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MOBILITÄT: Automarkt: «China hat die USA überholt»

Ein Viertel aller weltweit verkauften Autos entfällt mittlerweile auf China. Von dort wird auch das Elektroauto seinen Siegeszug antreten, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.
Interview Ernst Meier
In China wurden in vergangenen Jahr 16,3 Millionen PKW verkauft. Das Bild zeigt Interessenten bei einem grossen Automarkt in Peking. (Bild: Keystone)

In China wurden in vergangenen Jahr 16,3 Millionen PKW verkauft. Das Bild zeigt Interessenten bei einem grossen Automarkt in Peking. (Bild: Keystone)

Ferdinand Dudenhöffer, im Jahr 2000 wurden jährlich knapp 50 Millionen Personenfahrzeuge verkauft. Heute sind es über 71 Millionen Stück. Geht dieses Wachstum weiter?

Ferdinand Dudenhöffer: Das Wachstum wird weitergehen; vor allem wegen den Entwicklungsländern, die im Bereich Mobilität ein hohes Nachholpotenzial haben. Konservative Prognosen gehen von einem jährlichen Zuwachs von 3,3 Prozent pro Jahr aus. Damit hätten wir im Jahr 2024 weltweit über 100 Millionen Autos. Für den grössten Teil des Zuwachs ist China verantwortlich.

Wie entwickelt sich der chinesische Automarkt?

Dudenhöffer: Vor zehn Jahren machten die PKW-Verkäufe in China mit 3,1 Millionen Fahrzeugen 6 Prozent des Weltmarktes aus. Heute sind es 25 Prozent. China hat im letzten Jahr mit 16,3 Millionen verkauften PKW die USA als grössten Automarkt überholt. China wird künftig den globalen Automarkt ganz klar dominieren.

Welches Potenzial bietet der chinesische Automarkt?

Dudenhöffer: In China leben 1,3 Milliarden Menschen. Heute kommen auf 1000 Chinesen 50 Fahrzeuge. In Europa, den USA oder in Japan kommen auf 1000 Leute 600 Autos. Wenn China nur annähernd eine Dichte erreicht wie wir bei der Industrialisierung, dann wäre dies ein extremes Wachstum für die Automobilbranche. In der westlichen Welt werden jährlich etwa 35 Millionen gebrauchte Fahrzeuge durch Neuwagen ersetzt. Hätte China diesen Auswechselprozess, brauchte es allein jährlich 50 Millionen Fahrzeuge – heute sind es 16 Millionen. Ich bin überzeugt, das Wachstum wird nicht nachlassen, weil die Industrialisierung in China an das Auto geknüpft ist.

Heute verkaufen westliche Firmen immer mehr Fahrzeuge in China. Das Land investiert aber massiv in den Aufbau einer eigenen Fahrzeugindust­rie. Was halten Sie von «Autos made in China»?

Dudenhöffer: Die ersten chinesischen Autos waren schrecklich; sie glichen eher Vehikeln, mit denen man aufpassen musste, dass man nicht irgendwo reinfährt und es auseinanderfällt. Die Qualität und der Komfort von chinesischen Autos haben sich aber stark verbessert. Die Chinesen haben sehr schnell gelernt, und die Entwicklung geht rasant weiter. Es gibt eine Zugverbindung, die fährt von Duisburg nach China; dreimal pro Woche. Heute transportiert sie hauptsächlich deutsche Autos ins Reich der Mitte. Ich bin überzeugt, in fünf Jahren werden auch ein paar chinesische Autos nach Europa kommen.

Man hört immer wieder, dass der benzinbetriebene Motor bald von umweltfreundlichen Techniken abgelöst wird. Alternativen gibt es ja zahlreiche. Wie sieht der Stand aus?

Ferdinand Dudenhöffer: Derzeit wird eigentlich alles Mögliche ausprobiert. Man setzt nach wie vor auf den Verbrennungsmotor und setzt dafür auch Gas ein. Wobei sich Gas bisher nie richtig durchsetzen konnte, obwohl es weniger CO2-Emmissionen erzeugt als Erdöl. Weiter entwickelt man Hybridmotoren. Da war Toyota der grosse Vorreiter und hat einige Modelle bereits auf den Markt gebracht. Rund 5 Millionen Hybridautos hat Toyota bis heute verkauft, was immer noch eine kleine Nische im Milliardenmarkt darstellt. 99 Prozent aller Fahrzeuge werden heute mit Benzin oder Diesel betrieben.

Wie geht die Entwicklung weiter?

