Aérosalon
Mit der Drohne ins Büro: Flugtaxis könnten den überlasteten Stadtverkehr revolutionieren

Bei der Luftfahrtmesse in Le Bourget liegt das Augenmerk auf Lufttaxis für Stadtzentren und Drohnen für Transporteinsätze. Bei den zivilen Grossflugzeugen läuft das Geschäft rund, auch wenn die Bestellungen vorübergehend zurückgehen.

Stefan Brändle, Paris
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Die chinesische Firma Ehang entwickelt mit dem Modell «184» ein Elektro-Flugtaxi für den Stadtverkehr (hier in Dubai).

Die chinesische Firma Ehang entwickelt mit dem Modell «184» ein Elektro-Flugtaxi für den Stadtverkehr (hier in Dubai).

HO

Ohrenbetäubende Düsenjets, gereckte Zuschauerhälse – und hinter den Kulissen diskrete Verhandlungen im Schutz sonnenbebrillter Türsteher: Der alle zwei Jahre stattfindende Aérosalon von Le Bourget bei Paris hat am Montag seine Tore geöffnet.

Für einmal wird das weltgrösste Treffen der Luftfahrtbranche keinen neuen Bestellungsrekord einspielen. Vor zwei Jahren hatten Airbus und sein US-Rivale Boeing zusammen fast 100 Milliarden Euro an Aufträgen eingefahren. Jetzt sind die Fluggesellschaften etwas knausriger. Der wichtigste Grund ist nicht sehr ökologisch: Wegen der tiefen Ölpreise haben Carriers weniger finanzielle Anreize, die älteren Spritfresser ihrer Flotte abzustossen und durch Neumaschinen mit tieferem Kerosinverbrauch zu ersetzen.

Platzhirsche bleiben vorn

Die Bestellflaute dürfte allerdings nur vorübergehend sein. Laut einer neuen Branchenstudie wird sich der zivile Flugverkehr in den nächsten zwanzig Jahren verdoppeln. Das erfordert 35 000 neue Maschinen. Auch das amerikanische Beraterbüro Alix Partners geht von einer Zunahme des Passagiervolumens um jährlich 4 bis 5 Prozent aus.

Bei Airbus sind die Auftragsbücher zudem mit weit über 6700 Maschinen gefüllt; Boeing kommt auf deren 5700. Neue Konkurrenten wie die chinesische Comac oder die russische Irkut – beide sind dieses Jahr mit ihren brandneuen Mittelstreckenflugzeugen zu Pionierflügen gestartet – drängen zwar in den Markt; sie werden aber noch mindestens ein, wahrscheinlich eher zwei Jahrzehnte lang hinter den beiden Platzhirschen zurückbleiben.

Die Stammfehde von Airbus und Boeing geht auch in Le Bourget weiter – und wie üblich mit Elementen psychologischer Kriegsführung. Die Amerikaner präsentierten am Montag eine verlängerte Version des B737 und bemühten sich um erste Aufträge indischer und chinesischer Leasing-Firmen.

Der joviale Airbus-Verkaufschef John Leahy tut den «Max10» nur als «Mad Max» ab. Boeing hat aber am Montag einen weiteren Pfeil aus dem Köcher gezogen – den B797. Diese Maschine soll ab 2024 bis zu 250 Passagiere 8300 Kilometer weit befördern können. Airbus-Vertreter bekräftigten in Le Bourget die Idee, dem B797 zuvorzukommen und zuvor eine Langversion des A321 auf den Markt zu werfen.

Le Bourget 2017 zeigt auch auf, wie schnell die Elektro-Technologie die Luftfahrt erobern wird. Dazu gehören Flugtaxis, die wie Drohnen funktionieren und den überlasteten City-Verkehr revolutionieren könnten. Airbus arbeitet an einem modularen Projekt namens «pop.up», bei dem sich ein fahrendes Elektro-Taxi in eine fliegende Drohne verwandeln lässt.

Fliegende Taxis im Anflug

Die chinesische Firma Ehang entwickelt ihrerseits ein Modell «184» für Passagiere mit weniger als 100 Kilo Gewicht (einschliesslich Handgepäck); vier Propeller erlauben einen Radius von 40 Kilometern, ideal zum Beispiel für den Weg vom Flughafen auf das Dach eines Büroturmes in der City. Gesteuert wird das Ding aus der Ferne, sodass sich der Passagier wie in einem – allerdings sehr engen – Taxi wähnen darf.

Airbus will in zehn Jahren elektrisch betriebene Helikopter anbieten. Schluss ist dagegen mit dem gross angekündigten Pilotprojekt «E-Fan», einem vollelektrischen Zwei-Platz-Flugzeug. Das Eurokonsortium aus Franzosen, Deutschen, Briten und Spaniern setzt lieber auf die Hybridtechnik aus Sprit und Elektrobatterien. Letztere sollen langfristig auch Grossraumflugzeuge mit bis zu 100 Passagieren antreiben. Die CO2-Einsparung wäre allerdings gering und würde im besten Fall 25 Prozent betragen.

Abgesehen davon entwickelt die neue Airbus-Tochter Aerial Drohnen für den Transport nicht von Personen, sondern von Objekten in schwer zugänglichen Orten wie zum Beispiel Erdbebenzonen. Auch die rasche Datensammlung würde erleichtert. Die Hunderttausenden von Zuschauern, die nach den Geschäftstagen ab Freitag nach Le Bourget strömen werden, müssen sich allerdings teilweise mit blossen Drohnen-Pilotstudien begnügen.