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Mit Schweizer Mini-Sensor wird das Handy zum Thermometer

Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren der Firma Sensirion ermöglichen neue Anwendungen für Smartphones. Von innovativen Spielen bis zur Regulierung der Klimaanlage.

Raffael Schuppisser
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Das kann der neue Sensor

Das kann der neue Sensor

Sensirion

Das Handy ist jetzt schon Kamera, Musikplayer, Fernseher und Spielkonsole in einem. Nun soll das Smartphone auch zum Thermometer und zum Feuchtigkeitsmessgerät werden. Die Schweizer Firma Sensirion hat einen winzigen Sensor für Temperatur- und Feuchtigkeitsmessungen entwickelt, der sich in ein Handy einbauen lässt.

Nächste Woche wird der Sensor am Mobile World Congress in Barcelona, dem wichtigsten jährlichen Treffen der Handy-Branche, dem Markt vorgestellt. Mit den Massen 2 mal 2 mal 0,8 Millimeter ist dieser kaum grösser als ein Stecknadelkopf. Es handelt sich dabei um den weltweit kleinsten Sensor seiner Art.

Eine Vorgänger-Version des Sensors war noch rund doppelt so gross. In Japan ist dieser seit zwei Jahren bereits in den ersten Handys von Fujitsu Toshiba eingebaut. Mit dem neuen Sensor möchte Sensirion auch weitere Handy-Hersteller überzeugen. «Da es bei der Handy-Entwicklung um jeden Millimeterbruchteil geht, ist die Verkleinerung des Sensors entscheidend», sagt Moritz Lechner, Co-CEO von Sensirion, einem ehemaligen Spinn-off der ETH Zürich.

Kosmetik-Apps und Spiele

Neben der Miniaturisierung des Sensors stellte auch dessen Steuerung eine Herausforderung dar. Die Elektronik des Handys erzeugt Wärme – und zwar unterschiedlich viel, je nachdem, welche Funktionen gerade ausgeübt werden. Dank raffinierten Algorithmen wird die geräteigene Wärme ausgeglichen, sodass die wirkliche Temperatur auf rund 1 Grad genau angezeigt werden kann.

Lechner ist überzeugt, dass es auch ausserhalb des technikaffinen Japans einen Markt gibt für Handys, mit denen man Temperatur und Feuchtigkeit messen kann. Auch in der Schweiz. «Verschiedene Hersteller bauen zurzeit Prototypen mit unseren Sensoren. Ich hoffe, dass in einem Jahr auch in der Schweiz die ersten Modelle erhältlich sind», sagt Lechner.

Zwar können Handys heute schon über das Internet den lokalen Wetterbericht abrufen. Doch erst mit einem eigenen Sensor werden Messungen in einem Raum möglich. Dies wird es App-Entwicklern erlauben, neue Anwendungen zu programmieren. Denkbar wäre etwa eine Kosmetik-App, die aufgrund der Luftfeuchtigkeit und Temperatur die ideale Gesichtscreme empfehlen. Auch für Handygames sind neue Anwendungen denkbar. «In einem Bauernhofspiel etwa könnte bei Kälte die Ernte erfrieren, oder aufgrund hoher Luftfeuchtigkeit würden plötzlich Dschungelpflanzen statt Kartoffeln wachsen», sagt Matthias Sala, Geschäftsführer des Schweizer Game Studios Gbanga.

Moritz Lechner ist überzeugt, «dass die App-Entwickler die neuen Möglichkeiten nutzen, sobald man die Sensoren in die Handys einbaut. So war das auch, als Handy-Hersteller angefangen haben, Beschleunigungs- und Lagesensoren in ihre Geräte einzubauen.

Je mehr Sensoren in ein Handy eingebaut werden, desto genauer wird das Bild, welches das Gerät von der Umgebung erhält. Das Handy könnte dann etwa aufgrund eines abrupten Temperaturanstieges sowie der veränderten Luftfeuchtigkeit schliessen, dass es sich in einem Innenraum befindet – und etwa automatisch auf Stumm schalten.

Vernetzung der Sensorendaten

Besonders interessant wird es, wenn man auf die Sensoren-Daten von verschiedenen Handy-Nutzern zurückgreifen kann. Verfügen viele Menschen über ein Handy mit Feuchtigkeits- und Temperatursensor, könnten diese Daten zusammengefügt genutzt werden, um den Wetterbericht zu verbessern.

Denkbar wäre aber auch, dass die Temperatur in einem Raum oder in der Strassenbahn auf die Bedürfnisse der Personen angepasst wird, die sich darin befinden. Tragen die Leute das Handy auf sich, liesse sich feststellen, ob die Menschen schwitzen oder frieren und so die Temperatur der Klimaanlage regeln.