Dudenhöffer: Die Autobauer versuchen den CO2-Ausstoss zu reduzieren. Einige setzen dafür auf die Weiterentwicklung der Hybridtechnologie. Immer mehr Autobauer entwickeln aber rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge, zum Beispiel mit Energie, die in aufladbaren Batterien gespeichert ist. Eine andere Technologie ist der Brennstoffzellenantrieb, wo die Energie durch das Verbrennen von Wasserstoff oder Methanol erzeugt wird. Die aktuelle Palette an Antriebstechniken ist also sehr breit. Was sich durchsetzen wird, kann man heute noch nicht sagen.

Das Ziel ist aber klar: eine schadstofffreie Antriebsart. Das spricht für das Elektromobil. Weshalb setzt es sich noch nicht durch?

Dudenhöffer: Weil wir es noch zu wenig wollen. Die heutige Situation ist vergleichbar mit 2007. Da wollten wir auch noch keine Sprit sparenden Autos. Erst als die EU-Kommission kam und sagte, wir wollen Sprit sparende Fahrzeuge, wurden Regulierungen beschlossen. Heute ist es Alltag.

Ist es nicht vielmehr die Erdölindustrie, die mit tiefen Preisen Benzin- und Dieselmotoren am Leben hält?

Dudenhöffer: Natürlich ist es die Erdölindustrie, die hier bremst – aber nicht nur. Es sind auch die Autobauer, die weiter auf spritbetriebene Fahrzeuge setzen. Dabei unterstelle ich ihnen keinen bösen Willen. Es ist nun mal so, dass die Marge bei einem Auto mit 500 PS höher ist als bei einem mit bloss 100 PS. Der Treibstoffverbrauch war zu lange kein Kaufargument – bis dann EU-Regulierungen kamen.

Welche Antriebsart hat für Sie die besten Zukunftsaussichten?

Dudenhöffer: Ich schätze, das Elektroauto hat die besten Chancen, sich durchzusetzen. Der Durchbruch wird wohl in China erfolgen. In Europa und den USA tut man sich zu schwer, weitere Vorschriften für die CO2-Reduktion zu beschliessen. China hat klare Pläne von staatlicher Seite. So will die Regierung in Peking bis ins Jahr 2020 rund 5 Millionen Elektrofahrzeuge im Strassenverkehr haben. China wird die Elektromobilität weltweit nach vorne bringen. Das Land kämpft in den Grossstädten massiv mit der Luftverschmutzung. Eine Verbesserung der Situation – ohne Verzicht auf Mobilität – ist nur mit Elektrofahrzeugen möglich.

Sind die heutigen Big Player wie VW, Toyota oder Ford auf das Zeitalter der Elektroautos vorbereitet, oder sind es neue Anbieter wie der US-Pionier Tesla, die sich durchsetzen?

Dudenhöffer: Die heutigen Marktführer der Autoindustrie versuchen, den Sinneswandel zu verstehen und mitzumachen. Doch gerade Tesla ist ein wunderschönes Beispiel, das es auch anders kommen könnte. Die Fahrzeugbauer sagen immer, man müsse 100 Jahre Autos gebaut haben, um das Handwerk zu verstehen. Jetzt kommt aber ein Branchenfremder wie Tesla und baut ein High-Performance-Auto mit einem völlig neuen Antriebs- respektive Batteriekonzept. Gleichzeitig überzeugt es auch in der Mechanik und im Design. Da muss man sagen: Hut ab! Ich glaube, es werden noch weitere Firmen wie Tesla den Markt aufmischen. Diese müssen nicht nur aus dem Antriebsbereich kommen. Auch Google hat Pläne, in der Autoindustrie einzusteigen.

Will Google denn mehr, als Software für Fahrzeuge herzustellen?

Dudenhöffer: Es gibt Videos von Probeläufen auf den Google-Testgeländen in der US-Wüste, wo der Technologieriese Versuche mit selbst fahrenden Autos macht. Man muss Google als möglichen neuen Mitspieler in der Autoindustrie durchaus ernst nehmen. Ich glaube aber, dass ­Google eher Softwarelösungen entwickeln will. Wenn man diese der Fahrzeugindustrie verkaufen kann, dann lockt ein Milliardengeschäft mit lukrativen Margen. Noch sind Lösungen mit selbst fahrenden Fahrzeugen nicht marktreif. Es bleibt abzuwarten, ob Google hier die Autobauer für eine Kooperation überzeugen kann oder ob diese eine eigene Lösung anstreben.

Hinweis

Ferdinand Dudenhöffer (62) ist einer der renommiertesten Autoexperten Deutschlands. Der Deutsche arbeitete lange Jahre bei Opel und Porsche. An der Universität Duisburg-Essen leitet er den Lehrstuhl für Automobilwirtschaft. Das Interview entstand bei einem Medienanlass der Firma Sika.

Bild: Quelle: CAR Uni Duisburg Essen / Grafik: Martin Ludwig

Bild: Quelle: CAR Uni Duisburg Essen / Grafik: Martin Ludwig

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