Interview

Mitarbeiter müssen Körpertemperatur messen, bevor sie zur Arbeit erscheinen: So geht Lehner mit der Coronakrise um

Wegen des Coronavirus musste der Bettwäsche-Marktführer Kurzarbeit anmelden. Dafür boomen Online- und Katalogbestellungen.

Maurizio Minetti
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Lehner-Versand-Chef Thomas Meier.

Lehner-Versand-Chef Thomas Meier.

Apimedia

Weil während des Lockdowns herkömmliche Läden geschlossen haben, boomt der Onlinehandel. Spüren Sie eine stärkere Nachfrage in Ihrem Onlineshop?

Thomas Meier: Ja, es ist zeitweise wie an Weihnachten oder am Black Friday. Aber den Umsatzverlust, den wir wegen der erzwungenen Schliessung unserer acht Filialen erleiden, machen wir damit nicht wett. Wir rechnen damit, dass wir bis Ende April 3 bis 4 Millionen Franken an Umsatz verlieren werden.

Mussten Sie Kurzarbeit anmelden?

Ja, für rund 100 Angestellte von insgesamt 250.

Welche Vorkehrungen haben Sie für die restlichen Mitarbeiter und Ihre Kunden getroffen?

Wir haben ein Pandemiekonzept mit verschiedenen Eskalationsstufen erarbeitet. Dieses umfasst die gängigen Massnahmen wie Händedesinfektionsmittel für alle, Handschuhe für Logistikmitarbeiter, Sicherheitsabstand sowie Homeoffice. In einer nahen Liegenschaft haben wir ein Notbüro für jene Büromitarbeitenden erstellt, die nicht von zu Hause aus arbeiten können. Zusätzlich lassen wir Warenretouren 72 Stunden ruhen, bevor wir sie verarbeiten. Schliesslich haben wir den Reinigungsrhythmus erhöht und alle Mitarbeitenden verpflichtet, ihre Körpertemperatur zu messen, bevor sie zur Arbeit erscheinen.

Einige Zentralschweizer Vermieter haben signalisiert, dass sie für die Dauer von Filialschliessungen den Mietzins stunden sowie zum Teil die Mieten reduzieren. Wie sieht es bei Ihren Vermietern an den Filialstandorten aus?

Diese Grosszügigkeit spüren wir ehrlich gesagt nicht. Wir haben das Gespräch mit den Liegenschaftsbesitzern gesucht, aber bislang keine Mietzinsreduktionen bekommen. Die Vermieter verweisen dabei auf die Hypotheken, die sie ja trotzdem bezahlen müssen. Man ist höchstens bereit, die Mieten später einzukassieren.

Lehner betreibt Filialen und einen Onlineshop, verschickt aber nach wie vor auch Millionen von gedruckten Katalogen pro Jahr. Ist das noch zeitgemäss?

Oh ja. Gerade jetzt während der Coronakrise haben wir die Auflage erhöht. Die Menschen sitzen zu Hause und haben weniger zu tun. Da bietet es sich an, im Katalog zu blättern. Wir haben bei der neusten Ausgabe festgestellt, dass die Katalogbestellungen zugenommen haben.

Dieses Jahr dürfte sich der Umsatz aber dennoch rückläufig entwickeln. Schon 2019 sind Sie weniger schnell gewachsen als noch 2018. Geht Ihre Strategie noch auf?

Wir sind überzeugt, durch die Kombination von Filialen, Online- und Kataloghandel richtig aufgestellt zu sein. Dass der Umsatz im vergangenen Jahr nicht mehr so stark sprudelte, hat einerseits damit zu tun, dass 2018 ein Jubiläumsjahr mit zahlreichen Events und Aktionen war, andererseits auch mit der verstärkten Konkurrenz im Onlinehandel. Wir erwirtschaften rund 60 Prozent unseres Umsatzes online. In unmittelbarer Zukunft werden wir aber weitere Filialen eröffnen, im Rhythmus von 1 bis 2 pro Jahr.

Sie sind Marktführer im Bereich Bettwäsche. Haben Sie wegen der Coronakrise Nachschubprobleme?

Nein, wir beziehen die Bettwäsche aus der Türkei, aus Indien und Pakistan; die Lieferketten sind hier nicht unterbrochen. Wir spüren aber Verzögerungen im Bereich Haus, Hobby, Garten und Mode. Diese Produkte beziehen wir vorwiegend via Hongkong. Demnächst hätte dort eine wichtige Messe stattfinden sollen, doch wir können es uns nicht leisten, 14 Tage in Quarantäne zu gehen, wie dies bei Einreisen nach Hongkong vorgeschrieben ist. Also bleiben wir der Messe fern. Wir müssen davon ausgehen, dass die Produktevielfalt im Sommer kleiner sein wird als üblich.

Am Hauptsitz in Schenkon wollen Sie für 7 Millionen Franken das bestehende Gebäude um vier Etagen auf zirka 30 Meter aufstocken und damit weitere 6000 Quadratmeter Platz schaffen. Wie kommen Sie mit dem Projekt voran?

Die Frist für Einsprachen ist mittlerweile abgelaufen. Das bedeutet, dass wir nun noch auf die Urnenabstimmung warten, die dem Projekt hoffentlich im Juni grünes Licht erteilen wird. Wenn alles gut geht, können wir im Herbst mit dem Bau des teilautomatisierten Warenlagers beginnen. Wir rechnen damit, dass es dann Ende 2021 bezugsbereit sein wird.

Sie planen zudem neben dem bestehenden Gebäude einen weiteren Anbau von derselben Höhe. Hier kommt Ihnen allerdings der Gewässerschutz in die Quere.

Ja, bei diesem Projekt sind wir von der Realisierung noch weiter entfernt. Ich bin aber überzeugt, dass wir auch hier mit Kanton, Gemeinde, Aquaregio und dem Landbesitzer eine pragmatische Lösung finden werden, die für alle stimmt.

Thomas Meier (44) ist CEO und Mitinhaber von Lehner Versand mit Hauptsitz in Schenkon und seit 2019 FDP-Kantonsrat in Luzern.