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Interview

Mobiliar-Chef über innovative Projekte: «Dieses Risiko müssen wir eingehen»

Markus Hongler erklärt, warum der Versicherer zusätzliche 250 Millionen Franken für Informatik und Digitalisierung ausgibt. Seine Zukunft bei Mobiliar lässt der 61-jährige CEO vorerst offen.
Interview: Maurizio Minetti
Mobiliar-CEO Markus Hongler an der Bilanzmedienkonferenz in Bern. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone, 9. April 2019)

Mobiliar-CEO Markus Hongler an der Bilanzmedienkonferenz in Bern. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone, 9. April 2019)

Im Kerngeschäft wird das Geldverdienen für Versicherer immer schwieriger, darum gibt die Mobiliar viel Geld für Digitalprojekte aus. Nun investieren Sie weitere 250 Millionen Franken. Was haben Sie vor?

Markus Hongler: Unser IT-Budget beträgt normalerweise rund 130 Millionen Franken pro Jahr. Jetzt stocken wir das Budget um 50 Millionen pro Jahr auf, und zwar über fünf Jahre. Wir haben die Zahl der Informatiker innerhalb von neun Monaten von 450 auf 600 erhöht. Es geht in einem ersten Schritt um die Renovation unserer Kernapplikationen. Wir lösen zum Teil 20 Jahre alte Software durch unsere Neuentwicklungen ab. Das ist der grösste Brocken. Würden wir das Budget nicht erhöhen, bräuchten wir für die Modernisierung der IT-Landschaft zehn Jahre. So geht es in fünf Jahren.

Was bezwecken Sie damit?

Mit der neuen IT-Infrastruktur werden wir agiler sein. Wir sind dann in der Lage, Produkte schneller den Gegebenheiten am Markt anzupassen und noch besser auf Kundenbedürfnisse einzugehen. Die neuen Systeme unterstützen auch unsere zwei Ökosysteme: Eines für KMU und eines für die Themen Mieten, Kaufen und Wohnen. Der von uns letztes Jahr übernommene KMU-Software-Anbieter Bexio wird das Herz des KMU-Ökosystems sein. Rund um diese Systeme braucht es diverse Applikationen, die wir selber bauen oder hinzukaufen. Für solche «Schnellboote», wie wir sie nennen, geben wir 10 Millionen Franken pro Jahr aus.

Verdienen Sie denn mit digitalen Produkten überhaupt Geld?

Wir machen heute ungefähr 10 Prozent unseres Gewinns mit dem digitalen Geschäft.

Wie gross soll der Anteil künftig sein?

Es ist für uns gar nicht so wichtig, wie viel Gewinn heute die digitalen Projekte oder Firmen, die wir übernommen haben, abwerfen. Viel wichtiger ist, dass sie überhaupt Gewinn machen. Die Plattform Scout24 oder Bexio – das sind Firmen, die sich viel schneller entwickeln als dies die Versicherungswirtschaft tut. Wir lernen enorm viel von ihnen, etwa in Bezug auf das Marketing oder wie sie sich gegen die Konkurrenz behaupten. Für uns ist es entscheidend, diese neuen Tendenzen aufzunehmen.

Mit Bexio verdienen Sie aber noch kein Geld?

Nein, aber die Firma ist noch im Aufbau. Wenn wir wollten, könnten wir mit Bexio Geld verdienen, doch wir investieren weiter in die Plattform, um sie noch besser zu machen.

Die Mobiliar soll über 100 Millionen Franken für Bexio bezahlt haben. Ist das nicht zu viel wenn man die überschaubare Zahl der Kunden berücksichtigt?

Wir kommunizieren den Kaufpreis nicht.

Ab wann möchten Sie mit Bexio Geld verdienen?

Das hängt damit zusammen, wie schnell wir mit Bexio wachsen können. Natürlich haben wir für die nächsten Jahre einen entsprechenden Businessplan.

