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Kolumne

Aussichten: Mit Algorithmen sprechen

Informatikprofessor Edy Portmann über die Kombination von Blockchain und künstlicher Intelligenz.
Edy Portmann

Haben Sie sich an einem Abstimmungssonntag auch schon gefragt, ob Ihre Stimme auch tatsächlich gezählt wurde? Oder ob ein Onlinehändler wirklich der ist, welcher er zu sein behauptet? Um hier auf Nummer sicher zu gehen, brauchen wir dezentralisierte Datenbanken und smarte Systeme, in welche Datensätze sicher gespeichert und grundlegende Fakten verifiziert werden können; und zwar von jedermann, denn keiner darf diese Systeme durch unrechtliche Manipulation überlisten können. Ein Fall für die «Blockchain»? Ja, denn diese vermag Abstimmungen zu verifizieren und Onlinehändler zu überprüfen. Auf «Kryptografie» bauend – Whistleblower Edward Snowden glaubt, dass richtig implementierte Kryptosysteme eines der wenigen Dinge seien, auf die man sich verlassen könne –, entwachsen solche Systeme mehr und mehr den Laboren und verändern unsere Welt. So auch das Städtchen Zug.

Ab Mitte nächster Woche trifft sich da alles, was Rang und Namen hat, an der «CryptoValley-Konferenz» zum Austausch über den Stand der Forschung und Entwicklung sowie um über neue Anwendungsmöglichkeiten dieser Technologie zu fachsimpeln. Eine Blockchain kennzeichnet eine stetig wachsende Liste von Datensätzen («Blocks»), die verschlüsselt und miteinander verkettet werden (engl. «to chain»); in ihr werden kodierte Informationen in einem Computernetzwerk verteilt gespeichert. Keiner «besitzt» das dezentrale Datenbanksystem, es kann aber sehr wohl von jedermann benutzt werden; und das ist zentral, denn es bedeutet, dass es für Sie, mich oder andere schwierig ist, das ganze Netzwerk zu hacken, zu beschädigen oder zu zerstören. Wir alle setzen unsere Computer ein, um Bündel von Datensätzen, die von Dritten eingereicht wurden, in einer chronologischen Kette zu halten.

Ist also die Zeit für so eine Antwort auf die Finanz- und Bankenkrise gekommen? Oder wird sie erst da sein, wenn die Blockchain vollständig umgesetzt und damit Geld verdient wird? Und, wo setzt man sie am besten ein? Vermutlich haben Sie schon von Bitcoins gehört, jenem Zahlungssystem, welches von einem gewissen Satoshi Nakamoto erfunden wurde. Weil dieses System keine Bank braucht, unterscheidet es sich von Kreditkarten und anderen Möglichkeiten der Geldüberweisung. Stattdessen helfen wir alle, Geld sicher im Netz zu übertragen, indem wir Transaktionen mit unseren PCs validieren.

«Das Zusammenspiel der Blockchain-basierten Dinge des Internets mit künstlicher Intelligenz wird es uns ermöglichen, direkt und sicher mit uns umgebenden Sensoren zu ‹sprechen›.»

Digitales Geld ist aber nur die Spitze des Eisbergs; dereinst könnte die Blockchain auch auf unsere digitalen Identitäten sowie die unserer Geräte, etwa im Internet der Dinge, zugreifen und so, mit künstlicher Intelligenz (KI) gepaart, vollständig automatisierte Firmen ermöglichen. Gegenwärtig nähert sich KI dem Internet der Dinge immer schneller an; Kryptosysteme können zu Drehscheiben werden, welche Daten, Informationen und Wissen mit Automatisierung verknüpfen und somit diese Konvergenz befeuern. Ein zur Annäherung passendes «KI-Konzept», welches diesen kommenden Firmen als Schnittstelle zu uns Menschen dienen könnte, wird sie befähigen, mit Wörtern und Wahrnehmungen umgehen zu können; darin sieht der Mathematiker Enric Trillas auch einen Weg, eine Intelligenz zu schaffen, die «für uns automatisch soziale, medizinische, wirtschaftliche oder technologische Handlungen ausführen kann».

Die Weiterentwicklung des «Rechnens mit Zahlen» führt zu einer «natürlicheren» KI. Das unterliegende «Rechnen mit Wahrnehmungen» ist vom Gehirn inspiriert, Aufgaben ohne Messungen und Berechnungen ausführen zu können; zum Beispiel in stockendem Verkehr zu manövrieren, einem Vortrag zu folgen oder diesen zusammenzufassen. Es baut auf der Hirnfunktion, Wahrnehmungen wie Entfernung, Grösse, Geschwindigkeit, Wahrheit sowie andere Eigenschaften von physischen und mentalen Objekten zu verarbeiten. Mit auf diesem Ansatz bauenden Firmen werden Sie ganz natürlich interagieren, ohne zu merken, dass Sie es eigentlich mit Algorithmen zu tun haben. Das Zusammenspiel der Blockchain-basierten Dinge des Internets mit KI wird es uns etwa ermöglichen, direkt und sicher mit uns umgebenden Sensoren zu «sprechen».

«Zug ist hervorragend positioniert, um das dezentralisierte politische System der Schweiz optimal zu nutzen», steht auf der Webseite der Crypto Valley Association – und das stimmt! Das Städtchen bietet ein steuergünstiges und firmenfreundliches Umfeld, eine offene Kultur und schnellen Zugang zu globalen Netzwerken, was derzeit viele der führenden Kryptofirmen anlockt. Wenn nun soziale Interaktions- mit technischen Blockchain-Aspekten in Einklang gebracht werden, könnten hier solch vollautomatisierte Firmen entstehen, welche die Welt im Sturm erobern – Anwendungsmöglichkeiten gibt es auf jeden Fall zuhauf, wie wir nur schon an den einleitenden Beispielen erkennen. Und, wie sagt der Volksmund so schön? Die Zukunft gehört niemandem. Wer aber Grosses wagt, dem wird Grosses widerfahren!

Der gebürtige Luzerner Edy Portmann ist Informatikprofessor und Förderprofessor der Schweizerischen Post am Human-IST-Institut der Universität Freiburg.

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