viel von der viel beschworenen Flugscham.

Diese Debatte geht wieder vorbei. Nochmals, für mich ist das eine Hysterie.

Nach den eidgenössischen Wahlen und der grünen Welle könnte es aber sehr wohl zu einer Flugticketabgabe kommen. Setzen Sie sich auch politisch dagegen ein?

Nein. Manche Politiker packen nun halt die Chance, damit der Staat mehr Geld bei den Privaten holen kann. Dabei wird eine solche Steuer nichts ändern, die Leute werden nicht weniger fliegen. Andererseits hilft uns die Debatte aber natürlich. Denn unsere neue Flotte wird die modernste, leiseste und effizienteste Flotte ganz Europas sein.

Sie haben Optionen für zwölf weitere Maschinen. Insgesamt würden Sie dann über eine Milliarde Franken an Embraer überweisen. Wie gross stehen die Chancen heute, dass Sie von diesen Optionen Gebrauch machen?

Abwarten (lacht). Nur so viel: Wir wollen wachsen. Momentan sind wir aber noch in Preisverhandlungen.

Trotz des günstigen Zinsumfelds wollen Sie die Flieger aus der eigenen Tasche finanzieren. Halten Sie an diesem Modell fest?

Ja, das ist das Ziel. Unsere Embraer-E2 ist ein neues Flugzeug, und da wäre es naiv zu glauben, dass es nie Probleme geben könnte. Mit der Eigenfinanzierung will ich verhindern, dass Helvetic in so einem Fall plötzlich als Gesellschaft gefährdet wäre. Ohne Fremdfinanzierung bleiben wir unabhängiger. Kommt hinzu, dass sich unsere Kunden wie die Swiss, für die wir künftig acht Flugzeuge künftig einsetzen, sicher sein wollen, dass wir ein stabiler Partner sind.

Die Nationalbank geriet zuletzt wegen Ihrer Negativzins-Politik in die Kritik. Ihre Meinung?

Ich finde die Geldpolitik der Nationalbank katastrophal. Ökonomisch sowieso, aber ich glaube auch, dass sie gegen die Verfassung verstösst. Sie betreibt mit ihren Aktionen Strukturpolitik, obwohl das nicht ihr Auftrag ist.

Ihr Problem ist, dass sie nicht gemerkt hat, dass die heutige Inflation nicht mit jener vor 30 Jahren zu vergleichen ist. Dennoch arbeitet sie mit den gleich alten Modellen, obwohl die heutige Welt viel globalisierter ist.

Man kann nicht mehr von einer geschlossenen Volkswirtschaft sprechen. Hinzu kommt ihre Politik in Sachen Währungskurs.

Was stört Sie daran?

Sie nimmt den Konsumenten die Chance, dass ihre Kaufkraft steigt. Dabei sind die flexiblen Währungskurse ja das Geheimnis unseres heutigen Wohlstands! Weil wir diese seit den 70er-Jahren akzeptiert haben, ist unsere Kaufkraft heute so viel stärker als jene der Deutschen oder Österreicher. Die erste Intervention der Nationalbank mit dem Mindestkurs, als der Euro massiv absackte, war noch vernünftig. Aber dann blieb sie dabei und nun weiss sie nicht mehr, wie sie da wieder raus kommen soll.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.