1. August
Mit «Lädele» und «Pöschtele» den nationalen Geburtstag feiern

Velotour oder Einkaufstour? Seit 15 Jahren besteht am 1. August dieses Dilemma nicht mehr. Theoretisch jedenfalls. Praktisch lassen sich nationaler Feiertag und Shoppen nach wie vor glänzend verbinden – mit Pass oder ID in der Hand.

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Stau am Zoll in Waldshut

Stau am Zoll in Waldshut

Aargauer Zeitung

Von Rosmarie Mehlin

Erst seit 1994 ist der 1. August gesamtschweizerisch ein Feiertag. Einer dieser Tage also, an denen man beim «Lädele» vor verschlossenen Türen steht. Es sei denn, man nutzt den Geburtstag der Nation zur Pflege internationaler Handelsbeziehungen.

Am Zoll Koblenz konnte Grenzwächter Ruedi Zürcher am Samstag ein Liedlein davon singen: «Bis gegen 8.30 Uhr wars relativ ruhig, aber seither reiht sich auf der Brücke Stossstange an Stossstange - vorwiegend Aargauer, aber auch sehr viele Zürcher, dann auch Luzerner, Berner, Bündner. Die Lastwagen fehlen zwar, ansonsten aber herrscht ein Verkehr wie an Werktagen.» Der Stau vor dem Zoll ist diesmal aber erträglich; die Züge, die alternierend im Halbstundentakt direkt ab Baden oder ab Koblenz nach Waldshut fahren, sind hingegen sehr gut besetzt.

Und genauso sind es die Tische der Strassenbeizen und -cafés auf der Waldshuter Kaiserstrasse. Spitzt man die Ohren, halten Schweizerdeutsch und südbadischer Dialekt sich die Waage.

Susanne Hauser aus Zurzach sitzt vor dem «Lamm» vor einem Fürstenberg Pils und einer Laugenbrezel. Das Geburtstagsgeschenk für den Enkel, ein ganz bestimmtes Lego-Auto, habe sie leider nicht bekommen: «Aber zufällig habe ich ein Necessaire gefunden, das mir sehr gefällt. Wanderschuhe habe ich auch gekauft und eine heruntergesetzte Bluse.» Die Wurstverkäuferin in der Metzgerei Schüle hat nichts zu tun: «Es hat auf der Strasse zwar viele Leute, aber gucken Sie mal, volle Einkaufstüten sieht man kaum.» So ist es.

«Schweizer kaufen gezielter, preisbewusster und weniger bei uns ein, vor allem seit unsere Schweizer Kollegen auch immer mehr die Preise senken», stellt Armin Dott, Besitzer der Schwarzwald-Apotheke, fest. Fredi Kündig aus Zürich verlässt den Drogeriemarkt gegenüber mit einer prall gefüllten Tüte: «Ich bin mit dem Zug hier und fahre jetzt so rasch wie möglich zurück. Es hat mir viel zu viele Leute hier.»

Warum ist er ausgerechnet am 1. August nach Waldshut gekommen? «Einfach so, als Ausflug halt. Das mache ich so ungefähr alle sechs Monate einmal und kaufe dann vor allem Kosmetik und so.» Zum allerersten Mal sind Urs und Sonja Burgherr mit den 15 Monate alten Zwillingen Filip und Lara in Waldshut. Sie wollen hier Möbel kaufen.

Auffallend viele Hunde sind auf der Waldshuter Einkaufsmeile unterwegs, grosse, kleine, dicke, dünne - alle machen hier mit Herrchen und Frauchen einen Zwischenhalt auf der Flucht vor dem 1.-August-Feuerwerk in die Höhen des Schwarzwaldes. Henry Vogel aus dem luzernischen Adligenswil zum Beispiel zieht es mit dem 12-jährigen Mischling Kira und dem 5-jährigen Greyhound Mandy an den Titisee.

Vor der Eisdiele Mona Lisa löffelt Monika Gatri aus Spreitenbach Schoggi-Vanille: «Ich bin zum Flanieren und Geniessen hier; hier einkaufen lohnt sich für mich als Alleinstehende nicht.» Sie sei mit dem Auto gekommen, habe den Stau nicht gescheut: «Am Gotthard waren es heute Morgen schon neun Kilometer.»

Ein älteres Paar nimmt den Zug Waldshut ab 14.03 Uhr. Die zwei kommen aus dem Berner Oberland, haben Kosmetik gekauft und «ein Kilo Fleisch, weil das im Deutschen billiger ist als bei uns». Um 9 Uhr seien sie daheim abgefahren, um 11.30 in Waldshut angekommen. «Das ist doch ein netter Ausflug, jetzt, wo die Thunersee-Schiffe wegen dieser Coop-Aktion total ausgebucht sind. Eine Stunde vor Abfahrt warten die Leute schon aufs Einsteigen.»

Warum gehts so früh schon wieder zurück? «Muess go d Chüngle füettere», sagt der Mann lapidar. Zwei Frauen aus Dietikon nehmen denselben Zug heimwärts. Sie sind recht schwer beladen. Womit? «Mir sin scho dur dr Zoll», sagt die eine, will keine Auskunft geben. Schliesslich verrät die andere, dass sie in Deutschland vor allem Drogerieartikel kaufen würden. Und das am Nationalfeiertag? «Üblicherweise tun wir das jeweils an Sechseläuten oder Knabenschiessen - halt wenn wir freihaben.»