Welche Strategie verfolgen Sie denn genau mit solchen Plattformen? Sollen Nutzer von Autoscout24 Autoversicherungen, Nutzer von Immoscout24 Hypotheken und Bexio-Kunden Firmenkredite von der Mobiliar beziehen?

Das wäre der falsche Weg. Diese Plattformen leben von ihrer Offenheit. Bei Bexio sind diverse Banken angeschlossen, wir können dort nicht unsere Produkte bevorzugt behandeln. Das würden die Nutzer nicht goutieren. Ich glaube nicht an Exklusivität bei digitalen Plattformen.

In der Vergangenheit hat die «Mobi» aber auch schon aufs falsche Pferd gesetzt. Den E-Bike-Verleiher Smide haben Sie letztes Jahr wieder an das Management verkauft.

Smide ist eine fantastische Geschichte, technologisch hervorragend. Wir haben aber gemerkt, dass das Geschäftsmodell nicht zur Mobiliar passt. Warum sollten wir E-Bikes vermieten?

Ebenfalls weit weg von Ihrem Kerngeschäft ist das 33 Milliarden Franken teure Logistik-Jahrhundertprojekt Cargo Sous Terrain. Sie beteiligen sich zunächst mit 7,5 Millionen Franken und sind damit aktuell der grösste Schweizer Geldgeber. Was haben Versicherungen mit Logistik zu tun?

Grundsätzlich vertreten wir den Gedanken, dass es der Mobiliar gut geht, wenn es der Schweiz als Ganzes gut geht. Und Infrastruktur ist für eine florierende Volkswirtschaft entscheidend. Wir sehen uns also gesellschaftlich in der Verantwortung.

Sogar SBB-Chef Andreas Meyer hat sich letzthin kritisch zu Cargo Sous Terrain geäussert.

Wir investieren ja nicht Milliarden, sondern wollen mit unserer Mitfinanzierung herausfinden, ob das Projekt überhaupt umgesetzt werden kann. Wir haben mit Coop, Migros und Post im Vorfeld darüber gesprochen und die haben uns gesagt, dass es ein Bedürfnis nach einer unterirdischen Güterbahn gibt. Unser Engagement hat im Übrigen dafür gesorgt, dass andere eingestiegen sind.

Und wenn sich herausstellt, dass die Bahn nicht gebaut werden kann?

Dann haben wir das Geld verloren, aber dieses Risiko müssen wir eingehen. Wenn es klappt, dann sind wir natürlich an einer langfristigen Investition interessiert. Die Mobiliar sucht heute händeringend nach Anlageklassen, die in Zeiten von Negativzinsen eine gute Rendite versprechen. Infrastruktur ist eine langfristige Anlageklasse, in die man heute aber kaum investieren kann, weil hier der Staat oft federführend ist. Bei Cargo Sous Terrain hält sich der Staat zurück.

Sie werden dieses Jahr 62, wie lange bleiben Sie noch CEO?

Die Arbeit macht mir immer noch Spass und ich habe mit dem Verwaltungsratspräsidenten Urs Berger abgemacht, dass wir noch einige Jahre im Amt bleiben.

Wechseln Sie danach wie Ihr Vorgänger direkt ins Präsidium?

Die Zusammensetzung des Verwaltungsrats ist Sache des Verwaltungsrats. Wie gesagt: Ich bin in meiner aktuellen Situation glücklich.

Markus Hongler (61) ist in Luzern aufgewachsen. Seine Karriere in der Versicherungswirtschaft begann er mit einer kaufmännischen Lehre in der Generalagentur der Mobiliar in Luzern. Danach war er bei der Genevoise in Genf und bei der Zurich Insurance Group tätig, ehe er im Mai 2011 als CEO zur Mobiliar zurückkehrte. Hongler ist Mitglied des Verwaltungsrats der Luzerner Kantonalbank und des Stiftungsrats des Lucerne Festivals.

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