Autoversicherung nach Mass: Startup passt Prämie dem Fahrverhalten an 

Ein Zuger Jungunternehmen bietet eine Autoversicherung an, bei welcher die Prämie aufgrund des individuellen Fahrverhaltens berechnet wird. Datenschützer sind hellhörig, der Anbieter verspricht ein faires Angebot.

Raphael Bühlmann
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«Pay-How-You-Drive», bezahle wie Du fährst. Damit werden Prämien dem Fahrverhalten angepasst. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (Zürich, 4. März 2019)

«Pay-How-You-Drive», bezahle wie Du fährst. Damit werden Prämien dem Fahrverhalten angepasst. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (Zürich, 4. März 2019)

Wer zahlt wie viel für seine Autoversicherung? Die Beantwortung dieser Frage hat in der Vergangenheit immer wieder für Kontroversen gesorgt. Für die Prämien-Festsetzung zählen nämlich nach wie vor kategorische Parameter wie Alter oder Nationalität. Der Schweizerische Versicherungsverband (SVV) erklärt: «Die Motorfahrzeugversicherer versuchen das Risiko des einzelnen Autofahrers so gut wie möglich zu erfassen».

Dafür würden sie Kunden nach Gruppen einteilen und die Risiken mit ähnlichen Merkmalen zusammenfassen. Für die Bildung solcher Kategorien stützen sich Versicherer auf ihre Schadenhistorie und auf eigene, oder öffentliche Statistiken. «Für den Schadenverlauf in der Autoversicherung statistisch relevant sind unter anderem Geschlecht, Alter, Wohnort, Fahrzeugtyp, Fahrpraxis und Nationalität. Die Versicherer gewichten diese Kriterien entsprechend ihrem jeweiligen Geschäftsmodell unterschiedlich, was zu unterschiedlichen Prämien führen kann», sagt SVV-Sprecherin Sabine Alder. Dabei dürften die Versicherer aber nur Faktoren einbeziehen, die sich statistisch belegen lassen.

Albaner zahlen mehr Prämie

Diese Praxis führt heute unter anderem dazu, dass Personen mit ausländischer Abstammung, zum Beispiel Albaner, wesentlich mehr für ihre Autoversicherung bezahlen. Das sei ungerecht, finden die Firmengründer und entwickelten ein Modell, nach dem sich das Risiko für jeden Versicherungsnehmer individuell berechnen lässt. «Unser System baut auf zwei Prinzipien auf», erklärt Dimitri Wulich, COO der Kasko2go AG. «Pay-As-You-Drive» besagt, dass die Prämie von der Anzahl gefahrener Kilometer abhängt. Unsere Kunden erhalten rückwikend für jeden Monat eine Abrechnung, welche die zurückgelegten Kilometer berücksichtigt», so Wulich. Der zweite Grundsatz trägt der individuellen Fahrweise Rechnung - «Pay-How-You-Drive». Eine auf dem Smartphone installierte App sammelt dazu via GPS Telemetrie-Daten. «Wir erfassen, wie jemand beschleunigt, bremst, sich bei gefährlicher Witterung verhält oder auch, ob jemand häufiger gefährliche Strecken fährt».

Das ruft den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) auf den Plan: «Mit der Einführung von Pay-As-You-Drive-Modellen könnte es zu tief greifenden Veränderungen im Versicherungsmarkt für Motorfahrzeuge kommen. Es stellt sich die Frage, inwieweit sich künftig ein Kunde überhaupt einer solchen Lösung entziehen kann». heisst es in einer Stellungnahme. Ferner besteht für den Datenschützer die Gefahr, dass die gesammelten Daten für weitere Versicherungen (oder andere Zwecke) verwendet werden könnten. «Es könnte insbesondere Eingang finden in die Risikoberechnung bei Lebens-, Invaliditäts- und Unfallversicherungen, und im schlimmsten Fall dazu führen, dass der Versicherungsgeber es ablehnt, die betroffene Person aufzunehmen; diese hätte dann keine Möglichkeit mehr, sich gegen entsprechende Risiken zu versichern». Deshalb müssten Versicherte sicherstellen, dass die Datenschutzgrundsätze der transparenten Information und freien Einwilligung der Versicherungsnehmer sowie die Zweckmässigkeit und Verhältnismässigkeit der Datenbearbeitung berücksichtigt sind, schreibt der EDÖB auf Anfrage.

12 Mitarbeiter in Zug

Für Kasko2go ist klar: das Modell wird zur Sicherheit auf Schweizer Strassen beitragen. So könnten doch beherrschte Lenker tiefere Prämien herausfahren, während sportliche Fahrer den regulären Preis bezahlten. Laut Wulich sei es nicht zwingend, die App in Betrieb zu haben. «Es kann ja sein, dass man das Smartphone nicht im Fahrzeug hat oder die Batterie leer ist. In dem Fall ist man genau gleich versichert und es erwachsen dem Kunden auch keine Nachteile», so Wulich. Laut Wulich soll es das System ermöglichen, dass gewisse Personen ihre Versicherungsprämien um bis zu 50 Prozent senken können.

Kasko2go wurde 2017 gegründet und beschäftigt weltweit über 65 Mitarbeitende, davon 12 am Hauptsitz in Zug. Weltweit hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 150000 Nutzer. In der Schweiz ist die App seit April auf dem Markt und steht auf den einschlägigen Plattformen kostenlos zum Download bereit (Android/iOS). Kasko2go spannte dazu mit dem Versicherungspartner Dextra zusammen.