Krankenversicherung

Mit tieferem Selbstbehalt in Managed-Care-Modelle locken

Der Ständerat hat in der Vorlage zur Förderung von medizinischen Versorgungsnetzen gewichtige Differenzen zum Nationalrat geschaffen. Er will Krankenkassen nicht zwingen, Managed Care anzubieten. Zudem will er Patienten mit einem tieferen Selbstbehalt belohnen, die sich solchen Modellen anschliessen.

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Ständerat ist bei Verpflichtung zu Managed Care anderer Meinung als Nationalrat

Ständerat ist bei Verpflichtung zu Managed Care anderer Meinung als Nationalrat

Keystone

Der Ständerat sprach sich am Mittwoch mit 24 zu 8 Stimmen dafür aus, dass Patienten nur noch einen Selbstbehalt von 5 statt wie heute 10 Prozent bezahlen sollen, wenn sie sich bei der Wahl der Krankenversicherung für ein sogenanntes Managed-Care-Modell entscheiden. Wer hingegen auch in Zukunft den Arzt frei wählen will, soll 15 Prozent der Kosten selber tragen müssen.

Gleichzeitig beschloss der Ständerat, den Selbstbehalt für Managed-Care-Versicherte auf jährlich höchstens 500 Franken zu begrenzen. Für alle anderen Versicherten soll ein Höchstbetrag von 1000 Franken gelten.

Anreize schaffen

Mit diesen Anreizen möchten die Gesundheitspolitiker dafür sorgen, dass sich möglichst viele Menschen in der Schweiz einem integrierten medizinischen Versorgungsnetz anschliessen. Sie erhoffen sich von den Netzwerken eine höhere Behandlungsqualität und ein langsameres Kostenwachstum.

Dieses Ziel verfolgt auch der Nationalrat. Er setzte in der Sommersession aber auf ein anderes Anreiz-Modell: Wer sich Managed Care anschliesst, soll weiterhin 10 Prozent bezahlen. Für alle anderen steigt der Selbstbehalt auf 20 Prozent. Den Höchstbetrag für den jährlichen Selbstbehalt würde der Bundesrat festlegen.

Wenn sich 60 Prozent der Versicherten einem Managed-Care-Modell anschliessen, würde diese Variante laut Gesundheitsminister Didier Burkhalter die obligatorische Krankenversicherung jährlich um 1,1 Milliarden Franken entlasten. Bei der Variante des Ständerats würde das System um 840 Millionen Franken entlastet. Bei beiden Varianten geht ein Teil der Entlastung auf Kosten der Versicherten.

Kein Angebotszwang für Krankenkassen

In einem zweiten Kernelement der Vorlage hat der Ständerat eine grundsätzliche Differenz zum Nationalrat geschaffen: Die kleine Kammer will die Krankenversicherer nicht zwingen, ein integriertes Versorgungsnetz anzubieten.

Mit 21 zu 14 Stimmen entschied sich der Ständerat gegen den Willen von Nationalrat und Bundesrat dafür, die Angebotspflicht aus der Vorlage zu streichen.